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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum die Welt des „Herrn der Ringe“ immer weitererzählt wird

Tolkiens Welt Mittelerde enthält noch viele Geschichten – auch weit abseits vom Auenland, der Heimat der Hobbits. Bild: dpa

Der amerikanische Konzern Amazon produziert für den eigenen Streamingdienst eine Serie zum Roman „Der Herr der Ringe“ – obwohl es davon bereits einen dreiteiligen Kinofilm gibt. Warum?

          Die Sache kostet Amazon richtig viel Geld. Zweihundert Millionen Dollar zahlt die Firma angeblich nur dafür, dass sie die Serie drehen darf. Die Kosten für jede Staffel sollen dann noch einmal einhundert bis 150 Millionen Dollar betragen. Das lohnt sich nur dann, wenn die Serie weltweit zum Erfolg wird. Die Chancen dafür stehen gut, denn der Roman „Der Herr der Ringe“, der vor über sechzig Jahren geschrieben wurde, wurde seither von Millionen Menschen gelesen, und von manchen so oft, dass sie den Inhalt genau kennen – und auch den von „Der Hobbit“, dem Kinderbuch, das einen Teil der Vorgeschichte vom „Herrn der Ringe“ erzählt.

          Doch beide Romane sind erst vor einigen Jahren aufwendig verfilmt worden, ebenfalls so erfolgreich, dass die meisten, die sich überhaupt für Tolkien und seine Welt „Mittelerde“ interessieren, die Filme sehr gut kennen. Warum jetzt also noch einmal eine Serie?

          Amazon hat noch nicht erklärt, worum genau es in ihrer Verfilmung geht. Es ist noch nicht einmal klar, ob der Konzern dafür direkt auf Bücher von Tolkien zurückgreift. Es gibt von ihm noch viele weitere Romane, die in Mittelerde spielen, die aber nur wenige kennen, weil er sie teils nicht zu Ende geschrieben hat, teils in einer Sprache verfasst hat, die nicht so leicht lesbar ist wie „Der Hobbit“. Da geht es um Familienbeziehungen oder Schlachten, die nur mit wenigen Worten notiert, aber nicht anschaulich erzählt werden. Kaum lernt man eine Figur kennen, verschwindet sie auch schon wieder aus dem Buch, weil sie erschlagen wird oder die Handlung Jahrzehnte überspringt. Im englischen Original füllen diese Texte zwölf Bände. Ins Deutsche übertragen wurden davon erst zwei. Ein weiteres Buch Tolkiens, das „Silmarillion“, erzählt zum Teil ganz ähnliche Geschichten.

          Die Erben dürfen mitbestimmen

          Über die geplante Amazon-Serie (oder vielleicht auch: Serien) ist bislang nur bekannt, dass sie die Vorgeschichte zum „Herrn der Ringe“ erzählen will, den Roman selbst also nicht neu verfilmt. Das ist eine kluge Entscheidung: Wer sich für Tolkiens Mittelerde interessiert, erfährt dadurch neues aus dieser Welt, wird aber wohl auch einige Figuren antreffen, die er schon kennt, zum Beispiel den Zauberer Gandalf oder den Bösewicht Sauron, die beide älter sind als die Hobbits.

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          Die Frage ist aber, was dann die Vorlage für die Serie liefert: Noch einmal „Der Hobbit“ – denn auch das ist ja Teil der Vorgeschichte? Oder die bisher nicht verfilmten Bücher Tolkiens, die sich aber eben auch nicht so gut dafür eignen? Die Erben von Tolkien haben ein Recht darauf, siebzig Jahre lang darüber zu bestimmen, was mit seinen Büchern passiert – also bis zum Jahr 2043. Von dem Vertrag, den sie nun mit Amazon geschlossen haben, hängt ab, inwieweit der Konzern Tolkiens Welt mit eigenen Einfällen zu den Figuren und der Handlung auffüllt. Es wäre nicht das erste Mal bei einer Tolkien-Verfilmung – schon der „Hobbit“-Film enthielt eine Elbin und eine Liebesgeschichte, die beide im Buch nicht vorkommen. Manche Tolkien-Fans sind darüber entsetzt, andere finden, dass sich der Film von dem Buch ruhig unterscheiden darf, schließlich sind das zwei unterschiedliche Medien.

          Quelle: FAZ.NET

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