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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wer die Flüchtlinge eigentlich sind

  • -Aktualisiert am

Lange Schlangen: Flüchtlinge warten Anfang September auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Berlin auf ihre Registrierung. Bild: dpa

Immer mehr Flüchtlinge verlassen ihre Heimatländer, um sich in Sicherheit zu bringen. Aber wer sind eigentlich diese Menschen, die nach Deutschland kommen?

          Eine Million. So viele Menschen sollen 2015 insgesamt nach Deutschland kommen, wenn die aktuelle Prognose von Vize-Kanzler Sigmar Gabriel stimmt. Die meisten von ihnen aus Syrien. Dort herrscht seit mehr als vier Jahren Bürgerkrieg. 55.587 Syrer haben von Januar bis August 2015 beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) Asyl beantragt. Dafür müssen sie bei der Behörde sagen, wer sie sind, woher sie kommen und warum sie dort nicht bleiben konnten. Wer dann als Flüchtling anerkannt wird, darf sich eine Wohnung und Arbeit suchen, nach ein paar Jahren seine Familie zu sich holen und noch ein paar Jahre später Deutscher werden. Allein im August waren es 10.440 Menschen aus Syrien. Insgesamt gingen in dem Monat 36.422 Asylanträge ein. Im September werden es viel mehr sein.

          Auch aus dem Westbalkan kommen viele Menschen nach Deutschland. Insgesamt 13.903 Anträge wurden im August von Menschen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien gestellt. Das ist mehr als jeder Dritte in Deutschland gestellte Asylantrag.

          Weil es ihnen hier bessergeht

          Mittlerweile geht die Zahl der Asylbewerber vom Westbalkan wieder zurück. Das könnte daran liegen, dass das Bundesamt den Leuten dort erklärt, welche Aussichten ihr Antrag in Deutschland hätte. Das Bamf schaltet zum Beispiel Anzeigen auf Facebook. Darin steht, dass fast alle, nämlich 99,8 Prozent der Asylanträge aus Ländern vom Westbalkan abgelehnt werden. Der Grund: Die Länder gelten als sicher, weil dort kein Krieg herrscht.

          Bild: Johannes Thielen

          Den Flüchtlingen vom Westbalkan wird häufig vorgeworfen, nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland zu fliehen. Tatsächlich kommen viele Asylbewerber vom Balkan aus ärmeren Verhältnissen und haben keinen hohen Bildungsgrad. Die meisten sind Roma. Weil sie zu dieser Minderheit gehören, werden sie in ihren Heimatländern diskriminiert.

          Wer ist stark genug zum Fliehen?

          „Vom Balkan kommen mehr Familien und auch ältere Menschen“, sagt Mehmet Ata vom Bamf. „Die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind jedoch relativ jung.“ Unter ihnen sind auch viele Minderjährige. Im Jahr 2014 waren fast ein Drittel aller Asylbewerber unter 18 Jahre alt. Viele von ihnen sind unbegleitet. Das heißt, sie sind ohne ihre Eltern auf der Flucht.  

          Die meisten Flüchtlinge sind zwischen 20 und 30 Jahre alt – und männlich. Der Weg hierher ist für die Flüchtlinge sehr anstrengend. Dass vor allem junge Männer nach Deutschland fliehen, könnte daran liegen, dass man ihnen die Strapazen der Flucht eher zutraut. Sie werden vorgeschickt und sollen ihre Familien später nachholen. Aus Ländern, in denen Bürgerkriege herrschen, fliehen Männer häufig auch, weil sie Angst davor, zum Kämpfen in diesem Krieg gezwungen zu werden. Doch auch für Frauen und Mädchen ist es dort sehr gefährlich, denn Vergewaltigungen werden oft als Kriegswaffe eingesetzt.

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