http://www.faz.net/-gqz-15kuf

Gastronomie : Wo gekocht wird, fallen Krümel

  • -Aktualisiert am

„Er räumt auf!” So heißt es von dem Sternekoch Frank Rosin bei Kabel 1 Bild: Kabel 1

Für manche Wirte scheinen die Köche aus dem Fernsehen, die ihr Restaurant umbauen, als Rettung. Doch ist es das? Wenn die Kameras weg sind, geht die Arbeit erst richtig los. Für Kabel 1 gibt es einen Vertrag, der zum Schweigen verpflichtet.

          Ganz so kompliziert hat sich Erwin Lerchbaum das mit seinem neuen Restaurant nicht vorgestellt. Obwohl er schon eine Ahnung hatte: „Es ist natürlich schwer, einen Laden wieder zum Laufen zu kriegen, wenn vorher im Fernsehen gezeigt wurde, dass er nicht funktioniert“, sagt er am Telefon. Im vergangenen Oktober hat Lerchbaum das Lokal „Zum alten Kloster“ in der Gelsenkirchener Innenstadt übernommen, wenige Monate nachdem Sternekoch Christian Rach da war, um mit dem Vorbesitzer zu retten, was noch zu retten war.

          Einig geworden sind sich die beiden nicht: Rach zog weiter, der Gastronom ärgerte sich per Youtube-Video über die Kritik an seiner Arbeit. Wenige Monate danach gab er das Restaurant ab. An Lerchbaum, der alles verändert hat: Das „Kloster“ heißt jetzt „In der guten Kantine“, auf der Speisekarte stehen außer frischem Fisch auch vegetarische Gerichte, wenn er Zeit hat, verteilt Lerchbaum in der Fußgängerzone Handzettel, damit die Leute zu ihm kommen.

          Die letzte Rettung

          Die, die keinen Handzettel haben, kommen trotzdem. Nur nicht als Gäste. „Die meisten laufen vorbei, schauen rein und zeigen mit dem Finger: Da war doch der Rach mal!“, sagt Lerchbaum. Zehn bis zwanzig Mal am Tag gehe das so. Doch der neue Besitzer ist zuversichtlich. Kürzlich war Rach noch einmal da und hat das neue Konzept gelobt. Nun freut sich der Besitzer, wenn das im Fernsehen gezeigt wird.

          Die Brösel des Anstoßes: Wer hat sie mitgebracht, wer hat sie verteilt?

          Um die sechs Millionen Menschen sehen wöchentlich, wie Christian Rach bei RTL als „Rach der Restauranttester“ Gastronomen hilft, deren Betrieb nicht läuft. Weil das Essen nicht schmeckt, der Laden schmutzig ist oder die Stimmung des Personals im Keller. Die meisten nehmen die Hilfe dankbar an, weil sie, wie Rach sagt, geradezu gelähmt sind und gar nicht mehr sehen, was falsch läuft, sobald es um die Existenz geht. Rachs Besuche gehören derzeit zu den erfolgreichsten Sendungen im deutschen Fernsehen.

          Daher ist er nicht als Einziger unterwegs. RTL II hat sich neue „Kochprofis“ zugelegt, weil die alten zu Vox gewechselt sind, um dort als „Die Küchenchefs“ zu wirken, bei Kabel 1 kümmert sich Frank Rosin in „Rosins Restaurants“ um Betriebe, die Unterstützung brauchen. Für viele Gastwirte sind die Sterneköche die Rettung. Für andere eine Blamage. Denn wenn die Kameras aus sind, ist die Geschichte, die das Fernsehen erzählt, längst nicht zu Ende. Meist beginnt sie erst.

          Besser als zuvor

          Für Michael Laaken und sein Restaurant „Weserlust“ im niedersächsischen Brake ging es gut los. „Wir waren monatelang ausreserviert, im September haben die Leute schon für Weihnachten gebucht“, erinnert sich der Gastronom an die Zeit nach Rach, der die Küche umkrempelte und lokale Fischspezialitäten aufs Menü setzte. Es hat nur nichts geholfen: Anfang des Jahres hat Laaken die „Weserlust“ geschlossen. In dem kleinen Örtchen scheint es nicht jedem gefallen zu haben, dass ein einzelner Wirt so viel Aufmerksamkeit bekam. Es gab Gerüchte, Laaken gehe rüde mit seinem Personal um. In der Lokalzeitung erschienen Leserbriefe. Es gab anonyme Drohanrufe. Jetzt hat Laaken aufgegeben, ist aus Brake weggezogen - und sagt trotzdem: „Ich möchte die Woche, in der Rach bei mir gewesen ist, nicht missen. Das war das Beste, das mir passieren konnte: Er hat mich aus meiner lethargischen Phase rausgeholt.“ Dass Fehler passiert sind, scheut sich Laaken nicht zuzugeben - aber genau das scheint das Problem mancher Betreiber zu sein.

          Weitere Themen

          Superheldenerfinder Stan Lee ist tot Video-Seite öffnen

          Marvel-Autor : Superheldenerfinder Stan Lee ist tot

          Der Erschaffer von Spider-Man, Doctor Strange, Hulk und anderen Marvel-Helden wurde 95 Jahre alt. Stan Lee war dafür bekannt, seinen Superhelden eine in den 60er Jahren neuartige Komplexität und Menschlichkeit zu verleihen.

          Käfer- und Katzen-Mumien Video-Seite öffnen

          Grabstelle in Ägypten : Käfer- und Katzen-Mumien

          Archäologen in Ägypten haben am Wochenende seltene Grabfunde vorgestellt. Sie fanden am Rand der Totenstadt von Sakkara mumifizierte Katzen und eine ganze Sammlung mumifizierter Skarabäen. Diese Käfer wurden als Symbol für den Sonnengott verehrt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.