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Fernsehen Typisch Mann, typisch Frau

13.07.2005 ·  Mit seiner neuen Geschäftsführerin Anke Schäferkordt und dem Zugpferd Günther Jauch will der von Flops gebeutelte Privatsender RTL zurück zum Erfolg finden. Doch die Konkurrenz gibt sich selbstbewußt.

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Der schwächelnde Privatsender RTL will mit der neuen Geschäftsführerin Anke Schäferkordt und einer Programmoffensive im Herbst bald wieder die Spitze zurück erobern.

Die 42jährige Schäferkordt wird von September an nicht nur Chefin des größten deutschen Privatsenders. Sie übernimmt auch die Gesamtverantwortung für die RTL-Senderfamilie in Deutschland - Vox, RTL II, Super RTL und n-tv. Das kündigte der Geschäftsführer der RTL-Gruppe, Gerhard Zeiler, am Mittwoch in Berlin an.

Zeiler wird sich auf die Führung der internationalen RTL Group mit Sitz in Luxemburg konzentrieren. Damit soll der Sender nach der Führungskrise wieder zum Erfolg der Vorjahre zurückfinden. Im ersten Halbjahr 2005 mußte sich RTL in der Zuschauergunst von ZDF und ARD überholen lassen, auch Sat.1 wurde stärker.

„Einiges nicht richtig gemacht“

„Daß wir nicht auf dem Gipfel des Erfolgs sind, wissen wir, aber wir wissen auch, daß es wieder bergauf geht“, betonte Zeiler. Der Österreicher räumt Fehler ein, die auf dem Gipfel des Erfolgs nach „Deutschland sucht den Superstar“ begonnen hätten. „Wir haben in den letzten zwölf Monaten einiges nicht richtig gemacht.“ So sei zuviel bestellt worden, was nicht hundertprozentig zu RTL paßt. Wichtig ist ihm die Botschaft: „Nun wissen wir, was wir anders machen müssen.“

Das könnte mit einer neuen Show gelingen, in der Publikumsliebling Günther Jauch ergründet, warum die Geschlechter so unterschiedlich ticken. „Typisch Mann, typisch Frau“ soll im Herbst ins Programm rücken. Schäferkordt kündigte auch die Entwicklung neuer Krimis und familienorientierter Serien an. „Wir brauchen Anker für die Prime Time.“

„Nachlässigkeit des Erfolgsverwöhnten“

Wenn sie auf die Probleme von RTL angesprochen wird, verweist Schäferkordt auf die „Nachlässigkeit des Erfolgsverwöhnten“. Künftig müsse härter und disziplinierter an der Auswahl der Autoren, am Casting und in der Produktion gearbeitet werden. Bei Schwachstellen fackelt sie nicht lange. So wurden nach schlechten Quoten die Fernsehabende am Dienstag und Mittwoch neu gestaltet.

Zeiler weiß, daß er sich bei der Besetzung des wichtigen Postens keinen Fehler erlauben kann. „Diesmal paßt wirklich alles zusammen“, betont er. Er selbst war im Oktober 2004 von seinem Posten als RTL-Geschäftsführer zurückgetreten und hatte die Amtsgeschäfte Marc Conrad überlassen. Der aber mußte sein Amt nach rund drei Monaten wieder abgeben. Zeiler übernahm dann im Februar erneut den Posten und setzte als seine Stellvertreterin Schäferkordt ein, die damals Vox-Chefin war.

Sie begann ihre Laufbahn 1988 bei der RTL-Mutter Bertelsmann und kennt die Senderfamilie von vielen beruflichen Stationen. Ihr Auftreten kann bisweilen unkonventionell sein, etwa wenn sie ihr Programm auf einer wichtigen Werbemesse mit Karaoke verbindet, obwohl sie betont: „Das war ein Spaß, ich kann gar nicht singen.“

Sat.1 wieder mit Engelke

Mit seinen bewährten Comedy-Stars geht Sat.1 im Herbst ins Rennen um Quoten. Anke Engelke, die kurz vor der Geburt ihres zweiten Kindes steht, kehrt nach ihrer Babypause mit einem Nachfolger von „Ladykracher“ zurück. „Sie ist einer der besten und vielseitigsten Comedy-Stars, die es in Deutschland gibt“, sagte Geschäftsführer Roger Schawinski am Dienstag abend in Hamburg bei der Präsentation der Programmm-Höhepunkte für Herbst und Winter sowie 2006. Auch Bastian Pastewka und Dirk Bach werden wieder zu sehen sein.

Anke Engelke spielt den Angaben zufolge ab Frühjahr 2006 in der Comedy Frauenrollen in kurzen Sequenzen zu jeweils einem Thema wie Urlaub oder Weihnachten. „Darauf freue ich mich ganz besonders“, sagte Schawinski. Auch Bastian Pastewka hat mit einer Comedy-Serie ein Comeback bei Sat.1. In acht Sendungen spielt er sich selbst. Dirk Bach wird im Winter in der Titelrolle von „Urmel aus dem Eis“ zu sehen sein, einer Adaption des Klassikers der Augsburger Puppenkiste.

„Wir wollen weiter Trends setzen“

Sat.1 will mit vielen neuen Projekten auch im Bereich TV-Film, Serie und Show den Abstand zum privaten Marktführer RTL weiter verringern. Der Sender blicke auf das beste erste Halbjahr seit sechs Jahren zurück, sagte Schawinski. Man wolle bewußt Risiken eingehen, um das Programm noch besser zu gestalten. Es wäre ein Fehler, sich auf dem Erreichten auszuruhen, sagte der 60jährige. „Wir wollen weiter Trends setzen.“

Der Abgang von Harald Schmidt hat der Sender nach den Worten Schawinskis ohne Probleme weggesteckt: „Das konnten wir kompensieren.“ Der Erfolg eines Senders hänge immer von vielen Faktoren ab. Nach dem Erfolg der Telenovela „Verliebt in Berlin“ mit Alexandra Neldel kündigte Schawinski eine weitere Telenovela als Nachfolgeprojekt auf dem Sendeplatz für Herbst 2006 an. Zum Inhalt wollte er noch nichts sagen.

„Luftbrücke“ mit Heino Ferch

Außerdem knüpft Sat.1 an seine Erfolge mit TV-Filmen über geschichtliche Ereignisse der jüngeren deutschen Vergangenheit an. Der aufwendig produzierte Zweiteiler „Luftbrücke“ mit Heino Ferch, Ulrich Tukur und Bettina Zimmermann thematisiert die Berlin-Blockade kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Darin spielt Ferch einen amerikanischen General, der das Prinzip der Luftbrücke entwickelt und sich in seine Sekretärin verliebt, die aber nicht von ihrem Mann lassen kann. Zu sehen ist der Film Ende des Jahres.

Auf dem Programm steht auch ein Film über eine dramatische Brandkatastrophe in einem Autotunnel. Bei den Serien will Sat.1 mit der deutschen Umsetzung eines erfolgreiche BBC-Formats punkten. Die Variante von „Cutting it“ um Intrigen, Eifersucht und Liebe ist unter anderen mit Ralph Herforth und Muriel Baumeister besetzt worden. Der Sender plant auch einen Nachfolger von „Mein großer, dicker, peinlicher Verlobter“. Diesmal stehen allerdings vier Machos auf dem Prüfstand und werden von Schauspielerinnen in die Falle gelockt.

Der Deutsche des Jahres

Sat.1 schickt auch Zugpferd Kai Pflaume wieder ins Rennen. Er soll unter anderem die große Liveshow „Der Deutsche des Jahres“ moderieren. Der Sender startet zudem am 7. August seinen neuen gesellschaftspolitischen Talk mit Bettina Rust. Die Sendung mit jeweils drei prominenten Gästen soll immer sonntags um 22.30 Uhr laufen. Rust diskutiert mit ihren Gästen die vier brisantesten Themen der Woche.

„Das muß nicht immer Politik sein“, sagte Schawinski. Wenn das Thema der Woche Dieter Bohlen gewesen sei, dann spreche man auch darüber. Im ersten Halbjahr 2005 hatte der Sender im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seinen Marktanteil um 0,5 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent gesteigert.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/AP
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