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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Ob man jetzt Angst vor einem Atomkrieg haben muss

Amerikanisches Kampfflugzeug über dem Meer Bild: dpa

Donald Trump und Kim Jong-un drohen einander mit Angriffen. Ist das nur Gerede, oder kann es zu einem Krieg führen – selbst wenn beide das nicht wirklich wollen?

          Wir leben in einer paradiesischen Zeit. Wer heute geboren wird, hat eigentlich gute Chancen, steinalt zu werden. Viele lebensgefährliche Gefahren sind verschwunden oder in den Hintergrund gerückt. Heutzutage sterben mehr Menschen an Übergewicht als an Unterernährung. Infektiöse Krankheiten sorgen inzwischen seltener für das Lebensende als das Alter. Verbrechen, Terroranschläge und Kriege fordern heute weniger Opfer als Menschen, die ihrem Leben selbst ein Ende setzen. Man könnte es auch anders ausdrücken: Heutzutage ist sich jeder selbst der größte Feind.

          Ob das von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Vor wenigen Jahrzehnten jedenfalls sah es noch so aus, als ob ein Atomkrieg jederzeit die gesamte Menschheit auslöschen könnte. Zwei Bündnisse, angeführt von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, von der heute nur noch Russland übriggeblieben ist, standen sich mit Zehntausenden Atombomben ausgerüstet gegenüber. Besonders im damals noch geteilten Deutschland ist diese Zeit vielen Menschen lebhafter Erinnerung geblieben. Denn nirgendwo sonst drohte der Kalte Krieg, wie er damals genannt wurde, schneller in einen heißen Konflikt umzuschlagen.

          Bild: Johannes Thielen

          Auch wenn sich die Geschichte nicht wiederholt, so reimt sie sich doch manchmal. Im Fernen Osten drohen sich gerade Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Amerikas Präsident Donald Trump gegenseitig damit, den jeweils anderen anzugreifen. Wie damals im Kalten Krieg verfügen beide Seiten über Atomwaffen und viele Soldaten, Panzer und Raketen. Und wie damals sorgen sich Menschen davor, was passieren könnte, wenn der Krieg der Worte zwischen den beiden Staatsführern tatsächlich in einen Krieg ihrer Armeen münden sollte. Leute, die sich mit solchen Möglichkeiten ständig beschäftigen, gehen für diesen Fall von Hunderttausenden Toten aus. Denn keiner der beiden Seiten könnte den jeweils anderen so schnell schachmatt setzen, dass er nicht selbst noch zahlreiche Waffen zum Einsatz bringen könnte. Als besonders gefährdet gilt dabei die Hauptstadt Südkoreas, das Amerika seit Jahrzehnten beschützt, denn Korea ist in zwei Länder geteilt. Seoul liegt ziemlich nah an der Grenze zum Norden. Für die weit reichenden Waffen des Nordens ist das ziemlich wenig. Und würden Atombomben eingesetzt, dürften die Opferzahlen vermutlich ganz schnell noch viel größer werden.

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          Wir können den Präsidenten zwar nicht in den Kopf gucken, aber eigentlich deutet einiges darauf hin, dass sie keinen Atomkrieg miteinander anfangen wollen – auch wenn sich das bei ihnen ganz anders anhört. Nordkoreas Führer Kim Jong-un prahlt zwar mit seinen Waffen. Aber so weit wir wissen, könnten seine Raketen trotz jüngster Fortschritte immer noch keine Atombombe nach Amerika tragen. Als Diktator will er diese Waffen vor allem besitzen. Nur so glaubt er davor sicher zu sein, dass die Vereinigten Staaten ihn stürzen könnten. Amerikas Präsident Donald Trump wiederum ist für seine dicke Lippe bekannt. Aber Nordkorea aus heiterem Himmel atomar anzugreifen – das traut ihm eigentlich niemand zu. Ein solcher Schritt könnte Hunderttausende seiner Landsleute gefährden. Er könnte sein Amt verlieren.

          Drohen ist für beide Seiten gut. Zu den Waffen zu greifen wäre für beide Seiten schlecht. Es gibt dabei nur ein Problem: Kriege brechen manchmal auch dann aus, wenn keine der beiden Seiten es will. Bislang scheint es so, als ob Nordkorea als auch Amerika voneinander annehmen, dass sie die Waffen schweigen lassen. Sollte einer vom anderen jedoch den Eindruck gewinnen, dass er tatsächlich seine Truppen in Bewegung setzt, wären die Folgen unübersehbar. Dann wäre es auch nicht mehr auszuschließen, dass Atombomben abgeworfen werden. Denn in Korea selbst könnte Kim Jong-un sie einsetzen. Das Ende der Menschheit würde das vermutlich nicht bedeuten. Doch angesichts der Opfer wäre das kein Trost. Und die Folgen wären auch für uns in Europa spürbar. Deshalb hoffen wir, dass hier nicht nur die Staatschefs über Fernsehkameras miteinander sprechen – sondern hinter verschlossenen Türen auch ihre Mitarbeiter, die nicht denken, sie müssten öffentlich zeigen, wer der Stärkste ist.

          Quelle: FAZ.NET

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