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„Liebeskuss am Bosporus“ im ZDF : Ein großes deutsch-türkisches Kuddelmuddel

Am Ende scheut sich auch Jakob (Tim Bergmann) nicht, Didem (Jasmin Gerat) näherzukommen Bild: ZDF

Obwohl der Titel eine belanglose Schmonzette befürchten lässt, lohnt der ZDF-Film „Liebeskuss am Bosporus“ das Anschauen. Auf amüsante Weise führt uns diese Komödie in türkische Lebenswelten, die ansonsten viel zu wenig beachtet werden.

          Mit deutsch-türkischen Liebesgeschichten im Fernsehen ist das so eine Sache. Immer gibt es da einen grimmigen türkischen Vater, der seine Prinzessin nur einem jungen Landsmann anvertrauen will. Der deutsche Verehrer kann und will nicht verstehen, warum die Familie nicht auch ihn als Bräutigam akzeptiert, und macht das Ganze durch Bitten und Drängen immer noch schlimmer - das unerfreuliche, gar tragische Ende der beiden Liebenden ist programmiert.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Einen ganz anderen Ton, den man bei allem Bewusstsein um Ehrenmorde, Importbräute und Zwangsheirat aber gerne viel öfter hören würde, schlägt nun die Komödie „Liebeskuss am Bosporus“ (Drehbuch: Katrin Milhahn und Berno Kürten, Regie: Berno Kürten) an.

          Didem (Jasmin Gerat) ist jung, hübsch und lebt in Berlin. Ihr Vater Ekrem (Tayfun Bademsoy) ist Stoffhändler in Istanbul, betreibt aber nicht etwa eine kleine Touristen-Klitsche im Basar, sondern ein weltweit operierendes, äußerst erfolgreiches Unternehmen.

          Heimliche Berliner Blicke: Didem (Jasmin Gerat) und Jakob (Tim Bergmann) haben Grund, sich nicht erwischen zu lassen
          Heimliche Berliner Blicke: Didem (Jasmin Gerat) und Jakob (Tim Bergmann) haben Grund, sich nicht erwischen zu lassen : Bild: ZDF

          Es droht die Exmatrikulation

          Seine Kinder haben das deutsche Gymnasium in Istanbul besucht und machen einfach nie das, was er will: Eigentlich sollte Sohn Serkan (Kerem Can) eines Tages die Firma übernehmen, statt dessen aber macht er als DJ Karriere in seinem Nachtclub „Byzanz“, der als angesagte Talentschmiede junger Musiker gilt. Didem wiederum hatte bisher keine Lust auf eine Heirat. Das hat der Vater inzwischen akzeptiert.

          Nach Deutschland hat er sie jedoch nur gelassen, weil ihm die Tochter versprochen hat, nach Abschluss eines Wirtschaftsstudiums die Geschäfte in Istanbul zu übernehmen. Dass Didem in Berlin in Wirklichkeit etwas ganz anderes treibt, ahnt die Familie erst, als in Istanbul ein Brief der Berliner Universität eintrifft: Wegen verpasster Prüfungen droht ihr die Exmatrikulation. Alarmiert reist die Familie in Deutschlands Hauptstadt.

          Was nun folgt, ist ein großes, liebevoll inszeniertes Kuddelmuddel, in dem Didem den Eltern das Leben einer braven Studentin vorzugaukeln versucht - in Wirklichkeit ist sie Schülerin einer Modeakademie, hat gerade ihren deutschen Freund mit einer Rivalin im Bett erwischt und schneidert mit dem eigentlich als Aufpasser abgestellten Onkel Ali (Aykut Kayacik) Haute Couture.

          Verzicht aufs Klischee

          In Jakob (Tim Bergmann) findet Didem einen zunächst unfreiwilligen Komparsen für ihr Rollenspiel. Für den verschrobenen Musikhistoriker ist gerade eine Welt zusammengebrochen, da niemand seine Kompositionen kaufen will. Aus Geldnot willigt er ein, für ein Türkenpop-Label an den Bosporus zu reisen, um dort den Sommerhit zu finden.

          Der Deal: Didem darf Jakobs Wohnung (in die alte kann sie nicht, da ist der Ex mit seiner Neuen) als ihre eigene ausgeben, Jakob wohnt dafür in Istanbul heimlich in jener ihrer Eltern. Natürlich kehrt Jakob früher als geplant nach Berlin zurück - das quirlige Istanbul überfordert den überkorrekten Wissenschaftler ganz einfach. Natürlich gibt es ein ungeplantes Zusammentreffen in der Berliner Wohnung zwischen ihm und Didems Eltern. Und natürlich behauptet Didem einfach, Jakob sei ihr Freund. Und tatsächlich entspannt sich zwischen dem ungleichen Paar ein Band zarter Liebe.

          Erfreulich ist vor allem, dass der Film auf das Klischee einer türkischen Familie verzichtet, die immer noch nicht richtig in Deutschland angekommenen ist. Statt dessen zeigt er eine türkische Lebenswelt, die bei uns viel zu selten Beachtung findet. Und zum Schmunzeln bringt er einen auch.

          Liebeskuss am Bosporus läuft heute um 20.15 Uhr im ZDF.

          Quelle: F.A.Z.

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