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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum so viele YouTuber Bücher schreiben

  • -Aktualisiert am

Paluten ist zwar eines der aktuellsten Beispiele von YouTubern, die zu Autoren wurden - aber lange nicht der einzige. Bild: YouTube/Paluten/Screenshot F.A.Z.

Wer Paluten ist, braucht man Kindern und Jugendlichen nicht zu erklären. Wie aber kommt das Buch des YouTubers an die Spitze der Beststellerliste? Über eine schwierige Zielgruppe, Leute, die sie besonders gut kennen, und eine gute Idee.

          Wer gerade die deutschen Buch-Bestsellerlisten ansieht, wundert sich: Zwischen berühmten Autoren steht nämlich ein YouTuber auf Platz zwei. Der Kölner Gaming-Vlogger „Paluten“ hat mit seinem Buch „Die Schmahamas-Verschwörung“, in dem er Abenteuer aus dem Spiel „Minecraft“ erzählt, innerhalb kürzester Zeit die Spitze der Bestsellerliste erklommen. Sein Buch hält sich seit der Veröffentlichung Ende März konstant in den Top drei.

          Dass YouTuber plötzlich Bücher schreiben, ist keine neue Idee. Angefangen hat alles 2014 im englischen Brighton, als die bekannte Beauty-YouTuberin „Zoella“ ihren ersten Roman „Girl Online“ veröffentlicht hat. Zoe Sugg, wie „Zoella“ im richtigen Leben heißt, hatte damals schon Millionen von Abonnenten, und ihre Erzählung rund um die schüchterne Schülerin Penny, die sich in einen Popstar verliebt, wurde innerhalb weniger Wochen zu einem internationalen Bestseller. In der ersten Woche verkaufte sich die Geschichte sogar besser als die „Harry Potter“-Reihe. Es dauerte nicht lang, da hatten es ihr etliche Kollegen nachgemacht.

          Heute gibt es kaum einen bekannten YouTuber, der nicht eine Autobiografie, einen Comicroman oder ein Abenteuerbuch wie das von „Paluten“ herausgebracht hat. Der Trend ist auch an den deutschen Verlagen nicht vorbeigegangen – Sami Slimani veröffentlichte 2015 einen Ratgeber, LeFloid klärt über Demokratie auf, Paola Maria gibt auf rund 200 Seiten Schminktipps. Viele der größeren deutschen Verlage hatten in den letzten Jahren Werke von und mit Internet-Stars im Programm.

          Aber warum das Ganze? Wieso macht jemand, der im Internet bereits Hunderttausende Menschen erreicht, sich die Mühe und schreibt auch noch ein Buch?

          Oft ist es der Anreiz, etwas Neues auszuprobieren, sagt Ulrike Metzger, die Leiterin des Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlags. Dort erschien Ende 2017 auch die Autobiografie von „ConCrafter“: „Ein Buch ist einfach ein anderes Medium, das weniger flüchtig ist als digitale Beiträge. Man kann es in die Hand nehmen, ins Regal stellen, seinen Freunden und Followern präsentieren und schenken.“ Der Moment, in dem die Neu-Autoren das eigene Buch zum ersten Mal in der Hand halten, sei dann selbst für die erfahrensten YouTuber etwas Besonderes: „Ich erlebe immer wieder, wie stolz unsere Künstler darauf sind und wie wichtig es ihnen ist, in Buchform erscheinen zu können.“

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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          Auch für die Verlage ist die Zusammenarbeit mit den Künstlern besonders interessant, denn so können sie ein Publikum ansprechen, das mit klassischen Büchern mitunter schwierig zu erreichen ist: Kinder und Jugendliche. Die finden Bücher oft nämlich nicht so toll, YouTube dafür umso cooler. Bücher von YouTubern vereinen beides und sind so die perfekte Lösung, um junge „Nicht-Leser“ oder „Nicht-mehr-Leser“ wieder ins Boot zu holen.

          Ein Vorteil für die Verlage ist dabei, dass YouTuber ihr Publikum sehr genau kennen. Sie wissen, was ihren Zuschauern gefällt und haben deshalb ein großes Mitspracherecht, wenn es um die Gestaltung des Buches geht: Wie soll das Cover aussehen, worum soll es in dem Buch gehen, soll es eher witzig oder ernst formuliert sein? All das wird in enger Zusammenarbeit mit den Künstlern festgelegt, die ja in den meisten Fällen selbst  für einen bestimmten Stil oder eine bestimmte Sprache bekannt sind. Und es soll sich auch in den Büchern wiederfinden.

          Die Idee für das Buch kommt zwar meist vom Verlag, tatsächlich schreiben die YouTuber in der Regel den Text aber selbst. Wem allerdings das notwendige schriftstellerische Talent fehlt, dem hilft ein Ghostwriter, also ein professioneller Autor, der das Buch für den Künstler verfasst. In diesem Fall kommt es darauf an, dass sich Videoblogger und Ghostwriter auch wirklich gut verstehen, da die beiden in enger Abstimmung zusammenarbeiten: „Die Künstler wollen sich gut aufgehoben und verstanden fühlen und vor allem Spaß an der Sache haben“, sagt Ulrike Metzger.

          Nicht zuletzt sind die Bücher für beide, die Künstler wie die Verlage, auch eine interessante Einnahmequelle. Die Chance auf Erfolg ist bei einem YouTuber-Buch nämlich höher als bei anderen, noch unbekannten Schriftstellern. Der Grund dafür ist einfach: Die Künstler bringen durch ihre Bekanntheit im Internet in der Regel schon eine große Zahl an Fans mit, die die Bücher ihrer Idole natürlich gerne lesen möchten – und sie entsprechend oft kaufen.

          Ein Ende dieses Trends ist im Moment übrigens noch nicht in Sicht. YouTube wächst weiter, täglich gibt es neue Kanäle, und auch bei den Verlagen geht man davon aus, dass YouTuber-Bücher weiterhin beliebt bleiben. Deshalb dürfte es nicht mehr lange dauern, bis sich die Leute nicht mehr so sehr wundern, wenn auf dem ersten Platz der Bestsellerlisten ein Buch steht, das seinen Ursprung eigentlich im Internet hat.

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