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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Ferngesehen Fernsehfreier Tag

 ·  Er wird gesehen, sieht aber nicht: Präsident Bush ist der fernsehblinde Fleck des Feldzugs, dessen Oberkommandierender er ist.

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Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs wandte sich mit der Aufforderung, das ehrenwerte Ding zu tun, zuerst an die Soldaten des Feindes und dann an die eigenen Truppen - als liefe in den Gefechtsständen des irakischen Heeres CNN über den Schirm. Aber das setzt das amerikanische Oberkommando eben voraus, daß es gesehen wird bei allem, bei dessen Tun es gesehen werden möchte.

Die Koalitionskräfte kämpfen unter den Augen der Welt. Im Fernsehen. Saddam Hussein wird sich auch in das letzte Loch, in das er sich flüchten wird, eine Fernsehleitung legen lassen. Vielleicht ist ja die am Mittwoch dem Inspektorenblick der ganzen Welt enthüllte Geheimwaffe, um die, sollte sie nach der Kapitulation von Bagdad verschwinden, unter den Getreuen gewiß die Sage entstehen wird, man könne siegen, wenn man sie trage - vielleicht ist es ja Saddams Fernsehbrille.

Ein einziger Akteur ist blind für das Unternehmen Bildersturm, für das Abrollen der Landkarte, wie man es aus nächtlichen Pausenfüllern der Fernsehsender kennt, nur daß das Kameraauge diesmal nicht auf einen Lokomotivscheinwerfer montiert ist, sondern auf ein Panzerrohr. Ob der amerikanische Oberbefehlshaber die Eröffnung der Luftangriffe auf die irakische Hauptstadt im Fernsehen gesehen habe, wollten die beim Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten am Freitag auf der im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz wissen. Ari Fleischer konnte es ihnen nicht sagen. Solange er an der Seite des Präsidenten war, wurde nicht eingeschaltet. Staunen und Nachfragen. Das amerikanische Volk wisse, daß der Präsident entscheide, und was aus diesen Entscheidungen werde, sehe es ja. Gemeint war wieder: im Fernsehen ("watch").

Er wird gesehen, sieht aber nicht. Man wisse doch, der Präsident sei niemand, der viel fernsehe. Das wird seinen Verächtern Spaß machen: So ungebildet ist George W. Bush, daß er noch nicht einmal fernsieht.

Haben wir nicht auch den Meinungsstreit der Präsidentenberater in einer real-life soap verfolgt? Eine Szene hat der "New Yorker" aufgezeichnet: Condoleezza Rice wurde durch das Erlebnis des guten Menschen Bush zu dem Glauben bekehrt, daß man auch im Irak die Demokratie einpflanzen kann. In Hal Ashbys Film "Willkommen, Mr. Chance" hat der Präsidentenberater, der dem zynischen Washington offenbart, daß auf jeden Winter ein Frühling folgt, seine Weltsicht aus dem Fernsehen. Der Film war nicht zynisch genug: Den Glauben an das Gute in der Welt vermittelt glaubwürdig nur der reine Tor, der die Glotze nie angeknipst hat.

Quelle: pba., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2003, Nr. 70 / Seite 46
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