06.02.2002 · Mit "Heaven" von Tom Tykwer gehen die Berliner Filmfestspiele in eine neue Ära.
Er wurde oft gefragt, was er anders machen wolle als sein Vorgänger - und jedesmal, auch im FAZ.NET-Gespräch, hat sich Dieter Kosslick, seit Frühjahr letzten Jahres Direktor der Berliner Filmfestspiele, vorsichtig geäußert. Er wolle den deutschen, den europäischen Film mehr in den Vordergrund rücken, aber man solle nicht zuviel von ihm erwarten. Als Direktor des Festivals fühle Kosslick sich wie im Bauch eines riesigen Ozeandampfers.
Als die Vorbereitungen für das Festival auf Hochtouren liefen, lud er Direktoren der großen Filmfestivals nach Berlin ein. Das wirkte, als wolle sich der Neuling durch den Vergleich mit anderen Orientierung verschaffen und vielleicht auch ausloten, welchen Part er im internationalen Festival-Konzert spielen könnte.
Die Rolle des Eröffnungsfilms
Als im Januar die Wettbewerbsfilme vorgestellt wurden, bekam das neue Profil der Berlinale Kontur. Die Auswahl der Filme verrät, um es vorsichtig auszudrücken, den Mut zu künstlerisch und thematisch ehrgeizigen Filmen.
Eine erste Probe stellt der Eröffnungsstreifen dar. Er ist so etwas wie die Visitenkarte des Festivals. Fällt er schlecht aus, überschattet dieser Eindruck das ganze Ereignis. "Enemy At The Gates" war im letzten Jahr so ein Film. Zehn Tage lang bot der misslungene Eröffnungsfilm fast ebenso viel Gesprächsstoff wie das übrige Festival.
"Heaven" von Tom Tykwer war dagegen ein Glücksgriff, nicht nur programmatisch (ein europäisches Epos eines deutschen Regisseurs), sondern vor allem qualitativ. "Heaven" ist ein wunderbarer Film, der die Herzen des Publikums geöffnet hat. Tykwer verbindet eine metaphysische Geschichte Kieslowskischer Prägung mit "traumschönen Bildern", wie Swantje-Britt Koerner in ihrer Kritik schreibt.
Die Voraussetzungen sind günstig, dass die 52. Berlinale ein Festival der Filmkunst wird. FAZ.NET wird in seinem Dossier die Wettbewerbsfilme vorstellen und daneben Interviews und Hintergrundberichte veröffentlichen.