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Judith Holofernes im Gespräch : Komm, ich zeig' dir meinen Kängurubauch

  • Aktualisiert am

„Themenabende hab' ich schon als Teenager gesehen, und Hintergründwe der Musik erfährt man längst nur noch da” Bild:

Ab Dienstag moderiert die Sängerin von „Wir sind Helden“ bei Arte. Im F.A.S.-Interview spricht Judith Holofernes über Schönheitszwänge im Fernsehen, kapitalistischen Pop mit attraktiven Merkmalen, Macht durch Sexualität und Heidi Klum.

          Frau Holofernes, Sie moderieren die Reihe „Summer of Girls“, in der es um Musikerinnen geht, die überwiegend erwachsen sind. Warum nennt Arte sie trotzdem Mädchen?

          Das hat mich anfangs auch etwas gestört. Aber dieses „Summer of...“ ist nun mal Teil der Klammer, die es jedes Jahr gibt bei Arte, wie „... the Sixties“. „Girls“ klingt wohl etwas flüssiger als „Summer of Women“, was mir inhaltlich lieber gewesen wäre. Deshalb habe ich, um damit nicht ständig Bauchschmerzen zu haben, in meinen Moderationen, so oft es geht, Girls durch Frauen ersetzt.

          Achten Sie da insgesamt auf die Sprache und hängen zum Beispiel „innen“ an?

          Ich bin sehr empfindlich, was Sprache angeht, aber weniger im Sinne von Political Correctness als in einem ästhetischen, semantischen Sinne. „Girls“ in Zusammenhang mit Erwachsenen ist eben falsch, so wie es bei „Germany's Next Topmodels“ meist den Tatsachen widerspricht.

          Wie reagieren Sie, wenn man Sie als Girl bezeichnet?

          Mit lautem Protest! Aber auch, weil „Girl“ so wahnsinnig Nineties ist. Damals glaubten ja selbst Feministinnen, dass es okay sei, Frauen als Girls zu bezeichnen, solange es mit fünf „r“ geschrieben wird oder schlimmer: mit „ies“ am Ende. Girl ist völlig over. Um auch mal ein paar Anglizismen einzustreuen.

          Bezeichnen Sie sich als Feministin?

          Ich fühle mich einer feministischen Tradition verbunden, nenne mich deshalb aber nicht Feministin. Das klänge, als sei es das Einzige, was mich definiert, wie ein Beruf. Wobei es viele gibt, die das beruflich ausüben, und denen bin ich sehr dankbar.

          Sie meinen die zweite Generation, Typ Alice Schwarzer. Gehören Sie mit 34 eher zu den entspannteren Lipstick-Feministinnen?

          Ich liege dazwischen. Das Wichtigste ist, dass Frauen nicht denken, Feminismus betreffe sie nicht. Gerade in meinem Metier ist das Geschlecht alles andere als egal, die Oberfläche konstituiert uns darin mehr als alles andere. Das zeigt sich besonders in dem Moment, wo Musikerinnen, die sich bis dato für unfassbar emanzipiert, sogar befreit gehalten haben, zurückfallen in alte Verhaltensmuster. Und das passiert gerne...

          Wenn man alt wird?

          ... genau, vor allem im Pop. Ansonsten: wenn Kinder dazukommen.

          Bei Ihnen auch?

          Ja, Kinder zu kriegen macht unsichtbare Grenzen sichtbar. Und zeigt, wie unterschiedlich Männer und Frauen ihr Elternsein gespiegelt kriegen. Mein Mann und ich sind in der Erziehung so gleichberechtigt wie überhaupt möglich. Trotzdem fällt auf, dass Pola...

          Ihr Mann und Schlagzeuger.

          ... permanent Schulterklopfen für identische Erziehungsarbeiten erntet, die mir entsprechend von meinem Arbeitskonto abgezogen werden, als würde ich mich davor drücken. Wenn ich ein Interview gebe und nebenan schreit unser Baby an Polas Schulter, werde ich oft gefragt, wie ich mich dabei fühle; eine Frage, die ihm sicher nie gestellt wird. Da schwingt viel Rabenmutterdenken mit, jedenfalls kein Anflug von Anerkennung eines stinknormalen Zustandes zweier moderner Menschen, die sich arbeitsteilig um den Nachwuchs kümmern. Jedes Gespräch mit Fremden über mein Leben beginnt damit, wie besonders es sei.

          Ein Grund mehr zu fragen, wie emanzipiert die Popmusik als Ganzes ist.

          Künstlerinnen, aber auch Künstler, die vor allem Oberfläche sind, gab es ja immer.

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