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Feminismus Töchter einer Revolution

Die aktuelle Debatte dreht sich vor allem darum, wie Frauen möglichst zackig in den Kapitalismus installiert werden können. Von einem selbstbestimmten, freien Leben ist nicht die Rede.

© dpa Vergrößern „Ohne die Arbeit, die Frauen umsonst leisten, würde jede westliche Ökonomie innerhalb weniger Tage kollabieren“, schreibt Laurie Penny am Ende ihrer hundertseitigen Schrift „Fleischmarkt“

Ich wünschte, mein Mann wäre so reich, dass ich nicht arbeiten müsste und zu Hause bleiben könnte, wo ich, in ganz langsamer Arbeit, Bücher schreiben würde, von denen ich nicht leben kann. Denn wie viel plausibler ist es, sich in die Abhängigkeit desjenigen Mannes zu begeben, den man liebt und dem man bis auf weiteres vertraut, als in die Abhängigkeit eines viel größeren Mannes, eines unendlich hungrigen Monster-Mann-Betriebes zu begeben, der subjektlos und also nicht zur Verantwortung zu ziehen ist und der bereit ist, mich, das heißt meine Arbeitskraft, bis zum letzten bisschen auszusaugen und zu verkaufen und in den zweiwöchigen Erholungsurlaub zu schicken, um mich dann: weiter auszusaugen.

Antonia Baum Folgen:  

Wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter ist es, den eigenen Kopf an eine fremde Firma zu verkaufen, die ihn, über kurz oder lang, zu einem passenden Firmenwürfel deformiert, als einfach zu Hause zu bleiben. Es wäre so schön, würden die feministischen Schwestern und die über ihre Würfel-Förmigkeit erbitterten einem diesen Wunsch nicht zum Vorwurf machen. Zu Hause könnte ich (Akademikerin, gebärfähig, kinderlos) mir auch vorstellen, Kinder zu bekommen, die ich mit viel Liebe zu Akademikern erziehen würde. Denn wie viel leichtsinniger, lebensgefährlicher, ja kopfverdrehter wäre es, würde ich, wie es weithin für richtig gehalten wird, meinen Kopf an eine Firma verkaufen UND ein Kind bekommen? Das arme Kind! Von einer gestressten Würfel-Mutter und dem dazugehörigen Würfel-Vater unausgesetzt wegrationalisiert zu werden, möchte ich ihm nicht zumuten.

Alice Schwarzer als diensthabende Feministin

Ich sehe die Frauen, die Kinder und Karriere unter den sogenannten einen Hut zu bekommen versuchen: ihre müde Haut und der darauf abgedruckte Terminkalender. Ich sehe das und möchte in die „Komfort-Zone“ desertieren, wie Bascha Mika es in ihrem vor fast zwei Jahren erschienenen Pamphlet „Die Feigheit der Frauen“ nannte, wenngleich der Wille zum Flüchten ein Wunsch bleibt, denn irgendwoher muss ja das bescheuerte Geld kommen, und irgendwie muss man sich ja erhalten. Auch und besonders von außen, das heißt: Kleider, Cremes und Schuhe kaufen. Als Entschädigung und um den Zwang einzurichten, der das Weitermachen garantiert. Das wirkt jetzt natürlich komplett unfeministisch, aber das ist es nicht, im Gegenteil. Die Erkenntnis, unfrei zu sein, entsteht nur an einem anderen Ort: nicht zu Hause, sondern am Arbeitsplatz. Das Bedürfnis ist das gleiche: autonom sein wollen.

Verfolgt man die tägliche Berichterstattung zu Themen wie Kitaplätzen, Betreuungsgeld und der Quotendebatte, gewinnt man den Eindruck, der deutsche Feminismusdiskurs beschränke sich auf nur ein Thema: Wie können Frauen möglichst zackig in die Wirtschaft reinstalliert werden und wie vereinbart man das mit den Kindern, von denen wir nun mal stetig Nachschub brauchen. Man kann jede Woche mindestens fünfundzwanzig Porträts weiblicher Führungskräfte lesen und wie sie das alles schaffen: Karriere, Kinderfrauen und Kinder. Nicht, dass es unwichtig wäre, darüber nachzudenken, nicht, dass die dazugehörigen Fragen nicht beantwortet werden müssten. Aber sie klammern so unendlich viele Dinge aus. Anders gesagt: Das ist nicht mein Feminismus, denn dieser Wirtschaftsfeminismus führt nur in eine neue Abhängigkeit und sicher nicht zu einem selbstbestimmten, freien Leben. Klar ist aber auch: Viele andere Frauen sehen das anders, und das ist legitim. Und trotzdem könnte man öffentlich über die Schädlichkeit unserer ökonomischen Verfasstheit unter feministischen Gesichtspunkten diskutieren.

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