15.05.2012 · Felicitas Hoppe erhält den Büchner-Preis. Dass die gravitätische Ehrung dem Luftgeist unserer Literatur Blei an die Ferse hängt, ist nicht zu befürchten.
Von Felicitas von LovenbergRichtlinien für Lesermeinungen
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Ich kenne von Frau Hoppe nur das Buch "Hoppe". Dessen erste
Seite ist wunderschön, der Text aber insgesamt schwer lesbar,
geschweige denn genießbar. Sehr postmodern das Ganze. Eine
Schriftstellerin, die sich darin gefällt zu fabulieren und die das
sehr gut kann und die ein feines Sprachgefühl hat. Aber sie ist
keine Erzählerin! Ich bin mir nicht einmal sicher, dass sie
überhaupt was zu sagen oder zu erzählen hat. Ihren Geschichten
kann man nur schwer folgen, der Text ist gekennzeichnet durch
Brüche, die den Lesefluss immer wieder schmerzhaft unterbrechen.
Mir schien der Text ein Versuch zu sein, die Arbeitsweise der
Engländerin Jeannette Winterson auf zu nehmen, die es ja versteht,
die eigene Biographie zum Ausgangspunkt ihrer Erzählungen zu
machen. Das erzählerische Niveau von Winterson erreicht Hoppe aber
nicht, auch wenn sie sprachlich ebenso gut ist. Sie ist ein fader
Abglanz, wenn man Winterson kennt. Schade eigentlich. Und keinen
Büchner Preis wert.
Felicitas von Lovenberg Jahrgang 1974, verantwortliche Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben.
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