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Im Fernsehen: Die siebte Staffel von „24“ : Tempoverlust schadet der Action nicht

Ein Held mit fragwürdigen Methoden: Jack Bauer (Kiefer Sutherland) Bild:

In der neuesten Staffel der von Pro 7 ausgestrahlten Echtzeit-Serie „24“ kämpft Superagent Jack Bauer eigentlich gegen dieselben Mächte wie immer. Ungeahnt tiefgründig allerdings ist der Moraldiskurs, der seine Weltrettungsmissionen diesmal durchzieht.

          Hundertachtundvierzig Stunden – solange ist Jack Bauer (Kiefer Sutherland) inzwischen im deutschen Fernsehen unterwegs. In der vergangenen Woche kam er in dem spielfilmlangen Pausenfüller „Redemption“ und den ersten zwei Folgen der siebten Staffel von „24“ zurück, nachdem der Autorenstreik in Hollywood für eine ungewohnt lange Unterbrechung im amerikanischen Fernsehen von fast eineinhalb Jahren zwischen der sechsten und der siebten Staffel gesorgt hatte. Wie oft wird er die Welt noch vor dem Untergang retten können, wie er das pro Staffel fünf bis neun Mal tut, bevor wir uns abwenden und sagen werden, „alles schon gesehen, alles schon mal dagewesen“? Noch liegen zweiundzwanzig Stunden in Jack Bauers Gegenwart vor uns, bevor die siebte Staffel an ihr Ende kommt. Und ohne etwas davon zu verraten, was bis dahin noch alles geschehen wird, wer noch auftaucht, nachdem Tony Almeida (Carlos Bernard) bereits aus dem Reich der Toten zurück kam, wer verschwindet, wer auf welche Seite wechselt oder so tut, muss man sagen: Ein paar Mal kann Jack Bauer es mit der Weltenrettung schon noch versuchen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dass alles, was in „24“ geschieht, in Realzeit vor sich geht, dass eine Bedrohung selten allein kommt, dass hinter jeder Verschwörung eine weitere lauert und fast niemand der ist, als der er in die Handlung eingeführt wurde – das ist von Beginn an so gewesen und überrascht uns nicht mehr. „24“ hat unsere Standards, was Suspense, Spannung, Action angeht, erheblich in die Höhe geschraubt. Das bedeutet aber auch, dass den Autoren der Serie immer wieder etwas einfallen muss, diesen selbstgesetzten Standards zu genügen. Nicht immer ist ihnen das in der Vergangenheit gelungen, vor allem die sechste Staffel war ermüdend repetitiv und fiel immer wieder auf bewährte Formeln zurück.

          Gegen dieselben Mächte wie immer

          Auch in der siebten Staffel ist das so. Figurenkonstellationen zum Beispiel wiederholen sich. CTU, die Counter Terrorist Unit der bisherigen Staffeln, ist aufgelöst, das Zentrum des Geschehens ist nicht mehr Südkalifornien, sondern Washington, die zentrale Anschlagsabwehrinstitution dort ist jetzt das FBI. Und dessen Personal gleicht dem von CTU gewaltig. Da ist ein junger IT-Spezialist, der sich verdächtigt macht. Seine Kollegin Janis (Janeane Garofalo) wirkt ähnlich fahrig, ähnlich seltsam wie früher Chloe (Mary Lynn Rajskub). Da ist ein Boss, dem wir nicht ganz zutrauen, Herr der Lage zu sein, und eine Agentin, die es ihm angetan hat. Da sind Dienstvorschriften, die den Gang der Dinge gefährlich verlangsamen, interne Untersuchungen, Techtelmechtel. Gerade so, als wollten die Serienmacher uns sagen: „Ihr kennt das schon: andere Firma, gleiche Strukturen.“ Auch fürs Weiße Haus gilt das. Der Präsident ist inzwischen eine Präsidentin (Alilison Taylor, gespielt von Cherry Jones mit einigen Anleihen an Judi Denchs „M“), aber die Korruption ist geblieben. Jack Bauer kämpft gegen dieselben Mächte wie immer, und neue Methoden hat er sich dafür nicht angeeignet. Die Überraschungen liegen anderswo.

          Bewährte Spannung, diesmal nur eine Spur langsamer

          Tempo raus – damit verblüffen uns die Serienmacher am Anfang. Über das, was wir in anderen Staffeln als Action zu sehen bekamen, wird zunächst nur geredet. Über Folter maßgeblich, und zwar in einem Untersuchungsausschuss des Senats. Da sitzt Bauer als Zeuge, aber Ziel des vorsitzenden Senators scheint zu sein, ihn wegen Folter und anderer Verbrechen lebenslang wegzusperren. Doch das FBI braucht Bauers Hilfe, und für einen Tag darf er, muss er nochmal ins Feld, Anschläge abwehren, Hintermänner identifizieren, der Zeitbombe, die in Form von Ultimaten vierundzwanzig Stunden lang ticken wird, immer einen Augenblick voraus.

          (Un-)Rechtmäßigkeit der Mittel?

          Unterbrochen von bewährt spektakulären Actionssequenzen, Autoverfolgungsjagden, Geiseldramen, geht die Debatte, deren Thema die Anhörung gesetzt hat, auch jenseits der Senatsräume weiter. Zwischen den Agenten des FBI und Bauer und den Agenten untereinander. Zwischen der Präsidentin und ihren Beratern. Und immer wieder sind auch wir vor die Frage gestellt: Welche Mittel sind erlaubt, auch wenn sie verboten sind? Schlagen wir uns auf die Seite derer, die die Errungenschaften der Zivilisation mit Füßen treten, um eben diese Zivilisation zu retten? Verdammen wir die Falschen, nämlich die Mahner, die nach dem Buchstaben des Gesetzes handeln wollen, auch wenn das einen möglicherweise tödlichen Zeitverlust zur Folge hat? Wie lange bleiben wir mit unserer Sympathie bei Jack Bauer, unserer Leitfigur, obwohl doch er derjenige ist, der all das tut, womit wir nichts zu tun haben wollen? Und wann schlägt seine Art des knallharten Professionalismus um in die Parodie?

          Das spezifische Unwohlsein, das „24“ immer ausgelöst hat, weil die Serie es uns nie ersparte, uns diesen Fragen zu stellen, erreicht in der siebten Staffel ein bisher unerreichtes Niveau. Das liegt auch daran, dass alles, was hier verhandelt wird, nach Ende der Ära von Präsident George W. Bush tatsächlich noch zu lösen ist – vor allem, inwieweit Strafverfolgungen wegen Folter in Gang gesetzt werden, und was es mit den Aktivitäten der Firma Blackwater auf sich hat, die in dieser Staffel eine kaum camouflierte Doppelgängerin hat.

          Im amerikanischen Fernsehen ist die achte Staffel bereits für Januar 2010 angekündigt.

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