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Im Gespräch: Esther Schapira : Was geschah mit Mohammed al-Dura?

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Ein Film-Still, das fatale Weltkarriere machte: Jamal al-Dura und sein Sohn Mohammed am 30. September 2000 Bild: AFP

Das Bild wurde zur politischen Ikone der Intifada: Es zeigt, wie der zwölf Jahre alte Mohammed al-Dura von israelischen Soldaten erschossen wird. Doch kam das Feuer tatsächlich von Israelis? Ist das Kind wirklich tot oder das Video gar eine Fälschung? Esther Schapira äußert in einem ARD-Film Zweifel.

          Das Bild wurde zur politischen Ikone der Intifada: Es zeigt, wie der zwölf Jahre alte Mohammed al-Dura von israelischen Soldaten erschossen wird. Doch kam das Feuer tatsächlich von Israelis? Ist das Kind wirklich tot, das Video gar eine Fälschung? Esther Schapira, Autorin des heute Abend im Ersten ausgestrahlten Films „Das Kind, der Tod und die Wahrheit“ (siehe: Dieses Kind ist wohl noch am Leben) hat Zweifel.

          Am 30. September 2000 wurde der zwölf Jahre alte Mohammed al-Dura angeblich von israelischen Soldaten im Gazastreifen erschossen. Es gibt eine kurze Filmszene des französischen Kanals France 2, die seine Tötung dokumentiert. Welche Bedeutung haben diese Bilder in der arabischen Welt?

          Das Bild von Mohammeds Tod am zweiten Tag der Intifada wurde zum Symbolbild des Aufstands der Palästinenser. Es ist sicher das Bild, das die Anklage gegen Israel am stärksten auf den Punkt bringt, mit der Botschaft: Israel tötet vorsätzlich Kinder. Überall sprach man von kaltblütigem Mord. Israelische Soldaten hätten zwei Zivilisten, Mohammed und seinen Vater Jamal, 45 Minuten unter Beschuss gehalten und schließlich bewusst ein Kind getötet.

          Esther Schapira
          Esther Schapira : Bild: picture-alliance/ dpa

          Welche Folgen hatte das Bild?

          Mit diesem Bild sind weltweit Terrorakte gerechtfertigt worden. Es gibt beispielsweise ein Rekrutierungsvideo von al-Qaida mit der Stimme Bin Ladins mit dieser Szene, und bei der Enthauptung des amerikanischen Journalisten Daniel Pearl durch Islamisten liefen diese Bilder im Hintergrund. Es gibt weltweit Straßen, Plätze, sogar Briefmarken, die nach Mohammed al-Dura benannt sind. Kinder lernen seine Geschichte in der Schule, Lieder und Videoclips würdigen ihn als Märtyrer.

          In ihrem ersten Film im Jahr 2002 vertraten sie die These, dass es schon aus ballistischen Gründen keine israelischen Kugeln gewesen sein können, die Mohammed al-Dura getötet haben. Jetzt gehen Sie gemeinsam mit Ihrem Kollegen Georg M. Hafner darüber hinaus und sagen, es kann nicht Mohammed al-Dura gewesen sein, dessen Beerdigung im Fernsehen zu sehen war. Sie gehen der Frage nach, ob die ganze Szene vielleicht gestellt war. Was hat ihren Argwohn erregt?

          Die Filmszene wurde von einem palästinensischen Kameramann gedreht, der für France 2 arbeitet. Seine Name ist Talel Abu Rahme. Die Szene ist eine Minute und 15 Sekunden lang. Reichlich kurz, wenn man bedenkt, dass Abu Rahme das Geschehen eine Dreiviertelstunde lang verfolgt haben will. Sie enthält darüber hinaus viele Widersprüche. Der Kameramann erschien mir zunehmend unglaubwürdig.

          Welche Unstimmigkeiten meinen Sie?

          Es gibt in der arabischen Welt Lehrfilme, in denen Kinder lernen, wie Mohammed durch israelische Soldaten erschossen wurde. Zwei Dinge sind in ihnen deutlich zu sehen: ein israelischer Soldat, der Mohammed erschießt, das Blut des Toten und seines Vaters sowie der Krankenwagen, der beide abtransportiert. Das alles sieht man in Abu Rahmes Film nicht. Dabei musste es doch eine blutige Angelegenheit gewesen sein, wenn der Vater, wie behauptet, zwölf Kugeln und das Kind drei Kugeln abbekommen haben.

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