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Fall Brender : Der Intendant muss klagen

  • -Aktualisiert am

Unter politischem Druck: Nikolaus Brender Bild: picture-alliance/ dpa

Am Freitag tagt der ZDF-Verwaltungsrat. Die Wiederwahl des Chefredakteurs Brender steht nicht auf der Tagesordnung. Ein Komplott steht dagegen. Da hilft nur der Gang nach Karlsruhe, meint der frühere ARD-Chef Hartmann von der Tann.

          So könnte es kommen: Am Mittwoch, dem 31. März 2010, abends packt Nikolaus Brender seine privaten Besitztümer in einen Karton, verabschiedet sich von seinen Sekretärinnen, besteigt vor der Tür seinen privaten alten Golf und verlässt das ZDF nach zehn erfolgreichen Jahren als Chefredakteur – für immer. Sein Arbeitsvertrag ist abgelaufen. Einer der wenigen herausragenden deutschen Fernsehjournalisten geht, gerade 61 Jahre alt, in Rente, weil die der Union angehörenden oder nahestehenden Mitglieder des Verwaltungsrats unter Führung von Roland Koch und Edmund Stoiber nicht bereit sind, ihn wiederzuwählen. Er geht, ohne dass ihm je Gelegenheit gegeben wurde, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen direkt Stellung zu nehmen.

          Zur Erinnerung: Der hessische Ministerpräsident Roland Koch wirft Brender mit angreifbaren Zahlen und falschen Bewertungen Erfolglosigkeit vor. Eine völlig unsinnige Behauptung, wie ich auch aus vielen Diskussionen beim „Wettbewerber“ ARD weiß. Das ZDF hat unter dem Chefredakteur Nikolaus Brender seine Informationskompetenz deutlich geschärft. Er hat neue Formate („Frontal 21“, „Heute in Europa“) aus der Taufe gehoben, eine beeindruckend moderne und erfolgreiche Personalpolitik (Marietta Slomka, Claus Kleber, Theo Koll, Steffen Seibert) betrieben und halbaktuelle Hintergrundsendungen von herausragender Qualität angeregt und verantwortet.

          „Gut vorangekommen“ - trotz Brender?

          Roland Koch ist als Verwaltungsrat gar nicht für Programmfragen zuständig. Die gehören in die Kompetenz des Fernsehrates. Und dessen Vorsitzender Ruprecht Polenz (auch von der CDU) hat dem Intendanten des ZDF gerade bestätigt, dass „das ZDF auf dem Weg vom Unterhaltungs- zum Informationsprogramm gut vorangekommen“ sei. Wie denn, etwa trotz Brender?

          Hartmann von der Tann

          Das zweite Argument war der angeblich schlechte Führungsstil des Chefredakteurs, kurz danach durch eine Solidaritätserklärung seiner leitenden Mitarbeiter ad absurdum geführt. Jetzt ist von Seiten der CDU/CSU zu hören, das sei „unter Druck“ geschehen. Vermutlich richtig, nämlich unter dem Druck der Befürchtung, dass bei der Wahl des Chefredakteurs andere als inhaltliche Argumente den Ausschlag geben sollten.

          Es geht nicht um die Amtsführung. Es geht um die Person Nikolaus Brender. Der lässt sich keiner Partei zu- und erst recht nicht in eine einordnen. Er geht zu keiner Sitzung der politischen „Freundeskreise“, wo „rote“ oder „schwarze“ Gremienmitglieder mit Journalisten kungeln – ein Unikum. Er hat sich von Anfang an der Kumpanei zwischen Journalisten und Politikern, dem Spiel der „kleinen Gefälligkeiten“ widersetzt. Ein bayerischer Nachwuchspolitiker etwa, der zu Anfang seiner Amtszeit mit einem „Personalvorschlag“ Brenders Büro betreten hatte, soll dieses nach kurzer Zeit und mit deutlich schmalerer Spur wieder verlassen haben. Zum engeren Kreis der Erfinder der Diplomatie hat Nikolaus Brender nie gehört, wie Zuschauer auch aus der berühmten „Elefantenrunde“ mit Gerhard Schröder wissen. Er sei „unberechenbar“, heißt es über ihn seitens der Politik, anders und positiv formuliert: unabhängig. Das sollte zum Besten gehören, was man über einen leitenden Journalisten sagen kann.

          Gnadenloser Druck

          Und trotzdem oder besser gesagt: deshalb soll er gehen. Seit März versucht der ZDF-Intendant Markus Schächter alles, um seinen Kandidaten durchzusetzen. Aber bisher ohne Erfolg. Die Vertreter der Union verweigern sich jedem Kompromiss, der etwa in einer Verkürzung der Vertragslaufzeit bestehen könnte. Schächters Kalkül, dass mit Diplomatie und ohne Zeitdruck die Front der unionsnahen Ratsmitglieder aufzuweichen sei, erweist sich als falsch, offenbar auch deshalb, weil auf eher kompromissbereite Mitglieder seitens der Hardliner gnadenlos Druck ausgeübt wird. Brenders Vertragsverlängerung steht am Freitag dieser Woche wieder nicht auf der Tagesordnung des Verwaltungsrats, weil der Intendant mit seinem Personalvorschlag Brender ganz sicher keine Mehrheit fände.

          Das wird sich auch nach den Wahlen in Bund und Ländern kaum ändern. Eine gestärkte, siegreiche Union würde sich nicht kompromissbereiter zeigen, warum auch? Und eine geschwächte Union würde den oder die Schuldigen vermutlich bei den Medien, also gerade beim ZDF unter Brenders Führung, suchen, mittlerweile eine gute Tradition. Dass sich an den Mehrheiten im Verwaltungsrat Wesentliches ändert, ist wenig wahrscheinlich, denn der Bund entsendet nur einen Vertreter (augenblicklich Bernd Neumann), und selbst wenn die Wahlen im Saarland und in Thüringen für die Union verlorengingen, könnte sie im Verwaltungsrat zwar keinen eigenen Kandidaten mehr durchsetzen, aber weiter die Wahl Brenders verhindern.

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