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Im Fernsehen: „TV Lab“ : Macht doch, was ihr wollt

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„Ausgekuschelt!” ist eine Puppensitcom über abgehalfterte Puppenprominente, die in einer WG zusammenleben Bild: ZDF

Alte Puppen, scharfe Hunde und Anarcho-Aktionen: Bei ZDFneo dürfen sich Fernsehmacher im neuen Format „TV Lab“ austoben, die Zuschauer sollen entscheiden, was sie sehen wollen.

          Teddy ist ein gutes Beispiel. Teddy ist Tedros Teclebrhan, ein junger deutscher Schauspieler, geboren in Eritrea, die Youtube-Sensation des Jahres. Sein Film, in dem er als Möchtegern-Checker an einem Integrationstest scheitert, hat bald zehn Millionen Zuschauer. Eine Comedy-TV-Show, in der er sein Verwandlungstalent beweisen kann, wäre der logische nächste Schritt. Aber wo?

          Sat.1 oder RTL wären eine große Chance mit großem Risiko: Er müsste beweisen, dass er tatsächlich Millionen zum Einschalten bringt, und wenn ihm das nicht gelänge, glaubt Astrid Quentell, gälte er schnell als gescheitert. Quentell ist die Chefin der deutschen Fernsehtochter von Sony, die Teddy unter Vertrag genommen hat. Sie erinnert daran, dass viele Stars von heute Orte hatten, an denen sie sich im Fernsehen ausprobieren konnten, ohne den üblichen Quoten- und Anpassungsdruck. Heike Makatsch, Stefan Raab, Oliver Pocher haben bei Viva angefangen, einem Sender, der nur noch als Hülse existiert. Heute gibt es kaum noch solche Orte.

          Zur Not muss der Hauptsender einspringen

          Einmal im Jahr will ZDFneo in Zukunft gezielt nach neuen Ideen und Talenten zu suchen. Der Sender insgesamt soll eine Experimentier- und Innovationsplattform sein, mit all den Vor- und Nachteilen, die das Senden vor (noch sehr) kleinem Publikum in der Nische mit sich bringt. Im „TV Lab“ findet das im Rahmen eines Wettbewerbs statt. Aus 91 Sendungsvorschlägen hat die Redaktion zehn ausgewählt, die vom kommenden Samstag an auf ZDFneo und unter tvlab.zdfneo.de gezeigt werden. Der Sender beteiligt sich zur Hälfte an den Kosten, bietet Programmfläche, Aufmerksamkeit und vor allem: Freiheit. „Die einzigen Vorgaben, die wir gemacht haben“, sagt ZDFneo-Chef Norbert Himmler, „waren die Länge von 30 Minuten und die Aufforderung: Macht etwas, das neu ist.“

          Nilz Bokelberg (l.) und Donnie O'Sullivan sind die „Moviacs”

          Die Zuschauer können sich als Juroren registrieren, und am 3. September steht ein Gewinner fest, der dann in Serie gehen darf. Sollte es die Krimi-Comedy „Scharfe Hunde“ sein, in der Thomas Heinze und Matthias Matschke einen arbeitslosen Fernsehkommissar und seinen ebenso gescheiterten Drehbuchautor spielen, die sich als echte Ermittler versuchen, hat der Sender ein Problem. Selbst unter günstigsten Bedingungen würde eine solche Serie ein übergroßes Stück aus dem ZDFneo-Jahresbudget von 30 Millionen Euro herausreißen. Zur Not muss der Hauptsender ZDF einspringen, der ja letztlich auch von der Kreativität des Digitalablegers profitieren soll.

          Großstadt-Reportagen und Anarcho-Aktionen

          In „Bullshit“ testen Lutz van der Horst, Martin Fromme und Sven Nagel mit provokanten Anarcho-Aktionen die Schmerzschwelle der Öffentlichkeit, wenn sie etwa versuchen, als Islamisten in der Nähe eines Atomkraftwerkes ein Flugzeug zu chartern. „Ausgekuschelt!“ ist eine Puppensitcom über abgehalfterte Puppenprominente, die in einer WG zusammenleben und besseren Zeiten nachtrauern, als sie noch als Klingelton-Krokodil oder Weichspülwerbeikone arbeiteten. (Nebenan wohnen zwei Mainzelmännchen, die mit dem Jaguar zur Arbeit fahren und mit ihren Bordellbesuchen prahlen - das ZDF scheint ein erstaunlich entspannter Auftraggeber zu sein.)

          Die Bandbreite reicht von einer ausgereiften, aber vielleicht auch eher konventionellen Produktion wie dem Großstadt-Reportage-Magazin „Bambule“ mit Sarah Kuttner bis zu „Moviacs“, in dem sich die Filmfreaks Nilz Bokelberg und Donnie O'Sullivan im Stil des User-Generated-Content dem Thema Film annehmen sollen.

          So wirft das „TV Lab“ nebenbei auch die Frage auf, ob sich im Fernsehen in Zukunft verstärkt Formen entwickeln, die mit viel weniger Aufwand produziert werden, deshalb nicht ein so breites Publikum erreichen müssen und besonderer sein können. Astrid Quentell von Sony ist skeptisch: „Fernsehen bleibt ein breites Massenmedium, und das drückt sich auch in einem gewissen Produktionswert aus.“ Trotzdem steht Tedros Teclebrhan in „Teddy's Show“ - einer Mischung aus Stand-up, Musik und Ausflügen seiner Figuren in die Realität - jetzt einfach vor einem roten Vorhang. Um sein Talent zu beurteilen, wird das reichen. Wenn die Show in Serie geht, soll es dann schon was Schickeres sein.

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