Warum sich manche vor Freitag, dem 13. fürchten
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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum sich manche vor Freitag, dem 13. fürchten

Himmel, hilf! Wer sich vor Freitag, dem 13., ernsthaft fürchtet, greift gern zum Gegenmittel. Bild: Picture-Alliance

Nicht nur, wenn er auf den 13. eines Monats fällt: Im Mittelalter verhieß dieser Wochentag generell nichts Gutes. Im alten Rom hingegen war es umgekehrt. Vom Freitag – und vom Aberglauben.

          Heute ist Freitag der Dreizehnte. Für manche ein Unglückstag. Zu allem Überfluss hat der Deutsche Wetterdienst für heute nun auch noch Blutregen – einst ein unheilvolles Vorzeichen – vorhergesagt. Das kann ja heiter werden.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Vor Jahrtausenden, noch bevor man Tage Tage nannte und ihnen Namen gab, war der Freitag eine namenlose Zeiteinheit im unendlichen Lauf des Universums. Doch seit die Menschen den Freitag Freitag nennen, wird er – übrigens nicht nur, wenn er auf den dreizehnten Tag eines Monats fällt – als Tag gesehen, an dem sich Missgeschicke häufen. Für alle Gebiete des Lebens, von der Geburt bis zum Tod, auch in der mittelalterlichen Medizin, hatte der Freitag lange eine besondere Bedeutung. An einem Freitag heißt es, soll man nichts Wichtiges beginnen, weshalb dieser Artikel vorsichtshalber schon am Donnerstag verfasst wurde.

          Dabei geht der Freitag im romanischen Raum, bei den Franzosen (Vendredi) und Italienern (Venerdì), auf die Liebesgöttin Venus zurück (vom Lateinischen „dies veneris“) und galt dort als guter, glücklicher Tag. Die germanischen Völker benannten ihn nach der nordischen Göttin Frigg (auch „Frija“). Diese ist eigentlich auch nicht als missgünstige Schreckschraube bekannt. Sie gilt als Hüterin der Ehe, der Mutterschaft und des Herdfeuers. Allerdings wohnt sie in Sumpfsaal. Das könnte es erklären.

          Später jedenfalls – ab dem vierten Jahrhundert, vor allem durch die christliche Tradition geprägt – war der Freitag nicht unbedingt als Freudentag bekannt. In Deutschland ist der Karfreitag ein bedeutender Gedenk-, aber eben kein Feiertag. Er ist der stille, hohe, lange, heilige oder weiße Freitag, ein Fastentag. Dass dieser Tag nun bis heute mit allerlei Aberglauben aufgeladen ist, erklären sich Gelehrte laut dem „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ damit, dass das Christentum ausgerechnet für diesen Tag – zusätzlich zu dem bereits vorhandenem heidnischen Glauben – den Tod Christi am Kreuz veranschlagt hat. Damit sei im Abendland eine Grundlage dafür gelegt worden, dass ein Freitag selten Gutes verheißt. Schließlich soll auch das Jüngste Gericht an einem Freitag stattfinden.

          Später hat die katholische Kirche dafür gesorgt, dass dem Freitag, der in heidnischen Traditionen oft mit dem Erscheinen von Elfenwesen verknüpft war, etwas Teuflisches anhaftet. Hier nähern wir uns jenem Kern von Freitag, dem 13., wie wir ihn aus Büchern und Filmen kennen: als Tag, an dem sich Übernatürliches, meist Finsteres ereignet. Am Freitag fahren die Hexen aus, hieß es einst. Demnach sollte man freitagnachts nicht von ihnen sprechen, sonst hatte man sie am Hacken. Machte man es doch, sollte man sagen: „Dreck vor die Ohren!“ Auch Salz, als nützliches Werkzeug zum Bannen von Magie, soll man Freitags nicht verschenken, ohne etwas dafür zurück zu bekommen. Noch große Männer fürchteten sich vor dem Freitag: Bismarck tat es und Napoleon soll an Freitagen weder Verträge abgeschlossen noch Schlachten geschlagen haben. Auch ein echter Seebär sticht am Freitag nicht in See.

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          Doch nicht überall haftet nur Unglück am Freitag: Im Islam entspricht er dem christlichen Sonntag, an dem die Arbeit ruht, und gilt als Glückstag. Freitags kommen nach islamischer Glaubensvorstellung die Ahnen zu Besuch, um zu schauen, ob die Familie ein glückliches Leben führt. Und auch in der christlichen Tradition werden arme Seelen bevorzugt am Freitag, dem Todestag des Erlösers, erlöst. Und da erlöste Seelen seit alters her mit dem Gewinn von Schätzen verbunden werden, gilt ein Freitag (vor allem im März) mitunter sogar der Karfreitag, als guter Tag, um Schätze zu heben.

          Manchmal meint man ja zu fühlen, ob ein begonnener Tag gelingt oder aber zum Scheitern verurteilt ist. Denn ein bisschen Aberglauben tragen ja die meisten mit sich herum. Beim Autor dieser Zeilen ist völlig unabhängig vom Tag folgendes Orakel entstanden: Schafft er es morgens, sein Kaffeepad nach Gebrauch schwungvoll an die Wand seines Spülbeckens zu schleudern, so dass es glatt haften bleibt, wird es ein guter Tag. Fällt es schlaff ins Becken, sollte man sich vielleicht besser nochmal hinlegen. Darüber vergisst der Autor dann meist sowieso, welches Datum gerade ist, so dass ihm zumindest ein Freitag, der 13. nichts anhaben kann: Thank God, it’s Friday!

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