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„Alpha 0.7“ im SWR : Ich sehe dir ins Gehirn, mein Kleines!

Manipulierende Dunkelmänner vor beliebtem Motiv: Oliver Stritzel (links) und Peter Spreemann in „Alpha 0.7” Bild: SWR/Zeitsprung/Pascal Rémond

Stuttgart 2017: Die ganze Welt wird überwacht, und die Polizei schaut Menschen in den Kopf. Noch weiß keiner davon: Der SWR setzt mit „Alpha 0.7“ einen spannenden Zukunftsthriller in Szene - im Fernsehen, im Radio und im Netz.

          Stefan Hartmann ist spurlos verschwunden. Seit dem 27. September ist er abgängig. Sein Steckbrief: Er ist achtundzwanzig Jahre alt, schlank, 1,86 Meter groß, hat dunkelblonde Haare und graugrüne Augen. Er arbeitet für die Sicherheitsfirma „Protecta Society“. Wer ihn gesehen hat, kann unter der Telefonnummer 01 74/48 49 433 Hinweise geben oder eine Mail schicken an info@beateundstefan.de. Seine Verlobte, die gerade ein Kind bekommen hat, ist für jeden Hinweis dankbar.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wer die Nummer anwählt, wird mit einem Band verbunden, das aber nicht von einer realen Person besprochen worden ist. Beate und Stefan Hartmann gibt es nicht, und das Verschwinden des jungen Mannes liegt nicht sieben Wochen zurück, sondern sieben Jahre in der Zukunft. Wir schreiben das Jahr 2017 und befinden uns in Stuttgart, mitten im Universum des Science-Fiction-Thrillers „Alpha 0.7“. Den Mehrteiler hat der Südwestrundfunk im Fernsehen, im Radio und - mit für hiesige Verhältnisse bislang beispiellosem Aufwand - im Internet inszeniert. Dort findet sich nicht nur die Website von Beate und Stefan, es findet sich der Youtube-Kanal der siebzehn Jahre alten Meike Berger, das Blog-Tagebuch ihrer Mutter Johanna, der perfekt gestylte Auftritt der Firma Protecta, ein Film der Untergrund-Rockgruppe crash:conspiracy und das Blog der Aktivistengruppe „Apollon“ (www.apollon-blog.de). Dort findet sich ein Eintrag, der erschaudern lässt: Am 1. Januar 2018 darf in Kneipen nicht mehr nur nicht geraucht werden, es gibt auch keinen Alkohol mehr. England - ausgerechnet - geht mit ungutem Beispiel voran, Wales und Schottland leisten Widerstand.

          Unter Gedankenlesern

          Der Widerstand von „Apollon“ indes gilt vor allen Dingen dem „Brain-Scanner“, den die Firma Protecta mit dem Pre-Crime-Center des Bundeskriminalamts entwickelt hat. Mit diesem schaut der Staat seinen Bürgern buchstäblich in die Köpfe und weiß, was sie denken und fühlen. Nacktscanner sind von gestern, jetzt geht es unter die Haut, um, wie der BKA-Beamte Rösler, dargestellt von Oliver Stritzel, bei einer Pressekonferenz erläutert, die Motivation zu Verbrechen zu erkennen, bevor diese begangen worden sind - George Orwells „großer Bruder“ aus „1984“ lässt grüßen. Den freien Willen des Menschen gibt es nicht, alles ist vorbestimmt, angelegt in den Genen und - dank des Brain-Scanners - vorherzusehen. Die Gedankenpolizei ist unter uns.

          Die schicke Präsentation gerät jedoch aus den Fugen, sie wird von Mila (Anna Maria Mühe), Andreas (Tobias Schenk) und ein paar anderen Aktivisten von „Apollon“ gestürmt. Johanna Berger (Victoria Mayer) hat derweil gerade ihre Stelle als Controllerin bei Protecta angetreten. Ihr neuer Arbeitgeber hat sich um alles gesorgt, zahlt den Umzug von Berlin nach Stuttgart, stellt Auto und Haus. Was Johanna nicht ahnt, ist, welche Rolle sie in Wahrheit spielt: Sie ist „Alpha 0.7“, eine Marionette, das siebte Kaninchen in der Versuchsreihe der Gedankenleser. Sechs „Alphas“ haben sie verloren. Warum, das erschließt sich aus Johannas Verhalten. Sie hat Gedächtnislücken, ist orientierungslos, bald kämpft sie um ihren Verstand. Und das hat nichts mit der psychischen Erkrankung zu tun, die von ihrer Mutter ererbt zu haben sie fürchtet. Sie wird manipuliert und mit ihr viele andere.

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