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Die „Tatort“-Folge „Tod auf dem Rhein“ : Ein Rennen ohne Strategie

An dem Ensemble liegt es diesmal nicht: Susann Uplegger (l.) und Ulrike Folkerts in „Tod auf dem Rhein” Bild: SWR/Jacqueline Krause-Burberg

Der „Tatort“ mit Lena Odenthal hält zum Boxenstopp am Hockenheim-Ring. Das ist eine gute Idee. Doch seine Schnitte und Wendungen machen so schwindelig wie ein Motorrennen ohne erkennbare Rennstrategie.

          Den Südwest-“Tatort“ einmal um den Hockenheimring kreisen zu lassen, ist eine gute Idee: Es gibt Millionen von Motorsportfans, und der Südwestrundfunk kann dabei einen Publikumsmagneten der Region in Szene setzen. Dass im Reifensport nicht alles mit rechten Dingen zugeht, ist hinlänglich bekannt, ein Kapitalverbrechen wie Mord ist aus Sicht des Krimizuschauers daher eine naheliegende Fortentwicklung. Und so beginnt der Tatort „Tod auf dem Rhein“ fast erwartungsgemäß mit einem Unfall auf der Strecke, bei dem eine Fahrerin umkommt und eine andere lauthals ihre Unschuld beteuert. Der herbeieilende Ingenieur - es ist der Mann des Unfallopfers - wurde von beiden geliebt, das erfährt man aber erst viel später.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Am Setting scheitert der „Tatort“ (Regie: Patrick Winczewski, Drehbuch: Horst Freund) nicht. Auch der zweite große Schauplatz, eine Bootswerft am Rhein, schafft Atmosphäre und lässt, da sich das Familienunternehmen auf dem absteigenden Ast befindet, ganz unterschiedliche Sentimentalitäten mitschwingen. So etwas kommt bei Regionenkrimis immer gut an.

          Allerdings hat der Abschwung der Werft hauptsächlich mit dem neuen Chefingenieur Konrad Hanke zu tun, dem Herbeieilenden der Anfangsszene, der den Tod seiner Frau nicht verwindet. Ihn lähmen Albträume, die durch maßlosen Alkoholkonsum noch verstärkt werden. Wenig später wird er ans Rheinufer gespült, sein Gesicht von Möwen zerhackt.

          Missglückt

          Gegen die Ensembleleistung ist nichts einzuwenden. Ulrike Folkerts hatte schon wesentlich schwächere Auftritte, Andreas Hoppe ringt der Figur ihres Assistenten Mario Kopper eine neue Facette, nämlich Lebensekel, ab, Karin Giegerich spielt als Konrad Hankes Schwägerin Silke Grimm derart souverän, dass man sich fragt, warum sie so selten im Fernsehen ist, und Jeremias Koschorz als traumatisierter Sohn Daniel Hanke ist eine Entdeckung.

          Dennoch ist dieser „Tatort“ missglückt. Man kann sich weder mit den Figuren identifizieren, noch entwickelt die Handlung ansatzweise Sog. Der Film vermag die Aufmerksamkeit des Zuschauers nicht zu seinem Vorteil zu lenken. Er beginnt so verrätselt wie ein französischer Kunstkrimi und endet banal.

          In der Zwischenzeit muss man sich das Geschehen ebenso mühsam zusammenreimen wie die Zeitebenen und die Beziehungen der Beteiligten untereinander: Es dauert eine Weile, bis man kapiert, warum der Ingenieur plötzlich auf einer Werft arbeitet und wie er zu der Frau an seiner Seite steht. Allein die ersten fünf Minuten sind in ihrer Gedrängtheit eine reine Überforderung, was aber nicht den Schluss zulässt, „Tatorte“ seien simpel zu erzählen. Sie brauchen wie jeder Krimi ein Mindestmaß an Klarheit. Dem Plot fehlt es an Selbstvertrauen. So versucht er, die Spannung allein durch Manipulation des Zuschauers, durch künstliche Verrätselung der Figuren zu gewinnen. Die Schnitte und Wendungen machen so schwindelig wie ein Motorrennen - eines ohne erkennbare Rennstrategie.

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