13.09.2004 · Weniger Unterhaltung, mehr Information und Kultur, weniger Gewinnspiele und ein Ende der Internet-Kooperation mit T-Online: Wie das ZDF dem Vorwurf wachsender Kommerzialisierung begegnen will.
Das ZDF hat sich zum „Qualitätsfernsehen“ mit einem Beitrag zur gesellschaftlichen Integration verpflichtet. In den am Montag veröffentlichten Leitlinien der bis zum Jahr 2006 geltenden Erklärung bekennt sich das öffentlich-rechtliche ZDF außerdem zur Information als der stärksten Säule des Programms. Im Verbund mit den Sendern Arte und 3sat soll die Kulturberichterstattung ausgebaut werden. Bei der Unterhaltung setzt der Mainzer Sender verstärkt auf „Themenshows“ wie zum Beispiel zur Geschichte der Popmusik.
Laut Erklärung will das ZDF seine Akzeptanz in der Gruppe der 14- bis 59jährigen weiter verbessern und insbesondere mehr jüngere Zuschauer an sich binden. Zu der Selbstverpflichtungserklärung, die in Mainz am 1. Oktober in Kraft tritt, waren ARD und ZDF im neuen Rundfunkstaatsvertrag aufgefordert worden. Die Medienpolitiker erhoffen sich dadurch mehr Transparenz. Bei der finanziellen Kooperation mit Partnern will das ZDF künftig diese im Abspann des Programms erwähnen.
Keine Online-Kooperation mehr mit T-Online
Insgesamt sollen die Kooperationen und Gewinnspiele im Online-Dienst weiter reduziert werden, heißt es in den Grundsätzen weiter, mit denen das ZDF auch auf Kritik an der Kommerzialisierung seines Programms reagiert. Bei den Online-Nachrichten werde Ende des Jahres die Zusammenarbeit mit dem Privatanbieter T-Online eingestellt, betonte der Sender.
ZDF-Intendant Markus Schächter sagte bei der Vorstellung der Erklärung, daß der Sender den Informationsbereich gerade auch bei Magazinen und im Wissensbereich weiter stärken und die Unterhaltung eher reduzieren werde. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender räumte ein, daß es sehr schwierig sei, junge Menschen für Hintergrundberichterstattung zu interessieren. Das ZDF werde verstärkt „Thementage“ zu speziellen Schwerpunkten anbieten.
Kritik an den Privaten
Bei den Nachrichten werde das ZDF den Privatsendern nicht folgen. Brender kritisierte, daß es bei RTL oder Sat.1 keine Trennung mehr zwischen Nachricht und Kommentar gebe und dort auch die Darstellung der Gewalt nicht problematisiert werde. Seine Programmziele will das ZDF nach Schächters Worten im Juli 2006 erneut überprüfen.
Zur Debatte um die Rundfunkgebühr sagte der Intendant, er sehe Möglichkeiten für einen Konsens unter den Bundesländern. Der Mainzer Sender brauche die Erhöhung dringend, um bis 2008 seine Schulden abzubauen. Die Länder-Ministerpräsidenten wollen auf ihrer Konferenz vom 6. bis 8. Oktober abermals nach einer Lösung suchen. Die von der unabhängigen Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) vorgeschlagene Erhöhung um 1,09 Euro auf 17,24 Euro zum 1. Januar 2005 für die kommenden vier Jahre stieß auf den Widerstand zahlreicher Bundesländer. Nach Einschätzung führender Medienpolitiker von CDU und SPD wird eine Erhöhung nicht mehr zum Jahresbeginn, sondern erst einige Monate später in Kraft treten.