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Veröffentlicht: 04.10.2009, 11:03 Uhr

FAZ.NET-Frühkritik: „Wetten, dass ...?“ Der Moderator und sein Blickfang

Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker, die neue Junior-Moderatorin bei „Wetten, dass ...?“, haben eines gemeinsam: Sie berühren gerne Menschen. Mit guter Unterhaltung gelang es ihnen am Samstag zu selten - gemessen an der spannenden Gästeriege.

von Michael Seewald
© Reuters Berührende Blondheit: Michelle Hunziker (rechts) und Thomas Gottschalk

Same procedure as every season. Zwar hat das ZDF mit großem Getöse eine „Junior-Moderatorin“ seinem alternden Showmaster an die Seite gestellt. Aber im Grund hat sich nicht viel geändert, außer, dass wir nun wissen, dass in erster Linie eine haptische Komponente das wichtigste Kriterium ist für die Beschäftigung am letzten medialen Lagerfeuer der Nation. „Wir berühren halt gern Menschen, die wir mögen“ sagten Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk zum Auftakt der Show in Freiburg und fielen sich schon einmal prophylaktisch in die Arme.

Doch das Glück mag trügerisch sein. Denn ob der Moderator eine Göttin neben sich duldet - trotz aller verbaler Beteuerungen bleibt das zweifelhaft. Jedenfalls bestritt Gottschalk sein Warm-up-Programm wenige Minuten vor Sendebeginn als würde gleich nicht eine kleine Revolution ins Haus stehen. Kein Wort über die blonde Aktrice aus der Schweiz. Dafür die gewohnten Anzüglichkeiten über Frauenbeine, Oberbürgermeister und Kollegin Andrea Kiewel, die das Geschehen aus der ersten Reihe betrachten durfte.

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Pochers Bewerbungsinterview

Nebenbei verriet er, dass er gerade für weitere drei Jahre bei den Mainzern unterschrieben habe. Michelle Hunziker tat dann genau das, was von ihr verlangt wurde. Sie lächelte viel, betreute liebevoll und natürlich Wetten und Kandidaten, ließ am Schluss nach verlorener Saalwette gegen Gottschalk pflichtschuldigst einen Armbrustschützen auf ihren Kopf zielen - und hatte wahrscheinlich nicht mitbekommen, wie Gottschalk im Gespräch mit Oliver Pocher unsauber nachtrat: „Du kennst das ja: Ein guter Moderator und ein schöner Blickfang“, hatte Gottschalk schnell gehaspelt und damit seine Sicht auf die Hunziker preisgegeben.

wett_gut © ddp Vergrößern Fränkische Dutzfreunde stoßen an: Wirtschaftsminister zu Guttenberg mit Gattin und Thomas Gottschalk

Pochers Job war an diesem Abend nicht einfach. Zumindest ließ aufhorchen, wie er über die Öffentlich-rechtlichen sprach. Deren Gebührengelder scheinen verlockend, nachdem sich das klamme Sat.1 einen Pocher nur einmal die Woche leisten kann, so der Tenor seines Bewerbungsinterviews in Stand-up-Form bei den Mainzern.

Es war kurz vor Ende der Sendung, von der Gottschalk schon zuvor geahnt hatte, dass sie nicht leicht werden würde. „Wir haben auch besinnliche Themen, bitte versucht euch zu beherrschen wenn, eine alte Dame spricht“, hatte er die Tokio Hotel-Fans angefleht. Die gehorchten und hielten sich zurück, als die 97Jahre alte Holocaust-Überlebende Marga Spiegel und die sie verkörpernde Veronica Ferres über den Kinofilm „Unter Bauern“ sprachen. Dann kamen Tokio Hotel, rockten die Messe in Freiburg, und Gottschalk versuchte, bei der Jugend zu punkten: „Ich hab eure ganze CD gehört. Ich als alter Sack muss sagen: Die gefällt mir wirklich.“

Guttenbergs Lackmustest

Unterdessen musste sich Hunziker mit den vielleicht ekligsten Wetten herumplagen, die die Show in den letzten Jahren gesehen hat (Absicht oder nicht?). Jedenfalls schien der Schweizerin irgendwann ihr Lächeln zu entgleisen, als Wettkandidat Thomas Schuster den Fußschweiß einer Frauenturngemeinschaft aus den benutzten Gummistiefeln zu erschnüffeln suchte. „So etwas gibt's nur bei 'Wetten , dass ...' oder?“ lautete ihr gequälter Kommentar beim dritten Stinkstiefel. Und da wusste sie schon, dass Jannick Glückstatt noch Briefmarken mit Spuckefäden in Schälchen legen würde.

Wie sich Wirtschaftsminister zu Guttenberg mit seiner Frau fühlen musste? Der smarte Politiker hatte alle Klippen sicher umschifft, die Gottschalk ihm halbherzig in den Weg stellte. Nur der „Lackmus-Test“, dessen er seine Frau unterzogen hatte, bevor er sich für einen Heiratsantrag entschied, gewährte neue Einblicke: Nachdem er sie auf der Loveparade zu Technoklängen kennengelernt hatte, musste sie anschließend ein Verdi-Konzert seines Vaters überstehen.

Mitleid mit Whitney Houston

Natürlich hatte die Show auch Momente, die innehalten ließen. Dazu gehörte sicher nicht der altkluge Auftritt des Wickie-Darstellers Jonas Hämmerle an der Seite von Bully Herbig. Eher Marga Spiegels schnörkellose Worte, dass der Holocaust in Deutschland auf „fruchtbaren Boden“ gefallen sei - und Whitney Houstons Comeback, von dem man nicht weiß, mit wie viel Bewusstheit sie es wahrnahm. Gottschalk hatte Mitleid und entließ die Diva, die ihr Lied im Halbplayback gesungen hatte (im Gegensatz zum Vollplayback von Tokio Hotel) schnell wieder von der Wettcouch.

Zu klein die Augen, zu groß die Angst, dass Whitney nicht mehr lange durchhält. Wettkönig wurde ein Schweizer Radler, der auf einem 27 Kilo schweren Militärrad schneller war als Rennfahrer Jens Voigt auf seinem sieben Kilo leichten Renngerät über 200 Meter. Ein kleiner Trost vielleicht für Hunziker, die an diesem Abend erkennen musste, dass sie als blonder Blickfang eine Zukunft an der Seite Gottschalks haben kann. Ein Wechsel auf die Zukunft, etwa wenn Gottschalks nächsten drei Jahre abgelaufen sind, ist sie aber sicher nicht. Pocher aber auch nicht.

Quelle: FAZ.NET

 

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