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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was Muslime im Ramadan machen

Betender Muslim in der pakistanischen Stadt Peshawar Bild: Reuters

Für die Muslime hat am 27. Mai der Ramadan begonnen. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang ist nicht nur Essen und Trinken untersagt. Warum der Fastenmonat trotzdem eine feierliche und fröhliche Zeit ist.

          Bei den meisten Muslimen klingelt der Wecker seit dem 27. Mai bereits vor der Morgendämmerung. Dann heißt es: aufstehen, üppig frühstücken, das morgendliche Gebet abhalten und Disziplin bewahren. Denn die nächste Mahlzeit gibt es erst 17,5 Stunden später – nach Sonnenuntergang.

          Aylin Güler

          Redakteurin für Social Media.

          Die ersten Tage des Ramadan sind bestimmt nicht einfach. Während Temperaturen von bis zu 35 Grad in Deutschland gemessen werden und viele die Hitze nur mit kühlen Getränken und Wassereis aushalten, dürfen fromme Muslime von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht essen und trinken. Aber auch moralische Sünden, wie Beleidigungen und Lügen dürfen in dieser Zeit nicht begangen werden.

          Wann findet Ramadan statt?

          Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender und richtet sich, anders als der im Westen gebräuchliche gregorianische Kalender, nach dem Mond und nicht nach der Sonne. Dadurch verschiebt sich die 29- oder 30-tägige Fastenzeit immer um zehn bis elf Tage pro Jahr. Das Datum kann regional variieren und wird von religiösen Gelehrten bestimmt. 2017 dauert der Ramadan vom 27. Mai  bis zum Ramadanfest am 24. Juni. Muslime, die in Skandinavien am Polarkreis leben, wo im Sommer die Sonne praktisch nie untergeht, halten sich an die Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei.

          Bild: Johannes Thielen

          Der den Muslimen heilige Monat erinnert an die Offenbarung des Korans an den Propheten Mohammed durch den Erzengel Gabriel. Der Begriff leitet sich aus der Wurzel „ramida“ ab, bedeutet übersetzt „brennende Hitze und Trockenheit“ und verweist auf das Gefühl im Magen des Fastenden. Zusammen mit dem Glaubensbekenntnis („Schahada“), dem täglich fünfmaligen Gebet („Salat“), der Almosensteuer („Zakat“) und der Pilgerfahrt nach Mekka („Hadsch“) bildet das Fasten („Saum“) die fünf Säulen des Islams. Sie benennen die Hauptpflichten eines jeden Muslim.

          Schon der Prophet Mohammed fastete an Ramadan. Heutzutage tun das Gläubige vor allem, um mit Allah in Dialog zu treten und  Körper und Seele zu reinigen. Aber auch die Solidarität gegenüber Mitmenschen spielt während des Fastenmonats eine wichtige Rolle. Fastende Muslime sollen sich nämlich nicht nur auf das Zwiegespräch mit Allah konzentrieren, sondern auch auf die Barmherzigkeit gegenüber Armen und Schwachen. Besonders das gesellschaftliche Leben wird an Ramadan stark zelebriert.

          Wenn die Sonne untergeht, beginnt für gläubige Muslime das Fastenbrechen „Iftar“. Das Essen fällt meist sehr üppig aus: pürierte Linsensuppe, Weißbrot, gebratener Reis, Lammfleisch, Gemüsegerichte, Salat und Melonenstücke. Das deftige Essen soll die Fastenden stärken. Traditionell wird aber zuallererst eine Dattel gegessen, um den Magen zu öffnen. Auch die islamischen Gemeinden laden zum gemeinsamen Abendessen ein, an dem oft prominente Vertreter aus Politik, Gesellschaft oder Kirche teilnehmen. So ist die Fastenzeit trotz aller Anstrengung auch eine feierliche und fröhliche Zeit.

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          Müssen alle Muslime fasten?

          Ab der Zeit des Erwachsenwerdens gilt für Muslime das Fastengebot. Im Koran steht geschrieben: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist [...]. Wer also von euch während des Monats anwesend ist, soll in ihm fasten.“ (Sure 2, Vers 185). Entschuldigungsgründe gibt es nur für Kinder, kranke oder ältere Menschen, schwangere, stillende oder menstruierende Frauen und Reisende. Gläubige, die nicht fasten können, sollen die Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nachholen oder stattdessen eine tägliche Spende an Bedürftige leisten. 

          Wie endet der Fastenmonat?

          Bereits vor dem Ende des Ramadan laufen die Vorbereitungen für das dreitägige Ramadanfest  „'Id al-Fitr“: Besondere, aufwändige Speisen werden vorbereitet, Besuche geplant und Festkleider gekauft. Ein Großputz sorgt dafür, dass Wohnung und Haus sauber und ordentlich sind. Viele Muslime nehmen sich auch Urlaub, um zu ihren Familien zu reisen. Es wird gemeinsam gegessen, gebetet und gefeiert. Geschenke – Geld und Süßigkeiten – machen das Fest für viele Kinder zu einem besonderen Tag. Im Türkischen heißt das Fest „Ramazan Bayramı“, welches in der nicht-islamischen Öffentlichkeit als „Zuckerfest“ bekannt ist.

          Fasten nur Muslime?

          Fasten ist ein fester Bestandteil vieler Religionen. Die Fastenzeit ist dazu da, um den Blick für spirituelle Dimensionen und das Gebet zu öffnen. Ein Aspekt, der auch im Christentum bekannt ist: Von Aschermittwoch bis Ostern soll an den Leidensweg Jesu erinnert werden. Seiner Auferstehung sollen Buße und Reinigung vorangehen. Im Judentum ist der bedeutendste Fastentag „Jom Kippur“ im September oder Oktober. Alle Sünden sollen an diesem Tag gesühnt werden. Auch Buddhisten kennen Fastentage, wie zum Beispiel das „Vesakh-Fest“ am ersten Vollmondtag im Mai oder Juni. Buddhistische Mönche und Nonnen verzichten außerdem täglich ab zwölf Uhr mittags auf Nahrung, damit die Meditation leichter fällt.

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