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Veröffentlicht: 16.01.2015, 15:44 Uhr

Wie erkläre ich’s meinem Kind? Warum wir noch lernen, mit der Hand zu schreiben

Wie der Computer beim Schreiben hilft, ist großartig. Dafür, mit der Hand schreiben zu lernen, gibt es dennoch gute Argumente: eines aus der Wissenschaft und eines aus dem Alltag.

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© Picture-Alliance Ohne Netz und leeren Akku: Die Handschrift hat auch praktische Vorzüge

In Finnland sollen Kinder künftig mehr am Computer schreiben lernen und weniger mit der Hand. Das klingt logisch. Schließlich sind wir ständig von Geräten umgeben, in die wir tippen sollen: Handys, Laptops, iPads oder Automaten. Und natürlich ist es sinnvoll, dass man die Dinge lernt, die man am meisten braucht.

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Wofür braucht man aber das Schreiben mit der Hand? Es ist gar nicht so lange her, da konnten die meisten Menschen in Deutschland weder lesen noch schreiben. Erst als bestimmt wurde, dass jedes Kind in die Schule gehen muss, änderte sich das. Und dadurch, dass billigere Methoden zum Drucken von Zeitungen und Büchern erfunden wurden, sodass sie sich nun jeder leisten konnte. Damals schrieben die Menschen immer noch mit Gänsefedern, die sie in Tinte tauchten, oder mit Stahlfedern, die auf Holzstäben montiert waren. Das Schreiben dauerte ziemlich lange, und weil nicht alle eine saubere Handschrift haben, waren viele Briefe oder andere Texte nicht leicht zu lesen. Deshalb ist die Schreibmaschine eine so wichtige Erfindung: Das Schreiben geht schnell, und man kann alles sehr gut lesen. Als dann das Schreiben mit dem Computer aufkam, wurde noch etwas viel leichter: Das Verbessern von Stellen im Text, bei denen man sich verschrieben hatte oder die man doch lieber anders haben wollte.

Kolumnenbild /  Wie erkläre ich es meinem Kind © Johannes Thielen Vergrößern

Ist also alles immer besser geworden? Der große Nachteil am Schreiben mit dem Computer ist, dass man immer mehr dazu braucht. Erst mal das Gerät, dann aber auch Strom. Wenn der Akku leer ist und keine Steckdose da, kann man das, was man geschrieben hat, nicht mehr lesen und nichts Neues schreiben. Und wenn ein Glas Wasser auf die Tastatur fällt, kann es sein, dass alles weg ist, weil der Computer kaputt ist. Deshalb kaufen viele Menschen auch immer noch gedruckte Bücher, obwohl es so viele Ebooks gibt. Und kaufen Bleistifte und Blöcke.

Zum Glück hat man meistens Strom, mit dem Wasser kann man ja aufpassen, und wer ganz sicher gehen will, druckt eben aus, was er so schreibt. Trotzdem ist es nicht egal, wie man schreibt. Forscher haben herausgefunden, dass Zuhörer die Dinge besser im Kopf behalten, wenn sie sich Notizen mit Stift und Papier machen statt am Laptop. Offenbar versteht man manche Dinge beim Schreiben mit der Hand einfach besser.

© afp Vereinigte Staaten: Die Schreibschrift wird abgeschafft

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