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Fernsehen : Der heimliche Milliardär: Adolf Hitler

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Hitler - Foto-Montage aus Geldscheinen Bild: NDR/Jochen-Carl Müller" (S2)

Wie reich war eigentlich Hitler? Diese Frage beantwortet die Dokumentation „Hitlers Geld“, am Mittwoch abend bei der ARD zu sehen.

          War Hitler „bescheiden“? Diese verschiedentlich gestellte Frage mutet angesichts des Größenwahns des Diktators abwegig an. Nein, so möchte man sagen, Hitler war nicht „bescheiden“, und spätestens seit dem bitteren Erwachen der Deutschen aus dem kollektiven Wahn des Dritten Reichs haben auch nur Unbelehrbare behauptet, dass Hitler „selbstlos“ war. Insofern kann es nicht überraschen, dass Hitler sich auch privat schamlos bereicherte. Die ARD-Dokumentation „Hitlers Geld“ (Mittwoch abend, ARD) zeigt, welche Ausmaße Hitlers Raffgier annahm.

          Das Verhältnis von Macht, Krieg und Geld wurde viel beschrieben. Dass hinter Kriegen oft ökonomische Gründe stehen, dafür war Saddams Husseins Angriff auf Kuwait ein Beispiel. Ingo Helm überträgt diese Erkenntnis in „Hitlers Geld“ auf die Aufstiegsträume des jungen Adolf Hitler. Er erinnert daran, dass Hitler schon früh über seine Verhältnisse lebte - so, wenn er in München regelmäßig im vornehmen Schelling-Salon verkehrte, obwohl er dazu viel zu arm war. War sein Größenwahn nur durch missionarischen Eifer sublimiert und zielte in Wahrheit auf Reichtum und Luxus?

          Darauf deutet Hitlers ausgeprägtes Interesse an Geld hin, das er gleichwohl stets gut tarnen musste, um sich nicht bei der Bevölkerung unbeliebt zu machen. So ließ er sich schon in den 20er Jahren für seine Reden im Zirkus Krone und anderswo fürstlich entlohnen. Pro Auftritt bekam er 200 bis 500 Mark. Später wusste er sich bei reichen Gönnerinnen wie Winifred Wagner und Helene Bechstein einzuschmeicheln. Deren Liebesgaben wie Smaragade und Rubine verpfändete er sofort gegen Bares. Als er einmal seine Vorliebe für ausländische Luxuskarossen offen eingestand, fügte er hinzu, dass er jedoch Mercedes, ein Unternehmen, das ihn unterstützte, nicht brüskieren könne.

          Er verdiente sogar an den Briefmarken

          Einmal an der Macht, ließ sich Hitler alles vergolden: Zu seinen immensen Einnahmen an „Mein Kampf“ - fast 8 Millionen Reichsmark bis Kriegsende - kam eine Beteiligung an jedem Verkauf einer Hitler-Briefmarke hinzu. Sein eigentliches „Gehalt“ war nur eine von vielen Einnahmequellen. 29.000 Reichsmark plus 18.000 Reichsmark Aufwandsentschädigung bekam er als Reichskanzler, später kam das Gehalt des Reichspräsidenten hinzu.

          Helm zeigt bekannte Bilder. Und stellenweise merkt man ihm an, dass er die Schule Guido Knopps durchlaufen hat. Etwas weniger Wagner-Fanfaren hätten es auch getan. Dafür entschädigen die kompetenten Historiker und Zeitzeugen, die zu Wort kommen.

          Am Ende zeigt sich, dass es bis heute nicht leicht ist, Hitlers Privatvermögen zu ermitteln. Er selbst machte keinen Unterschied zwischen eigenem und staatlichem Vermögen. Das wiederum unterschied ihn von anderen Potentanten, die sehr genau zwischen eigenem und Parteivermögen zu unterscheiden wussten. Angesichts seiner Raffgier und seiner Verbrechen ist das aber nicht mehr als eine Fußnote.

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