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FAZ.NET-Spezial Sturmwarnung und Raverflaute: Die 14. Loveparade

14.07.2002 ·  Deutlich weniger Besucher als im Vorjahr, Regenwetter, Sturmwarnung - die Loveparade 2002 hatte zu kämpfen.

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Das goldene Techno-Zeitalter verblasst: Erstmals in ihrer Geschichte hat die Berliner Loveparade am Samstag einen schmerzhaften Besuchereinbruch erlitten. Viele Raver beklagten zudem ein Stimmungstief beim weltweit größten Technoumzug. Nach neuesten Angaben der Polizei tanzten 600.000 bis 700.000 Menschen durch den Tiergarten. Es sei ruhiger gewesen als sonst, sagte ein Polizeisprecher. Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf 750.000.

Zu Spitzenzeiten im Jahr 1999 hatten mehr als 1,5 Millionen Menschen die Loveparade besucht. Noch im vergangenen Jahr zählten die Parademacher mehr als eine Million Raver. Die Veranstalter waren trotzdem zufrieden. Die Loveparade werde die Zeiten überleben, sagte Loveparade-Organisationschef Ralf Regitz. Der nächste Technoumzug soll am 12. Juli 2003 stattfinden.

Plateau-Schuhe und viel Plüsch

Unter dem Motto „Access Peace“ - Tor zum Frieden - machten die Raver Berlin dennoch für einen Tag zur Techno-Hauptstadt. Mit viel nackter Haut, Plüsch-Hosen, Schottenröcken, Plateau-Schuhen und knallbunt gefärbten Haare eroberten sie friedlich die City. In zahlreichen Clubs wird bis zum Montagmorgen weiter getanzt.

Wenig inspirierte Raver

Die Stimmung sei jedoch nicht so gut und ausgelassen wie sonst, meinten viele Raver bei der 14. Parade. Auch die sonst schrillen Mode-Einfälle der Technofans wirkten in diesem Jahr weniger inspiriert. Ein 38-jähriger Berliner beschrieb die Situation auf der Straße des 17. Juni so: „90 Prozent gucken und nur 10 Prozent tanzen.“ Ein Polizeisprecher sagte: „Die Luft ist raus.“ Nur rund um die Trucks herrsche Stimmung. „Dahinter ist es wie beim Spazierengehen im Grunewald.“ Tourismuschef Hanns Peter Nerger sagte: „Die Parade hat ihren Zenit wohl überschritten.“

Gründe für Besuchereinbruch

Loveparade-Erfinder Dr. Motte glaubt trotz des Besuchereinbruchs an die Zukunft des Spektakels. „Die Techno-Bewegung geht weiter“, sagte er. „Wir sind keine Demo mehr, trotzdem demonstrieren wir hier etwas sehr Kostbares“, rief er dem Partyvolk zu. „Wir zeigen, dass Hunderttausende Menschen friedlich zusammen tanzen und feiern können.“ Gründe für den Besucherschwund seien die schlechte Wirtschaftslage, aber auch die Gerüchte über einen angeblichen Terroranschlag auf die Parade.

Mehr als 40 Lovetrucks mit riesigen Lautsprechern hatten sich am Mittag am Brandenburger Tor und am Ernst-Reuter-Platz in Bewegung gesetzt. Mit einer Million Watt beschallten internationale DJs die Menge. Szenegrößen wie Westbam, Paul van Dyk und Miss Kittin' standen bei der abendlichen Abschlusskundgebung an der Siegessäule an den Plattenspielern. Einige Stunden war unsicher, ob die Parade wegen einer drohenden Gewitterfront planmäßig zu Ende gehen kann.

In unmittelbarer Nähe zur Loveparade kam es zu einem tödlichen Unfall. Ein 22-Jähriger aus Bielefeld wurde am Lehrter Bahnhof von einer S-Bahn überrollt, als er auf den Gleisen urinieren wollten. Ob das Opfer wegen der Loveparade in Berlin war, blieb zunächst unklar.

Alkohol- und Drogenmissbrauch nahm zu

Der Alkohol- und Drogenmissbrauch hat nach Angaben des Malteser Hilfsdienstes zugenommen und machte 15 Prozent aller Einsätze aus. Insgesamt 3.985 Raver wurden medizinisch versorgt, 463 kamen ins Krankenhaus. 176 Männer und 8 Frauen wurden wegen Drogendelikten, Körperverletzung oder Diebstählen vorläufig festgenommen. Die Polizei zog in der Nacht zu Sonntag auf der Autobahn A24 Berlin- Hamburg und in Brandenburg wegen Alkohol- und Drogenkonsums 143 Fahrer aus dem Verkehr.

Bis zu 150 Tonnen Müll hinterließen die Raver. Unter anderem mit Schneepflügen räumte die Berliner Stadtreinigung noch in der Nacht die Berge von Getränkedosen, Plastikflaschen und anderem Abfall weg.

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