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Erfolgsserie „Downton Abbey“ : Das Schloss als geistiges Zuhause einer Nation

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Parallelführung von gehobener Gesellschaft und Dienerschar: „Downton Abbey” Bild: BBC

Die Oscars für „The King's Speech“ haben gezeigt, wie beliebt britische Kostümgeschichten in der ganzen Welt sind. Die erfolgreichste britische Fernsehserie seit Jahrzehnten heißt „Downton Abbey“. In ihr versuchen glänzende Darsteller, einen hochherrschaftlichen Besitz zu retten.

          Dass das period drama eine britische Königsdiziplin ist, haben die vielen Auszeichnungen für „The King's Speech“ triumphal bestätigt. Aber was seit der „Forsyte Saga“ in den späten sechziger Jahren, gefolgt von „Upstairs, Downstairs“ (Das Haus am Eton Place) und „Brideshead Revisited“ (Wiedersehen in Brideshead, 1981) Fernsehzuschauer in aller Welt begeisterte, hat trotz seiner Fortführung in so glänzenden Serien wie „Cranford“ nach Elizabeth Gaskell oder den aufwendigen Mehrteilern zu Charles Dickens' „Bleak House“ und „Little Dorrit“ international keine große Beachtung mehr gefunden.

          Mit „Downton Abbey“ ändert sich das jetzt. In Großbritannien selbst wurde das in der Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs spielende Drama um den titelgebenden Herrensitz und seine Bewohner zur beliebtesten Fernsehserie seit Jahrzehnten, und in den Vereinigten Staaten, ebenso wie in Irland, Norwegen, Schweden und Spanien ist der Siebenteiler gerade mit großem Erfolg gelaufen. Bis ein hiesiger Sender soweit ist, bleibt uns Aficionados die DVD als Beweis, dass im Fall von „Downton Abbey“ das Sprichwort nur abgewandelt gilt: his tv drama's stately home is the Englishman's castle.

          Julian Fellowes, früherer Schauspieler, erfolgreicher Schriftsteller („Snobs“) und oscarprämierter Drehbuchautor („Gosford Park“), stellt die so bewährte wie ergiebige Parallelführung der Welten von gehobener Gesellschaft und Dienerschar hier in den Dienst eines gemeinsamen Anliegens: „Downton Abbey“ kreist um die Frage, wie man einen hochherrschaftlichen Besitz - als Kulisse mit Hauptdarstellerqualitäten dient das prachtvolle Highclere Castle in Berkshire - über die Zeitläufte hinweg aufrechterhalten kann. Denn die Zukunft von Downton, das wie der Titel des Earl of Grantham nur einem männlichen Erben zufallen kann, ist so ungewiss wie die seiner Bewohner, als beim Untergang der Titanic der avisierte Erbe, ein Cousin des Herzogs, umkommt.

          Beobachtet mit Argusaugen die oberen Etagen: Dienerschaft in „Downton Abbey”

          Es wird niemand vorgeführt

          Als die Serie im April 1912 einsetzt, ist die Welt gerade noch in Ordnung; die Zeitung, die das Sinken des Luxusliners verkündet, wird wie gewohnt gebügelt, damit Mylord im Tweedanzug, auf Schritt und Tritt gefolgt von seinem blonden Labrador, beim Frühstückstee an der großen Tafel, über der ein wandfüllender Van Dyck prangt, bei der Lektüre keine Druckerschwärze abbekommt. Her Ladyship werden Frühstück und Nachrichten ans Bett gebracht. Die vielfältigen Arbeiten, die erledigt werden müssen, um den imposanten Haushalt am Laufen zu halten, von den Kaminfeuern, die allmorgendlich in den Wohnräumen entfacht werden, bis hin zur persönlichen Toilette der Herrschaft, finden ihre Entsprechungen in den Rängen der Dienerschaft, vom weisen Butler Mr. Carson über Anna, die umsichtige Head Housemaid, und O'Brien, der missgünstigen Zofe der Hausherrin, über ihren Kumpan, den intriganten Footman Thomas, bis zur rundlichen und kurzsichtigen Köchin Mrs. Patmore und zu ihrem vielgescheuchten Lehrling Daisy. Und dann ist da noch Bates, der argwöhnisch beäugte neue Kammerdiener mit dem steifen Bein, der mit dem Herzog im Burenkrieg gekämpft hat. Die Dienerschar im Souterrain, welche die Familie des Herzogs an Köpfen weit übersteigt, beobachtet die Vorgänge in den oberen Gefilden mit Argusaugen, da jede Veränderung der dortigen Verhältnisse auch sie selbst betrifft.

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