http://www.faz.net/-gqz-6l8x3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.11.2010, 20:22 Uhr

Hubert Burda im Gespräch Eine neue Währung

In Berlin treffen sich die Zeitschriftenverleger. Der Branche geht es besser, doch der Verteilungskampf im Internet bleibt. Im Interview spricht Hubert Burda über die Gefechtslage zwischen den Verlagen und Google.

© picture-alliance/ dpa Hubert Burda

Die Wirtschaft erholt sich. Spüren das die Zeitschriften und die Verlage?

Soweit ich sehe, bewegen sich die Ergebnisse wieder in die Zeit der Jahre 2006, 2007. Das Anzeigengeschäft liegt über dem Vorjahr. Bei den Publikumszeitschriften sind es immerhin über vier Prozent. Ganz wichtig ist, dass unser Vertriebsmodell funktioniert und die Erlöse stabil bleiben. Die Auflagen vieler großer Blätter gehen leicht zurück, die Nachfrage im Internet steigt. Gleichzeitig beobachtet man in vielen Verlagshäusern, dass sich neue erfolgreiche Printobjekte etabliert haben. Manche Verlage sind dazu übergegangen, eine Multimedia-Reichweite auszuweisen. Also zu Print die Online-Reichweiten dazuzuaddieren.

Mehr zum Thema

Bringt es das wirklich? Clicks zählen statt Auflage verkaufen?

Wir haben ja in Deutschland eine einzigartige Situation, dass alle großen Printverlage rechtzeitig ihre Marken aufs Netz genommen haben. Das sind bis zu zehn Millionen Unique User im Monat, die den Marken eine neue kommunikative Kraft gegeben haben. Das ist eine große Leistung, und sie muss als solche dargestellt werden.

Wie ist die Gefechtslage zwischen den Verlagen und Google? Rechnet der Suchmaschinenkonzern bei den Werbeeinnahmen inzwischen zur Zufriedenheit ab?

Als Google in den Markt kam, waren wir alle fasziniert, was diese Suchmaschine leistet und wie sie sich über Textwerbung refinanziert. Dabei haben wir wenig beachtet, dass Google eine neue leistungsorientierte Währung für Internet-Werbung eingeführt hat: CPC - cost per click. Und click heißt Aktion, das ist aber nur das letzte Glied einer Kette zum Kauf von Produkten. Der Prozess der Kaufentscheidung besteht aus dem Herstellen von Aufmerksamkeit, dem Wecken von Interesse, dem Hervorrufen eines Wunsches (Desire) und der Aktion, dem Kaufen. Das ist die Aida-Formel, die jeder BWL-Student lernt. Die CPC-Währung ist nun das eigentliche Drama, da im Internet schwerpunktmäßig für Kaufimpulse bezahlt wird und nicht wie im Print oder Fernsehen für die Herstellung von Aufmerksamkeit. Wir sehen aber, dass zunehmend großformatige Werbung gebucht wird, bei der der Click nicht im Vordergrund steht. Google wird spätestens bei Google TV auf diesen riesigen Markt lossteuern und dies vermutlich mit der im Fernsehen üblichen Währung GRP (Gross Rating Point), welche die Brutto-Reichweite abbildet. Mit dieser Währung schaut das wirtschaftliche Bild für redaktionelle Portale dann anders aus.

Was wird aus dem von Ihnen reklamierten Leistungsschutzrecht?

Das wird kommen. Wir können nicht Inhalte herstellen, von denen andere am stärksten profitieren. Das sieht auch die Bundesregierung so, und ich wünsche mir, dass auch der Bundesverband der Deutschen Industrie das verstehen wird. Die Verleger brauchen das Leistungsschutzrecht. Es ist ein Recht am Inhalt, ähnlich dem von Patenten.

Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
VG Wort am Ende? Verlagen geht es an den Kragen

Das Urteil des Bundesgerichtshofs zur VG Wort ist für kleine Verlage eine Katastrophe. Wir fragen uns derweil: Hat die EU-Kommission tatsächlich kapiert, was der Monopolist Google auf unseren Smartphones treibt? Mehr Von Michael Hanfeld

22.04.2016, 16:42 Uhr | Feuilleton
Kartellvorschriften EU-Kommission wirft Google Missbrauch bei Android-System vor

Die EU-Kommission wirft Google Missbrauch beim Umgang mit dem Betriebssystem Android vor. Der Konzern nutze seine marktbeherrschende Stellung aus, Smartphone-Herstellern Beschränkungen bei der Wahl von Internet-Diensten aufzuerlegen. Damit verstoße Google gegen Kartellvorschriften. Mehr

20.04.2016, 16:53 Uhr | Aktuell
Autonomes Fahren Google und Fiat Chrysler kooperieren bei selbstfahrenden Autos

Nach langer Suche hat Google doch noch einen Autohersteller gefunden, der mit ihm an selbstfahrenden Autos arbeiten will. Fiat Chrysler macht so aus der Not eine Tugend. Mehr

03.05.2016, 23:24 Uhr | Wirtschaft
(Englisch) Vorstellung des Google Cultural Institute

Vorstellung des Google Cultural Institute, das die Besichtigung von Museen und Betrachtung von Kunstwerken online möglich macht. Mehr

28.04.2016, 11:25 Uhr | Feuilleton
Internet der Dinge Nokia misst jetzt das Körperfett

Die Finnen waren mal Handy-Weltmarktführer. Zwei Jahrzehnte lang setzten sie die Trends. Inzwischen liegen ihre Hoffnungen auf einem ganz anderen Wachstumsmarkt. Mehr Von Thiemo Heeg

27.04.2016, 08:00 Uhr | Wirtschaft
Glosse

Bayerische Gleichberechtigung

Von Patrick Bahners

Im Zuge des Neubaus des Münchner Hauptbahnhofs wird auch dessen Vorplatz neu gestaltet. Eine Frau soll dort zu sehen sein – aber ist Bayern schon soweit? Mehr 5

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“