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Familienpolitik : Alles gleichzeitig geht nicht

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Kinder oder Karriere? Bild: dpa/dpaweb

Beruf, Partnerschaft und Familiengründung sind gleichzeitig nicht möglich. Staatliche Ganztagsbetreuung dient vor allem einer um Fachkräfte ringenden Wirtschaft sowie der Entlastung der Staatskasse.

          „Es muß wieder eine Selbstverständlichkeit sein, Kinder zu haben“, fordert die hessische Familienministerin Silke Lautenschläger und wird dafür in der CDU als Vorreiterin einer neuen konservativen Familienpolitik gefeiert. Da keimt die Hoffnung, endlich den „familienpolitischen Durchbruch“ zu schaffen: die staatliche Ganztagsbetreuung für Kleinkinder.

          Dabei genügt bereits dieser eine Satz, um die mit der Ganztagsbetreuungsvision verbundenen Hoffnungen auf mehr Kinderfreundlichkeit als naive Illusion zu erkennen. Wer seiner Elternrolle gerecht werden will, weiß, daß es nicht genügt, einfach Kinder zu haben. Elternschaft bedeutet, mit Kindern zusammenzuleben. Zeit zu haben, um ihre Bedürfnisse, Fähigkeiten und Sorgen kennenzulernen. Sie auf ihrem langen Weg zu sich selbst und in die Gesellschaft mit Zuwendung und Wissen zu begleiten. Kurz: Eltern sein heißt, im Leben der Kinder eine Hauptrolle zu spielen.

          Erwerbsarbeit als Mittelpunkt der Lebensplanung

          Daß Silke Lautenschläger andere Vorstellungen hat, zeigt sich in ihrer Forderung nach der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Die Reihenfolge macht die Prioritäten klar: Die Erwerbsarbeit ist der Mittelpunkt der Lebensplanung, um den herum sich alles zu gruppieren hat - auch die Kinder. Das führt zur Forderung nach der Ganztagsbetreuung, um die Mütter zu „nützlichen“ Mitgliedern der Gesellschaft zu machen, die dem Arbeitsmarkt - von der Kinderlast befreit - nun umfassend wie bislang nur die Väter zur Verfügung stehen können.

          Dieser Wertehorizont eint im Kern alle Protagonisten der gegenwärtigen Familiendebatte: angefangen bei Rot-Grün über die Opposition, die Wirtschaft, die Gewerkschaften bis zu den Kirchen und vielen anderen Verbänden. Allerdings unterscheiden sich die Motive. So stand der Bundeskanzler noch zu Beginn seiner Amtszeit für seinen Spruch vom Familienministerium als „Ministerium für Frauen und Gedöns“. Heute präsentiert er sich als Kinderfreund.

          Harter ökonomischer Hintergrund

          Der harte ökonomische Hintergrund seines Gesinnungswandels wird unverhüllt sichtbar: Das Land vergreist, weil die Menschen immer älter und zugleich die Kinder immer weniger werden. Damit ist nicht nur das Ende der Sozialversicherungssysteme programmiert, sondern auch der weltpolitische Abstieg der deutschen Volkswirtschaft. Genau das läßt den Kanzler und die Wirtschaft nach mehr „Familienfreundlichkeit“ rufen, die sich zuvörderst im Ausbau der Ganztagsbetreuung dokumentiert.

          Der erwünschte Wirkungsmechanismus lautet: „Mehr Ganztagsbetreuung = mehr Kinder + mehr Mütter in Vollzeiterwerbsarbeit“. Das dient der nach Fachkräften ringenden Wirtschaft und entlastet die Staatskasse, weil die Familien ihr Auskommen durch doppele Erwerbsarbeit absichern können und so auch kein höheres Kinder- oder Erziehungsgeld brauchen. Die Gewerkschaften, Amtskirchen und viele (Frauen-)Verbände unterstützen die Offensive aus einem anderen Motiv. Für sie findet der Mensch allein in der Erwerbsarbeit zu seiner wahren Bestimmung. Deshalb ist für sie die letzte Stufe der Gleichberechtigung erst erreicht, wenn Frauen die gleichen Karrieremöglichkeiten wie Männer haben.

          Ganztagsfetischisten gegen Ganztagsmütter

          Gern führen beide Lobbygruppen das Argument von der Volkswirtschaft an, die nicht länger „auf die Leistungsbereitschaft gut ausgebildeter Frauen verzichten“ könne. Damit wollen sie freilich nicht der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen das Wort reden. Es geht um die qualifizierten Mütter, die sich bislang dem Arbeitsmarkt „verweigern“ und lieber ihre Kinder erziehen. Nach aktuellen Umfragen ist diese Haltung immer noch in der Mehrheit.

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