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Fastenbrechen Nie schmeckte eine Dattel köstlicher

Eingeladen bei türkischen Bekannten in Berlin: Das Ritual des Fastenbrechens während des Ramadans folgt genauen Regeln und sagt viel über den sozialen Status der Familie aus. Bald ist Sonnenuntergang - und der Tisch gedeckt.

© Karen Krüger Der Hit des Abends: gefüllte Paprikaschoten

Murat Karadeniz betreibt in dem Berliner Viertel, in dem ich wohne, eine Änderungsschneiderei. Sein jüngerer Bruder Mustafa hat ein Textilpflegeunternehmen in Mitte, gar nicht weit von meiner Arbeitsstelle entfernt. Aus lebenspraktischer Sicht ist das ein angenehmer Zufall, denn beide Brüder sind unglaublich nett und beherrschen ihre Metiers perfekt. Es sitzt jede Naht und jede Bügelfalte, und zwar selbst jetzt, da Kopf und Körper der beiden Muslime nur auf Sparflamme laufen können: Am 9. Juli hat der Ramadan begonnen, vier Wochen lang verzichten die Karadeniz deshalb tagsüber auf Essen und Trinken - das Fasten gehört zu den fünf Säulen des Islam, ist also eine der Hauptpflichten, die ein gläubiger Muslim zu erfüllen hat.

Karen Krüger Folgen:

Allein bei der Vorstellung, wie sich das anfühlen muss, wird mir schwindelig, und so fragte ich Mustafa, als ich jüngst in seinem Laden stand, wie er das eigentlich aushalte - wegen des Waschens, Trocknens und Bügelns ist es in seiner Wäscherei noch tropischer, als es gerade ohnehin schon ist. Mustafa lächelte: „Kommen Sie lieber morgen Abend gegen 21 Uhr zum Fastenbrechen zu uns nach Hause, dann werden Sie es verstehen.“

Kinder, Reisende und Kranke machen nicht mit

Die Uhrzeit, wann während des Ramadans das erste und das letzte Mal am Tag gegessen und getrunken werden darf, ist punktgenau festgelegt. Das erklärt mir nun Hanife Karadeniz, Mustafas Frau. Sie ist eine hübsche Enddreißigerin mit einem locker gebundenen Dutt. Sie sagt: „Die Uhrzeit richtet sich nach Sonnenauf- und -untergang; deshalb verschiebt sich das Fastenbrechen jeden Tag um einige Minuten.“ Damit die Familie den richtigen Zeitpunkt nicht verpasst, hat Frau Karadeniz einen speziell dafür entwickelten Kalender an die Kühlschranktür geklebt. Er zeigt: Um 03.35 haben sie und ihr Mann heute zum letzten Mal etwas zu sich genommen. Erst um Punkt 21.05 Uhr dürfen sie wieder essen und trinken.

Noch etwa zwanzig Minuten sind es bis dahin, über den Kochtöpfen auf dem Herd schweben verführerische Düfte, bei denen man auch schon mit halbvollem Magen schwach werden und gern naschen würde. Die beiden Töchter Sadiye, 15, und Rabia, 11, beide besuchen das Gymnasium, decken den Tisch, der kleine Kadir, 3, lärmt im Wohnzimmer mit seinem Vater. Sadiye schmeckt die Speisen ab, denn nicht einmal das erlaubt Hanife Karadeniz sich. Ihre Kinder schon, denn sie fasten nicht, „es wäre körperlich zu anstrengend für sie“. Der Koran nimmt Kinder deshalb von der Fastenpflicht aus, ebenso Reisende, Schwangere, stillende Mütter, Kranke und Alte.

Fasten als Mahnung

Laut muslimischer Überlieferung ist der Ramadan der Monat, in dem Allah dem Propheten Mohammed die ersten Verse des Korans offenbart hat. Das Gefühl von Hunger und Durst soll die Gläubigen daran erinnern, wie es Bedürftigen mitunter täglich geht.

Der Blick auf die Uhr an der Küchenwand zeigt: Noch 15 Minuten. Trotzdem setzen sich jetzt schon alle an den Tisch. Er ist sehr groß, und genau das muss er auch sein, sagt Mustafa, denn Familienmitglieder wie sein Bruder Murat, dessen Frau Yadiga und ihr 20 Jahre alter Sohn Emre, die inzwischen ebenfalls eingetroffen sind, kämen sehr oft zum Essen vorbei. „Wir kennen es nicht anders aus der Türkei und haben es uns bewahrt. Genauso würden wir nie vergessen, zu fasten“, sagt Mustafa.

Die Dattel während Ramadan

Vor fast vierzig Jahren verließen er, seine vier Geschwister und der Vater ein winziges Dorf an der türkischen Schwarzmeerküste und folgten der Mutter nach Berlin. Mustafa machte Abitur, Murat beendete die Berufsschule. In Hanife verliebte er sich später in der Türkei. Sie arbeitete damals in einer Großküche für Tagelöhner, das Kochen für einen Tisch voller Leute beherrscht sie immer noch:

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