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Fernsehen : Im Dschungel

  • -Aktualisiert am

Das Fernsehen hat sich eine eigene Art von Prominenten erschaffen. In der einen Sendung macht es sie groß, in der anderen kaputt. Im „Dschungel-Camp“ leiden derzeit elf von ihnen. Julia Biedermann, Giulia Siegel und Daniel Küblböck haben das schon hinter sich.

          Caroline Beil will sich zum Dschungel nicht mehr äußern. „Wir bitten um Ihr Verständnis“, schreibt ihr PR-Mann. Auch Carsten Spengemann möchte „zu dem von Ihnen angefragten Thema“ kein Gespräch führen. Ross Antony habe dreißig Minuten für ein Treffen, schreibt seine Managerin. Doch nur ein einziger Termin sei frei: „Wie Sie wissen, arbeitet Ross extrem viel.“ Am Ende platzt die Verabredung, die Managerin hat sich im Datum geirrt, „sorry“. Nadja Abd el Farrags Management und Lisa Fitz' Agentur schicken nicht einmal eine Absage. Über den Dschungel, so scheint es, wollen die, die dabei waren, schweigen. Drei reden dann aber doch: Julia Biedermann, Giulia Siegel und Daniel Küblböck. Drei Menschen, die als Prominente in der Fernsehshow „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“ auftraten. Dem Dschungel, wie sie es nennen.

          An diesem Freitag hat die fünfte Staffel begonnen. Zwei Wochen lang setzt der Fernsehsender RTL nun wieder ein knappes Dutzend Menschen als Abziehbilder in Szene: die Zicke, die Mutti, der Macho, der nette Onkel. Sie werden in simulierter Wildnis, dauerbewacht von Kameras, Tierhoden essen und in einem engen, durchsichtigen Kasten liegend mit 30 000 Kakerlaken überschüttet. Sie werden sich von Straußen den Rücken zerhacken lassen, streiten und hungern und weinen. Zwei Moderatoren, kaum erfolgreicher als die Kandidaten, werden den Hohn der Gagschreiber über ihnen ausschütten. So war es zumindest bisher. RTL verspricht auch für die neue Show „täglich live die unglaublichen Eskapaden der Dschungel-Stars“. Dass es dieses Mal weniger unglaublich wird als in den früheren Staffeln, ist unwahrscheinlich.

          Doch Stars gibt es im Dschungel nicht. Es gibt nur Menschen, die einmal für etwas bekannt waren, das sie halbwegs konnten, das aber nie genügte, ein Star zu sein. Sie gehören zur B-Klasse der Prominenz: Serienschauspieler, Schlagersänger, Models, Pornodarstellerinnen, Moderatoren, auch Sportler. Sie bekommen ein Honorar, das bei 50 000 Euro liegen soll und über das sie laut Vertrag nicht reden dürfen. Sie sind für ein paar Tage im Fernsehen; nicht, um ihr Talent zur Abstimmung zu stellen, sondern nur ihre Person. Die Zuschauer entscheiden per Anruf darüber, welchen Prominenten sie in die Mutproben schicken, in denen dieser dann gequält und gedemütigt wird - bis einer von ihnen endlich „Dschungel-König“ ist.

          Sonja Zietlow moderiert mit Dirk Bach und reichlich flachen Witzen den „Dschungel”

          „Eine superinteressante Erfahrung“

          Julia Biedermann ist dem entkommen. Sie lebt jetzt in Sunnyvale, Kalifornien. Seit neun Monaten schon, auch wenn Wikipedia sie immer noch an ihrem alten Wohnort bei Dublin vermutet. Biedermann, die als Kind bei der „Sesamstraße“ ihre erste Rolle bekam, die als Zicke Tanja in der Serie „Ich heirate eine Familie“ recht bekannt wurde und die die Zuschauer 2008 gleich als Erste aus dem Dschungel-Camp wählten, ist heute zweiundvierzig Jahre alt, Hausfrau und Mutter. Ruft man sie an, meldet sie sich mit „Julia“, was sie englisch ausspricht, und will „sehr gern“ über den Dschungel sprechen. Die Söhne, fünf und zwei Jahre alt, sind in der Schule und im Kindergarten, erst am Nachmittag will sie mit dem Großen auf den Fußballplatz: „Ich mache, was eine gute Mami eben macht.“ Mit der Carrerabahn spielen, segeln mit ihrem Mann, der bei Google viel Geld verdient - das neue Leben von Julia Biedermann. Ihr altes endete im Dschungel.

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