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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wann man sich wieder versöhnen sollte

Streit muss manchmal sein. Und was kommt danach? Bild: dpa

Der eine will nicht mehr mit dem anderen spielen, weil der immer der Chef ist, und dann wird auch noch sein Vertrauen missbraucht: Das ist nicht nur die Geschichte von SPD und Union, sondern von vielen Kinderfreundschaften.

          Manchmal ist es ganz einfach, zu sagen: Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben. Wenn man nämlich stinkwütend oder traurig ist, weil jemand, den man für einen Freund gehalten hat, immer alles bestimmen will oder schlecht über einen redet. Manchmal bleibt es dann auch dabei. Man geht sich aus dem Weg und findet neue Freunde. Das ist okay so. Und manchmal wirft das Schicksal (gern in Form wohlmeinender Lehrer) einen zusammen in eine Arbeitsgruppe, in der man mit dem anderen doch wieder reden muss. Obwohl man das nie mehr wollte. Wie verhält man sich da am besten, wenn man doch immer noch traurig oder wütend ist?

          Vor dieser Frage stehen gerade auch ein paar Politiker. Die Union und die SPD haben die letzten vier Jahre zusammen regiert, und das lief eigentlich nicht schlecht. Allerdings war die Union immer der Chef, weil sie bei der Wahl mehr Stimmen bekommen hatte, deshalb stellte sie auch mit Angela Merkel die Kanzlerin. Die SPD hat nach der Wahl im September also gesagt: Das machen wir nicht mehr mit, dann soll die Union doch mit jemand anderem regieren. Die Union hat auch mit anderen Parteien gesprochen, aber sie wurden sich nicht einig. Und dann ist etwas passiert, das nie passieren sollte, wenn man ein richtiges Team ist: Es gab einen Vertrauensbruch. Ein einzelner Politiker von der Union hat in einem europäischen Rat für die Verwendung eines Unkrautvernichtungsmittels gestimmt, das seine engste Kollegin von der SPD für giftig und gefährlich hält. Sie steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Jedenfalls hätte der Kollege sich mit ihr absprechen müssen und nicht einfach alleine entscheiden. Das ist also noch ein guter Grund, zu sagen: Mit euch nicht mehr. Euch kann man ja nicht vertrauen.

          Bild: Johannes Thielen

          Falls ihr jetzt sagt, hey, das erinnert mich an eine Geschichte von zweien aus meiner Klasse: Ja, die Bundesregierung ist manchmal eben auch nur eine Schulklasse. Manchmal sogar ein Kindergarten. Aber nun sieht es so aus, dass wir, wenn SPD und Union sich nicht vertragen, keine neue Regierung in Deutschland bekommen. Das ist aber immer das größte Ziel nach den Wahlen: Eine Regierung zu bilden, die das Ergebnis der Wahlen abbildet. Sonst müsste man ja gar nicht wählen.

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          Bei den Politikern hängt also ein bisschen mehr von einer Versöhnung ab als bei einer Freundschaft. Trotzdem hat man auch bei einer Freundschaft manchmal etwas davon, wenn man sich wieder versöhnt. Da gibt es unterschiedliche Abstufungen: Entweder man tut in der Schule so, als wäre nichts gewesen, weil es auch anstrengend ist, die ganze Zeit sauer auf jemanden zu sein, mit dem man zusammenarbeiten muss. Oder man versucht, die Freundschaft zu retten und wieder aufzubauen - aber so, dass sie diesmal beiden gefällt. In beiden Fällen ist es gut, darüber zu reden. Man kann jemandem sagen: Du, wir sind zwar nicht mehr befreundet, aber dieses Schulprojekt machen wir jetzt so gut wie es geht zusammen, und danach haben wir wieder unsere Ruhe voreinander. Oft funktioniert so etwas prima, weil ehemalige Freunde einen sehr gut kennen und das bei der Zusammenarbeit hilft: Sie wissen zum Beispiel, was man am besten kann. Aber dabei ist es wichtig, dass der ehemalige Freund sich auch so fair verhält wie man selbst und nicht dauernd blöde Bemerkungen macht. Sonst bleibt einem nur die Beschwerde beim Lehrer.

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          Der zweite Fall macht mehr Arbeit, verspricht aber am Ende mehr Spaß: Wenn beide die Freundschaft vermissen und bereit sind zu überlegen, wo sie Fehler gemacht haben, kann man sie retten. Dann muss man noch viel mehr reden: Darüber, was man nicht mehr will, darüber, wie man es lieber hätte, darüber, wie man sich fühlt, wenn der andere dies und das macht. Zuhören muss man auch, denn der andere hat auch Gefühle und Wünsche, die er äußern soll. Solche Gespräche können eine Freundschaft viel besser machen, als sie vorher jemals war. Schade eigentlich, dass es dafür fast immer erst mal einen Streit braucht.

          Quelle: FAZ.NET

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