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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum sie in der Ukraine einfach weiterkämpfen

Pro-Russische Rebellen in Debaltsewe Bild: AP

Ein Konflikt, der alle beunruhigt; ein Waffenstillstand, der nichts gilt; ein Gegner, der vorgibt, gar nicht mitzukämpfen: Die Situation in der Ukraine ist unübersichtlich. Und lässt sich doch selbst Kindern erklären.

          Siebzehn Stunden am Stück, ohne Schlafpause, haben die Bundeskanzlerin und die Präsidenten Frankreichs, der Ukraine und Russlands am Mittwoch vor einer Woche darüber verhandelt, wie der Krieg in der Ukraine beendet werden kann. Am Ende wurden ein Waffenstillstand und ein Plan darüber vereinbart, wie danach der Frieden wieder hergestellt werden kann. Aber als der Waffenstillstand zwei Tage später in Kraft treten sollte, wurde weiter geschossen.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          An den meisten Orten im Kriegsgebiet in der Ostukraine kehrte zwar tatsächlich Ruhe ein, aber einem Ort wurde noch heftiger als vorher gekämpft: Die Separatisten, das sind Leute, die einen Teil des Landes von der Ukraine abtrennen wollen, wollten diesen Ort namens Debalzewe unbedingt noch erobern. Der Grund dafür ist, dass Eisenbahnlinien und Straßen durch diesen Ort verlaufen, die sie beherrschen wollen, weil es dann einfacher ist, viele Dinge aus Russland heranzuschaffen – vielleicht Lebensmittel, aber sicher auch Waffen und Munition.

          Putins Behauptung

          Die Separatisten haben also ihr Versprechen gebrochen, zu einer bestimmten Zeit mit dem Schießen aufzuhören. Und auch der russische Präsident Wladimir Putin hat sein Versprechen gebrochen, alles dafür zu tun, dass die Kämpfe aufhören. Er hat zwar mehrere Male gesagt, alle Seiten sollten sich an den Waffenstillstand halten, aber er hat die Separatisten nicht aufgefordert, ihre Angriffe sein zu lassen. Dabei hätten sie, wenn er das wirklich gewollt hätte, wahrscheinlich auf ihn gehört, denn ihre Waffen und ihre Munition bekommen sie von ihm. Und auch viele der Männer, die im Osten der Ukraine Krieg führen, sind eigentlich Soldaten aus Russland.

          Aber das gibt Putin nicht zu. Er behauptet, dass Russland mit dem Krieg im Osten der Ukraine nichts zu tun habe – dort gebe es Kämpfe, so behauptet die russische Regierung, weil die Menschen nicht damit einverstanden seien, dass es in der ukrainischen Hauptstadt Kiew seit einem Jahr eine neue Regierung gibt. Viele Menschen in der Ostukraine mögen die neue ukrainische Regierung wirklich nicht, aber nicht deswegen hat der Krieg angefangen. Der Grund ist ein anderer: Zuvor gab es in Kiew und vielen anderen ukrainischen Städten wochenlang friedliche Proteste gegen die den damaligen ukrainischen Präsidenten. Um sich an der Macht zu halten, wollte er diese Proteste mit Gewalt beenden. Dabei wurden mehr als hundert Menschen getötet, aber nach den blutigsten Tagen wurde er vor einem Jahr doch gestürzt.

          Nur als Vermittler

          Putin mag die neue Regierung in Kiew nicht. Er (und viele andere Menschen in Russland) denken, dass die Ukraine eigentlich zu Russland gehört. Warum das so ist, ist eine lange und komplizierte Geschichte. Die meisten Russen meinen das gar nicht böse, deswegen fällt es ihnen auch schwer zu verstehen, was in der Ukraine geschehen ist. Aber entscheidend ist, dass die die Ukrainer das anders sehen, sie wollen ein eigenes Land, über das sie selbst bestimmen – und das will Putin nicht akzeptieren. Deshalb versucht er, der neuen ukrainischen Regierung das Leben so schwer wie möglich zu machen. Aber weil die Menschen in ganz Europa, auch in Russland, Krieg schlecht finden, will Putin nicht an den Kämpfen schuld sein und tut so, als habe er nichts damit zu tun.

          Damit sind wir wieder bei den Verhandlungen und den gebrochenen Versprechen: Putin hat nicht als jemand, der Krieg führt, an den Gesprächen teilgenommen, sondern als Vermittler, so wie die Bundeskanzlerin und der französische Präsident. Natürlich wussten alle, dass das nicht stimmt. Aber Putin redet nur unter dieser Voraussetzung über den Krieg in der Ukraine, und ohne Putins Mitwirkung gibt es keine Möglichkeit, die Kämpfe zu beenden. Also haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident François Hollande und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko das akzeptiert.

          Ihr Ziel war es, den Krieg irgendwie zu beenden, denn so lange geschossen wird, verlieren weiter Menschen ihr Leben – sowohl Soldaten als auch normale Menschen in den Orten, um die gekämpft wird. Deswegen sind die drei auch nach alle den gebrochenen Versprechen weiter bereit, mit Putin darüber zu sprechen, wie man doch noch ein Ende der Kämpfe erreichen kann.

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