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Neuverfilmung : Sisi auf dem Zauberberg

Ein bisschen mehr als Pomp and Circumstandes: Xaver Schwarzenberger findet die richtigen Bilder für die kaiserliche Romanze Bild: Bernhard Berger

Dreieinhalb Stunden bestes Fernsehen: In Xaver Schwarzenbergers Kaiserinnengeschichte, an diesem Donnerstag im ZDF zu sehen, spielen Martina Gedeck und die junge Christiana Capotondi groß auf.

          Nein, diese Sisi sieht nicht aus wie Romy Schneider. Aber Romy Schneider hat auch nicht ausgesehen wie die spätere Kaiserin von Österreich, die am Heiligen Abend des Jahres 1837 als Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern, in der Münchner Ludwigstraße geboren wurde und ihre Jugend in Possenhofen am Starnberger See verbrachte. Allerdings sieht die Sisi - und eben nicht mehr: die Sissi -, die das ZDF jetzt in Szene gesetzt hat, ihrem historischen Vorbild womöglich ähnlicher als Romy Schneider Mitte der fünfziger Jahre, als Ernst Marischka die Frau des Kaisers Franz Joseph I. zum Wunschtraum des Wirtschaftswunders emporhievte. Erst 1972, als Luchino Visconti seinen Film „Ludwig II.“ drehte und Romy Schneider eine Cameo-Rolle darin gab als eingeschnürte verschleierte Reiterin, kamen Sisi und Romy sich sehr nah.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Xaver Schwarzenbergers opulenter Zweiteiler „Sisi“, der das Weihnachtsprogramm einläutet - auf Sat.1 wird auch in diesem Jahr die gute alte „Sissi“ laufen -, ist angekündigt als „Historischer Liebesfilm in zwei Teilen“. Ein bisschen mehr ist diese Super-Schmonzette, die knapp dreieinhalb Stunden währt, dann doch. Denn Schwarzenberger ist als Kameramann wie als Regisseur der Mann fürs Feine und Filigrane, für die Nuancen. Er findet Szene für Szene Bilder, oft mit der Anmutung von Tableaus, komponiert wie Gemälde bis in ihre Ränder und Hintergründe. Für ihn, der mit Fassbinder gearbeitet hat, aber auch bei zwei „Otto“-Filmen die Kamera führte oder bei Helmut Dietls „Schtonk!“, ist das neunzehnte Jahrhundert eine Lieblingskulisse. Schon seine Verfilmung von Marie von Ebner-Eschenbachs Erzählung „Krambambuli“ von 1998 zeigt das großartig. Er bedient virtuos die Klaviatur starker, unterdrückter und weggedrängter Gefühle, er leuchtet die Seelennischen aus, anscheinend ohne zu deuten; darin liegt der besondere Reiz jetzt auch von „Sisi“.

          Pflicht und Neigung

          Dazu war einiger Aufwand nötig: Zweitausend Komparsen, zwanzig Kutschen und hundert Pferde, siebenhundert Kostüme, davon vierzig maßgeschneiderte Roben für Sisi, kommen zum Einsatz. Das Spektakel folgt der Geschichte der bayerischen Prinzessin von der Erwählung zur Frau als gerade Fünfzehnjährige durch ihren sieben Jahre älteren Cousin Franz Joseph bis zur Krönung des Kaiserpaars 1867 zu König und Königin von Ungarn. Die junge römische Schauspielerin Cristiana Capotondi gibt eine umwerfende Sisi, in einer Mischung aus Naivität und Aufsässigkeit, aus Selbstbewusstsein und Selbstkasteiung, aus Hellsichtigkeit und Engstirnigkeit. Es scheint manchmal, als denke sie sogar daran, den einzigen Makel von Sisis schon zu ihren Lebzeiten weltberühmter Schönheit, ihre kariösen Zähne, mit der Oberlippe zu bedecken, wie es Elisabeth von Österreich nachgesagt wird.

          Cristiana Capotondi spielt die „Sisi” so anmutig, wie man es sich nur wünschen kann
          Cristiana Capotondi spielt die „Sisi” so anmutig, wie man es sich nur wünschen kann : Bild: Bernhard Berger

          Jedenfalls ist ihr Lächeln ein ständiges Verbergen, ihre wiederholte Flucht vom Hofe ist die getriebene Suche nach sich selbst. An der Seite von Cristiana Capotondi spielt David Rott den jungen Kaiser, der sie statt ihre Schwester heiratet. Ob das die Liebeswahl war, als die es fortan galt, gehört zu den bis heute ungelösten Rätseln um Sisi. David Rott gestaltet, als Theaterschauspieler, diesen Franz Joseph als Mann seiner Zeit und seines Standes, für den die Unterstellung, er schwanke zwischen Pflicht und Neigung, schon zu hoch gegriffen wäre. Aber er beleidigt seine Figur nicht, er zeigt sie als Opfer eines engstirnigen Selbstbilds, von Drill und Kuratel.

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