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Fernsehen Neuer Name

05.02.2004 ·  Warum Kabel 1 den Titel "Judas Game" zurückzieht

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Es war schon seltsam. Zuerst hielten sich die Bayerische Landesmedienanstalt und der Sender Kabel 1 bedeckt, und dann ging es Knall auf Fall: Am Donnerstag abend, 18.35 Uhr, bekam Kabel 1 einen Bescheid zugestellt, mit welchem der seit Mitte Dezember bekannte Titel der Show "Judas Game", deren erster Teil an diesem Abend um 20.15 Uhr beginnen sollte, untersagt wurde. Binnen anderthalb Stunden mußte er in der Show getilgt oder übersprochen werden. Am selben Tag hatte die Vizepräsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, den Namen der Sendung als "instinktlos" bezeichnet. Mit ihm verbinde sich für geschichtsbewußte Menschen der Ruf "Judas verrecke!" Der Inhalt der Sendung, so teilte Kabel 1 derweil mit, sei von der Landesmedienanstalt als unbedenklich eingestuft worden. Auch sei der Name des Formats bereits in anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten verwendet worden, ohne daß dies zu Kritik geführt habe. Gleichwohl passe man den Titel an. Damit zeige man Respekt vor der Position des Zentralrats der Juden. Die Show heißt nun "J-Game".

Angesprochen auf die Kurzfristigkeit des Verbots, sagte der Sprecher der bayerischen Landesmedienanstalt, der eigentliche Beschluß dazu sei am 29. Januar gefaßt, aber noch nicht verkündet worden. Kabel 1 habe um eine neuerliche Beratung gebeten, die erst am Tag der geplanten Ausstrahlung möglich gewesen sei. Dabei habe der Sender auch darauf verwiesen, daß die Sendung samt Titel unbeanstandet unter anderem in den Vereinigten Staaten gelaufen sei und auch Haim Saban, dem Mehrheitseigentümer der Pro-Sieben-Sat.1-Sendergruppe, zu welcher Kabel 1 gehört, nicht als anstößig aufgefallen sei, obwohl dieser jüdischen Glaubens sei.

In einem Schreiben an die Vizepräsidentin des Zentralsrats der Juden, Charlotte Knobloch, drückt derweil der Pro-Sieben-Sat.1-Vorstand Jürgen Doetz sein Bedauern darüber aus, daß diese nach "zahllosen Versuchen", sie zu erreichen, keine Möglichkeit gesehen habe, über die Angelegenheit zu sprechen. Man werde den inhaltlichen Kern des Dissenses streng von dem medienrechtlichen Vorgang trennen. Rechtlich nämlich sei die Entscheidung, den Titel zu untersagen, nicht hinnehmbar. In der Geschichte des privaten Rundfunks habe es keinen vergleichbaren Fall eines Eingriffs in die Programmautonomie eines Senders gegeben. Er würde, so Doetz, es auch persönlich niemals dulden, einen Anlaß für etwaige antisemitische Reaktionen zu geben. Nur sei dazu der Titel der Show mitnichten angetan, der nicht auf die Nazi-Parole "Juda verrecke" anspiele, sondern sich allein auf die Figur des Judas beziehe, dessen Name zum Synonym für "Verräter" geworden sei. miha.

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