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Veröffentlicht: 14.04.2017, 14:30 Uhr

Wie erkläre ich’s meinem Kind? Macht und Regeln

Es ist einfacher, wenn Mächtige entscheiden, was gut für alle ist. Damit es auch gerecht ist, haben sich die Menschen Regeln ausgedacht. Der türkische Präsident will solche Regeln jetzt ändern.

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© Press Offi/Rex/Shutterstock Will die Regeln jetzt so ändern, dass er noch mehr Macht bekommt: Der türkische Präsident Erdogan vor ein paar Tagen in Istanbul

Wenn du was machen oder lassen kannst, musst du dich entscheiden. Wenn du zu einer Gruppe gehörst, die was machen oder lassen kann, muss die Gruppe sich entscheiden. Weil eine Gruppe aus verschiedenen Leuten besteht, die nicht alle dasselbe wollen, braucht so eine Gruppe für Entscheidungen länger als eine Einzelperson. Wenn einige in der Gruppe anderen nicht trauen, können sie zusammen eine Einzelperson wählen, die entscheidet, wenn die Gruppe als Ganze unentschieden ist. Auch auf diese Person muss sich die Gruppe aber erst mal einigen.

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Die allerersten Menschengruppen, die es gab, hatten für Entscheidungen wenig Zeit. Wenn man in Not ist, muss man sich beeilen. Die allerersten Menschengruppen waren ständig in Not. Denn Menschen haben kein Fell und halten schlimmes Wetter schlecht aus, Menschen sind langsamer und schwächer als viele Tiere, die uns fressen können und wollen, außerdem sind Menschen auch langsamer und schwächer als viele Tiere, die wir essen können und wollen, und wenn Menschen lieber keine Tiere essen sondern irgendwas, das wächst, fressen das die stärkeren und schnelleren Tiere den Menschen leicht weg.

Die Gefahr der Gewohnheit

Die ersten Menschengruppen hatten nur einen Vorteil: sie konnten, weil sie mehr Verstand hatten als die meisten Tiere und genauere Sprachen, zusammen denken, planen, sich verabreden. Also haben sie zusammen gejagt, anderes Essen gesammelt, bald sogar das selber zusammen gepflanzt, was sie essen wollten. Sie haben sich sichere Unterkünfte gegen das Wetter gesucht und auch sonst zusammen viel gegen die Not unternommen. Dabei wurde, weil ja noch viel Not war, oft nicht abgestimmt, sondern irgendwelche Leute, die schneller und stärker als andere waren, besser reden konnten oder sonst etwas in die Gruppe mitgebracht hatten, was alle brauchten, setzten sich durch.

Kolumnenbild /  Wie erkläre ich es meinem Kind © Johannes Thielen Vergrößern

Diese Leute hatten dann Macht, und die anderen gewöhnten sich daran, zu tun, was diese Mächtigen sagten, weil das am Anfang schneller ging und praktischer war, nach einer Weile aber auch einfach das, was sie immer gemacht hatten. Oft gaben die Mächtigen ihre Macht an ihre Kinder weiter, und auch das fanden die meisten normal, weil es praktisch war und schneller ging und nicht immer die neuen Mächtigen lange ausgesucht werden mussten. Immer gab es ein paar, die sahen, dass bei diesen Gewohnheiten die Gefahr besteht, dass die Mächtigen manchmal so entscheiden, dass sie mehr davon haben als alle anderen in der Gruppe, aber wenn sich alle an was gewöhnt haben, ändert man das nicht leicht, man müsste sich zum Beispiel verabreden, und die Mächtigen passen gern auf, dass das nicht passiert.

Es ist immer komplizierter, gerecht zu sein

Nach einer Weile aber war sehr viel von der alten Not weg. Denn die Mächtigen mussten ja zeigen, dass ihre Macht für alle gut war, und deshalb erlaubten sie, dass einige Leute mit neuen Ideen, die für die Gruppen gut waren, von den Ergebnissen dieser Ideen einiges behalten durften. Diese neuen Ideen waren zum Beispiel Maschinen, mit denen man viel Not abschaffen kann. Wer spät auf die Welt kommt, findet viel von der alten Not nicht mehr; es gibt schon sichere Unterkünfte gegen das Wetter, es gibt schon viel zu essen, das Menschen selber machen, und in manchen Gegenden eher Reichtum als Not. Von denen, die diesen Reichtum mit ihren Ideen möglich machten, waren nicht alle mächtig, aber sie kamen auf die Idee, dass man, wo weniger Not ist, mehr Zeit hat, darüber zu reden, was für die Gruppe gut ist. Sie wollten die alten Gewohnheiten ändern und die Mächtigen zwingen, nicht mehr schnell, stark und aus dem eigenen Kopf zu entscheiden, sondern sich an Regeln zu halten, die dafür sorgen, dass die Mächtigen nicht zu sehr an sich selber denken.

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