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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum man das neue Jahr mit guten Vorsätzen beginnt

Das neue Jahr, in die Luft geschrieben mit einer Wunderkerze Bild: dpa

Man kann doch jeden Tag anfangen, alles besser zu machen. Warum nehmen sich das dann jetzt alle für das neue Jahr vor? Und wie viele halten sich daran?

          Eigentlich haben viele Menschen schon das gesamte Jahr über das Bedürfnis, etwas an ihrem Leben zu ändern. Vielleicht wollen sie aufhören zu rauchen, gesünder essen, abnehmen oder sich mehr um ihre Freunde kümmern. Aber an Silvester, dem letzten Tag des Jahres, sind es besonders viele, die denken: Ab morgen wird alles anders.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Menschen mögen Stichtage, um sich etwas vorzunehmen. Sie tun das nicht an einem x-beliebigen Montag im Mai, sondern zum Beispiel an ihrem Geburtstag oder eben ab dem 1. Januar. Silvester eignet sich besonders gut für Vorsätze, denn die Tage vorher sind dazu gedacht zu konsumieren. An Weihnachten und Silvester geht es nicht um Einschränkung, bei Geschenken, Essen oder Alkohol.  Am Tag nach Silvester wird es ruhiger und der Mensch ist wieder auf sich zurückgeworfen. Viele haben dann das Bedürfnis nach einem bewussteren Leben.

          Das ist ein guter Rahmen für den Vorsatz, ähnlich wie die Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt und auch nicht gläubige Menschen dazu bringt, keinen Alkohol oder keine Schokolade zu konsumieren. Das Dumme an Vorsätzen ist allerdings, dass sie zunächst nicht mehr als ein Gedanke sind. Man hat etwas vor, das man nur im Kopf durchspielt. Ein Vorsatz ist so etwas wie eine Hypothek, die man später zurückzahlt. Und manchmal hat man das Geld einfach nicht. Oder nicht den Willen, den Vorsatz umzusetzen.

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          Zwar erhofft man sich durch den Stichtag Silvester einen gewissen Druck, aber nicht selten merkt man, dass der 1. Januar dann auch nur ein Tag wie jeder andere ist, an dem die Versuchungen des Lebens genauso groß sind wie an einem 1. September oder 15. Februar. Nur 30 Prozent der Menschen, die einen Vorsatz haben, schaffen es auch, ihn langfristig umzusetzen. Nach drei Wochen geben die ersten ihre Pläne auf, nach einem halben Jahr sind nur noch die Hälfte dabei. Wenn man es nicht schafft, seinen Vorsatz umzusetzen, kann das zu Frustrationen führen, die das Gegenteil bewirken: Wenn man es beispielsweise nicht schafft, weniger zu essen, tröstet man sich dann möglicherweise mit noch mehr Schokolade. Deshalb raten Experten dazu, die Ziele nicht so hoch zu stecken.

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          Oder man hält sich an Aristoteles, der darauf hingewiesen hat, dass sich Tugenden nur durch stetige Übung ausbilden lassen. Einmal im Jahr einen guten Vorsatz zu fassen reicht also nicht. Vielmehr muss man sich immer wieder eine bestimmte Sache vornehmen und sich immer wieder überwinden, sie auch umzusetzen. Und das so lange, bis der Vorsatz zur „zweiten Natur“ geworden ist.

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