17.10.2003 · In der 333. Sendung von „alfredissimo!“ kommt es zum Kampf zweier Kochkulturen: Mit einer Kartoffel-Base-Suppe aus seinem Diätprogramm tritt Harald Schmidt gegen Alfred Bioleks Kaninchen an.
Von Alexander BartlEine Nacht lang hat er das Kaninchenfleisch eingelegt, hat italienisches Öl und hochwertigen Riesling eingekauft, damit das Mahl zum Fest wird. Wenn es um Gaumenfreuden geht, scheut Alfred Biolek keine Mühen, schließlich will er die Gäste seiner Sendung "alfredissimo!" nicht nur sättigen, sondern mitunter auch bekehren zu einer kulinarischen Kultur, bei der das Auge schon beim Kochen mitißt. Einem wie ihm gönnt man die blumige Sprache und das geräuschvolle Schmatzen schon vor dem ersten Bissen, als sei jedes Wort mit Schokolade übergossen.
Zur 333. Sendung von "alfredissimo!" hat Biolek allerdings einen Gast eingeladen, der nicht vor Ehrfurcht niedersinkt, wenn er in den Kochtopf blickt. Mit Harald Schmidt steht ihm heute ein professioneller Zweifler zur Seite. Was Biolek nicht ganz uneitel als sizilianische Spezialität bezeichnet, nennt er ein "Resteessen im besten Sinne", was dem Gastgeber ein Wohllaut-Legato wert ist, macht Schmidt schon vom Hinschauen satt. Mit einer Kartoffel-Base-Suppe aus seinem Diätprogramm tritt er gegen Bioleks Kaninchen an, kontert das mediterrane Flair mit schwäbischer Reformhaus-Kost.
Hier kocht der Schwabe
Und so kochen sie, der Genießer und der Gesundheitsapostel, pointiert im Dialog und in jedem Moment unterhaltsam. Weil das Süppchen leider nicht sonderlich telegen ist, schmückt Schmidt das Ganze mit Kräutern, die er samt Stengel zurechtgeschnitten hat. Man könnte sagen, Harald Schmidt kocht ohne Rest, denn was bei anderen im Abfalleimer landet, wandert bei ihm in den Kochtopf. Wenn es um Küche und Herd geht, schlägt bei ihm der Schwabe durch, der nichts wegwerfen mag. Der eine verspürt selbst mit dem ausgelaugten Suppengemüse Mitleid, der andere atmet die Essensdämpfe auf Lunge.
Dabei hat es mit Schmidts Suppe eine ganz besondere Bewandtnis: Sie ist nicht nur ungemein fad, was selbst der ansonsten so höfliche Biolek unumwunden bezeugt, sondern obendrein "asozial". Schließlich reinige sie die Arterien so verläßlich, daß die Rentenkasse bald endgültig überfordert sein könnte. Das wiederum sagt Schmidt und löffelt auch die Suppe seines Gastgebers aus, der trotz der Aussicht auf immerwährende Gesundheit lieber bei seinem Kaninchen bleibt. Es ist angerichtet.