25.04.2012 · Es ist nicht zu erklären – schon gar nicht in einer Talkshow. Trotzdem hat Sandra Maischberger versucht zu ergründen, warum ein Mensch zum Mörder werden kann.
Von Karin TruscheitRichtlinien für Lesermeinungen
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„Die forensische Psychiaterin Frau Kastner sprach dann von der „Entmenschlichung“,
dass Mörder ihre Opfer zu reinen Objekten eigener
Machtbedürfnisse machen. Das hörte sich schon besser an als
all die „da-ist-man-ja wirklich-fassungslos“-Ausrufe von
Sandra Maischberger, doch viel näher an das Wesen des Verbrechens
bringt das auch nicht. Wie sollte es auch.“
„So bleibt es im Verborgenen, das Böse, im tiefen schwarzen
Schlund, und auch in dieser Talkrunde kann es keiner der Gäste ans
Licht zerren und mit dem Finger drauf zeigen.“
Die „Erklärung“ von der Psychiaterin, diese bezieht
sich auf die Wirkung – doch WAS ist die Ursache…!?
Wenn also selbst eine Psychiaterin nicht gewillt ist, mit dem Finger auf
DIE URSACHE zu deuten, bzw. so tut als sei ihr nur die Wirkung
bekannt… dann frage ich mich doch ernsthaft was eine Therapie
bringen können soll, ohne die Ursache anzusprechen, und wie man
dann überhaupt derartige Verbrechen wieder – als geheilt /
resozialisiert – entlassen können kann, wenn doch ANGEBLICH
keiner die Ursache beim Namen nennen will !?!
Korrektur:
"Das heißt, wenn Sie eine einzige Ursache sehen, wo mehrere
Ursachen sind, dann isolieren Sie diese Idee soweit, bis Sie sich
persönlich nicht mehr berührt"
Sollte heißen: Das heißt, wenn Sie eine einzige Ursache
sehen, wo mehrere Ursachen sind, dann isolieren Sie diese Idee soweit,
[bis diese Sie] persönlich nicht mehr berührt
DIE URSACHE
Ihre Syntax ist schwer durchschaubar. Warum schreiben Sie in Großbuchstaben? Es handelt sich nicht um "DIE URSACHE", sondern um mehrere Ursachen. Wenn Sie menschliche Handlungen auf eine bestimmte Idee reduzieren, dann reduzieren sie die Handlung um den Menschen. Das heißt, wenn Sie eine einzige Ursache sehen, wo mehrere Ursachen sind, dann isolieren Sie diese Idee soweit, bis Sie sich persönlich nicht mehr berührt. Wenn Sie sagen, alle Mörder morden ausschließlich aus Grund B, dann sind diese Menschen für Sie keine Menschen mehr, sondern Repräsentanten des Grundes B. Damit haben Sie entmenschlicht und verfahren damit exakt wie ein Mörder, bevor er mordet. Verstehen Sie den Prozess nun besser? Indem Sie entmenschlichen verlieren Sie ihr Mitgefühl. Und indem Sie dem Mordgrund B gegenüber nur Hass fühlen (aus verständlicher Empathie mit den Opfern), Sie aber die Person dahinter nicht mehr sehen, können Sie die Idee (die ja schließlich eine Mord-Idee ist) entfernen ohne zu trauern.
Es hat wohl etwas mit dem Essen vom Baum der Erkenntnis, also mit der
Entwicklung der Großhirnrinde zu tun, die dem Menschen einen
höheren Freiheitsgrad gibt, mit dem er überfordert ist. Ein
"paradiesischer" Zustand ist die Steuerung durch Instinkte,
also durch genetische Programme, die abgespult werden und die zu
verstehbaren Verhaltensweisen (z.B Töten als Nahrungsbeschaffung)
und zu natürlichen Begrenzungen des Verhaltens führen.
Schon Goethe ließ Mephisto sagen:
"Ein wenig besser würd er leben, hättst du ihm nicht den
Schein des Himmellichts gegeben; er nennts Vernunft, und brauchts
allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein."
Sie können das Böse nicht finden, genausowenig wie es
hervorbrechen (A. Ansbacher, Kommentar) kann. Frau Truscheit, Ihr
Artikel basiert auf einer Menschentheorie, die sich nicht halten
lässt. Wenn wir annähmen, es gäbe ein Böses in uns,
das wir verhindern müssten, so wäre unser Bild vom Menschen
schwach-sinnig. Denn womit wollen wir verhindern, wenn nicht mit unserem
Bild vom Menschen? Man müsste dann argumentieren, dass man andere
Menschen (auch böse, bloß verkappt) nicht verletzen sollte,
weil sie ..... nicht ehrlich zu sich sind? Das ist Unsinn. Wenn ein
Teufel in uns steckt, der die Welt mitbetrachtet und uns ständig
ins Ohr flüstert, um dann, wenn wir wegschauen,
"hervorzubrechen", dann wäre unser menschlichstes
Bedürfnis, uns damit zu arrangieren.
Stattdessen handelt es sich hier schlicht um andere Werte. Der Mensch
wird zum Mörder, wenn er (selber!) das Leben seiner Mitmenschen
niedrig ansetzt. Er begeht darin einen Irrtum, weil er vergisst, dass er
selbst ein Mensch ist.
"hier hätte die Moderatorin die Chance ergreifen und über
Morde unterschiedlicher Qualität sprechen können, denn neben
den Verbrechen, die in dieser Runde zur Sprache kamen, wirkte Pfeifers
Tat zu Recht wie ein Ladendiebstahl."
Es gibt sie, die Morde unterschiedlicher Qualität, aber man muss
sich doch auch Fragen, warum geprügelte Frauen ihren Mann nicht
verlassen. Das verstehe ich beim besten Willen nicht.
Deshalb würde ich das (heimtückische) Abstechen eines
Menschen, wo er wehrlos schläft definitiv nicht als
"Ladendiebstahl" abtun.
Und Prügelei als einen "guten" Grund für Mord
anzugeben - so klingt obiges Zitat in meinen Ohren - halte ich auch
für falsch!
Zwar ist der Vergleich mit einem "Ladendiebstahl" etwas geschmacklos, wenn es um die Tötung - auch eines bösen Menschen (...) geht - aber dafür hat der Artikel sehr schön auf den Punkt gebracht, dass da eine Frau S. vor dem Gericht den ;Mund gehalten hat, um zuvor und nunmehr in alle Welt mehr oder weniger tat- und schuldrelevante Aspekte hinauszuposaunen. Da muss einem als Vorsitzendem Richter am Schwurgericht ja der Kragen tatsächlich etwas eng werden...
Vielleicht haette man mehr erfahren koennen
So vielfaeltig die Gruende fuer diese schrecklichen Taten sind, sei es Habgier, Eifersucht, Rache, Lust und anderes. So fragt man sich doch, was ist mit der Seele dieser Taeter passiert? Vielleicht haette Frau Maischberger sich die Muehe machen sollen, zur Vertiefung der Frage nach dem "Warum" Herrn Dr. Reinhard Haller, einen der renommiertesten Gerichtspsychiater und Autor der Buecher "Die Seele des Verbrechers" und "Das ganz normale Boese" einzuladen. Oder auch den Ex-Kommissar Josef Wilfling, der sich gleichfalls ausgiebig mit dem Boesen auseinander gesetzt hat. Nach beider Erkenntnis steckt das Boese in Jedermann. Es kommt nur darauf an, ob es ausbricht.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.04.2012 03:44 Uhr"Nach beider Erkenntnis steckt das Boese in Jedermann. Es kommt nur darauf an, ob es ausbricht."
Hier würde sich doch nur noch eine Frage stellen:
WAS sind die Ursachen / Auslöser, welche zum Ausbruch führen?
Und diese Frage kann uns EIGENTLICH jeder halbwegs qualifizierte
Psychiater & erst recht ein Gerichtspsychiater beantworten.
Aber... - vielleicht werden diese subventioniert?