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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Karneval gefeiert wird

So kann’s gehen: Karnevalisten am Donnerstag in Köln Bild: dpa

Wo Karneval nicht gefeiert wird, bleibt er den Leuten eher fremd. Doch auch, wer mit ihm aufgewachsen ist, kennt nicht immer seine Wurzeln. Dabei stand die Ordnung schon bei den Römern festlich auf dem Kopf.

          Die einfachste Antwort auf die Frage, warum wir Karneval feiern, können Menschen geben, die in Mainz, Bonn oder Köln leben. Weil es nämlich nicht anders geht, sagen sie. Genauer: Weil man um die Karnevalstage herum als Mainzer, Bonner oder Kölner nur die Möglichkeit hat, entweder mitzufeiern oder wegzufahren. Besonders gilt das für den Rosenmontag. Wer nicht bis elf Uhr vormittags wenigstens einen Irish Coffee getrunken und das Spinat-Kostüm aus dem vergangenen Jahr vom Speicher geholt hat, der wird sich selbst in seiner Stadt nicht wiedererkennen. Ein normaler Mensch zu sein, wird zu einer Besonderheit, die Abweichung zur Norm.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dass diese Abweichung in einem Monat wie dem Februar gefeiert wird, in dem es für Straßenfeste für gewöhnlich noch zu kalt ist und man unter sein Spinat-Kostüm diverse Wärmewickeln anlegen muss, was die ganze Sache unpraktisch, aber zuweilen auch komischer macht, ist ein Problem, das mit Zweck des Festes zusammenhängt. Denn die Vorläufer des heutigen Karnevals waren Feste, die dazu dienten, den Winter aus der Welt zu treiben, der kalten Jahreszeit mit farben- und lebensfrohen Gestalten entgegenzutreten und sie so zu besiegen. Ein Ansinnen, das genau genommen einer Anmaßung gleichkommt – wer kann schon behaupten, der Winter ließe sich von ein paar Kostümen beeindrucken?

          Bild: Johannes Thielen

          Die Anmaßung bildet den Kern des Karnevals allerdings noch in anderer Hinsicht, nämlich dort, wo es um das Verhältnis des feiernden Fußvolks zu den gesellschaftlichen Bestimmern und Würdenträgern geht. Dass der sogenannte Jeck sich alles erlauben darf (und soll) und sich zumindest für ein paar Tage nicht nur gegen den Winter stemmen, sondern auch gegen früher vor allem kirchliche, heute eher weltliche Autoritäten auflehnen kann, hat seine Tradition ebenfalls in den frühen Formen unseres Karnevals. Schon bei den Römern soll es Tage gegeben haben (die „Saturnalien“, allerdings im Dezember gefeiert), an denen Sklaven und Herren an einem Tisch saßen.  Ein Spaß, den man sich eben nicht nehmen ließ.

          Auch nicht von den diversen Stadträten, die im Laufe der Geschichte immer wieder versucht haben, den „Mummenschanz“ zu verbieten. Und ebenso wenig von Leuten, die vor allem vom fünfzehnten Jahrhundert an viel Energie darauf verwandten, dem Treiben ein Ende zu setzen. Der Karneval geht ursprünglich zwar auf einen heidnischen Brauch zurück. Im Laufe der Zeit ist er aber in den Kalender der christlich-katholischen Feiertage integriert worden, wo er als letzte Sause vor der Fastenzeit einen reinigenden Zweck erfüllt. Der Karneval ist also schon lange zweierlei: Das (zumindest erhoffte) Ende des Winters und der Beginn der vorösterlichen Einkehr, der Abschied von etwas Vergehendem und die Vorbereitung auf etwas Kommendes. Und zumindest in der Neuzeit ist der Karneval auch: Ein Fest ohne Anlass, eine Übung in Sinnlosigkeit, kurz, eine Gelegenheit, die sich nicht alle Tage bietet. Zum Glück kommt sie jedes Jahr wieder.

          Quelle: FAZ.NET

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