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Sat.1-Geschäftsführer Bartl im Gespräch : Fernsehen für unsere besten Jahre

  • Aktualisiert am

„Jeder Abend braucht bei jedem Sender seine eigene Tonalität” Bild: Sat.1

Andreas Bartl gibt die Geschäftsführung von Sat.1 ab. Er meint, der richtige Zeitpunkt sei da und der richtige Nachfolger auch. Der muss allerdings ohne die Champions League auskommen.

          An welchem Ihrer Sender haben Sie am meisten Freude?

          Eine schöne, aber gemeine Frage, weil ich an allen Freude habe und alle Sender als koordinierender Vorstand gleichermaßen hege. Als interimistischer Geschäftsführer von Sat.1 bin ich da natürlich am nächsten dran. Abgesehen davon, bereitet natürlich vor allem sixx mit seinem Wachstum Freude.

          Läuft Sat.1 denn wirklich rund? Sie liegen mit dem größten Sender Ihrer Gruppe im Wettbewerb auf Platz vier.

          Bei den Vierzehn- bis Neunundvierzigjährigen liegen wir auf Platz drei mit um die elf Prozent. Und um weiter voranzukommen, muss man Grundlagen schaffen. Es ist wichtig, ein klares Programmschema aufzustellen und die richtigen Genres hervorzuheben, im Falle von Sat.1 waren das zuletzt die deutschen Serien und die Show. Die Weichen sind gestellt, und von daher ist es auch für mich Zeit, mein Interim zu beenden.

          Sie geben die Sat.1-Geschäftsführung ab?

          Mein Interim endet, ich werde die Geschäfte bei Sat.1 an Joachim Kosack übergeben, am 4. Oktober, am Tag nach dem Tag der deutschen Einheit. Als ich Sat.1 übernommen habe, habe ich versprochen, ein bestelltes Haus zu übergeben. Ich habe den Eindruck, es ist so weit. Joachim Kosack ist einer der besten Fernsehmacher in Deutschland, sehr charismatisch, sehr kreativ, sehr erfahren. Und es tut sich sehr viel bei Sat.1: Wir haben gerade vier neue Serien bestellt, die 2012 ins Programm kommen.

          Und die handeln wovon?

          Der Reihe nach: Es kommt eine Arztserie, so eine Art „Edel & Starck“ im Ärztemilieu mit dem Arbeitstitel „Heller & Hansen“; dann eine Krimiserie mit dem Arbeitstitel „Familie undercover“, in der es um einen Kommissar geht, der mit seiner Familie in ein Zeugenschutzprogramm eintreten muss; wir haben eine „Salt and Pepper“-Krimigeschichte, die in München spielt, also eine Serie, die mit zwei sehr unterschiedlichen Charakteren arbeitet. Und last but not least eine originelle Dramedy, die den Arbeitstitel trägt „Es kommt noch dicker“.

          Die deutsche Serie galt als tot. Erinnern Sie sich noch, wann und warum Sie doch „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ ins Programm genommen haben?

          Joachim Kosack schwor von Beginn an auf diese Serien, was kein Wunder ist, er hat sie ja beauftragt. Als ich Sat.1-Chef wurde, habe ich mir gesagt: Also, wenn diese Serien nicht wenigstens einigermaßen funktionieren, dann verstehe ich nichts vom Fernsehen, lasst es uns einfach probieren. Damit haben wir ein Kern-Genre wiederbelebt. Das andere sind die Familienshows, bei denen wir eng mit John de Mol zusammenarbeiten. Er macht drei neue Shows für uns. Mit „The Voice“ haben wir uns meines Erachtens das beste neue Showformat seit fünf Jahren gesichert. Was Serien angeht, lautet der Plan, montags konsequent deutsche Fiction anzubieten. Jeder Abend braucht bei jedem Sender seine eigene Tonalität. In diesem Punkt sind wir bei Sat.1 gut weitergekommen.

          In einem Programmgenre war Sat.1 – sympathischerweise – nie so „gut“ wie RTL: Reality-Fernsehen. Muss man das wirklich haben? Programme mit Maden mampfenden D-Promis bei RTL oder den „Frauentausch“ bei RTL2?

          Es ist eine Geschmacksfrage. Wir haben bei Sat.1 immer Wert darauf gelegt, auch eine Qualitätsalternative zu RTL darzustellen. Gleichwohl muss man sagen: Diese Genres sind sehr populär. Sie müssen dabei noch unterscheiden zwischen der „Scripted Reality“ und der „Doku-Soap“. Wir konzentrieren uns auf die dokumentarische Herangehensweise etwa der Doku-Soaps. Sat.1 hat einst am Nachmittag mit den Richtershows die „Scripted Reality“ quasi miterfunden.

          Aber inszeniert ist doch alles. „Dokumentiert“ wird, was im Drehbuch steht.

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