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Familienleben : Unsere Work-Child-Balance

Zeit für Alles: Kinder bekommen und gleichzeitig Vollzeit arbeiten gestaltet sich für Eltern oft schwierig. Bild: dpa

Vollzeit arbeiten und Kinder haben, das ist für die meisten Eltern schwierig. Vor allem dann, wenn sie nicht möchten, dass diese bis abends fremdbetreut werden. Es gibt aber auch andere Lösungen. Eine Mutter erzählt, wie sie es macht.

          Heute habe ich einer Kollegin einen ganzen Beutel voller Playmobilfiguren abgekauft. Die Oase mit vielen Tieren soll nicht zu Hause aufgebaut werden, sie bleibt bei mir im Büro. Denn im Notfall können meine Kinder, Moritz und Ida, dort mal ein paar Stunden neben meinem Schreibtisch spielen. Die Kollegin im Nachbarbüro hat sogar ein Bobbycar, und Malsachen gibt es sowieso immer. Es kommt immer mal vor, dass einer von uns seine Kinder in Notfällen mitbringt. Es ist gut zu wissen, dass das geht, aber es ist eben nur eine Notlösung.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ich bin Journalistin und arbeite für ein Düsseldorfer Medienhaus. Ich bin selbst mit drei Geschwistern in einem kleinstädtischen Steuerberaterhaushalt aufgewachsen. Meine Mutter hat immer im Büro meines Vaters mitgearbeitet und tut es immer noch. Das war natürlich sehr praktisch. Auch für mich kam es nicht in Frage, sich entweder für Kinder oder für den Beruf zu entscheiden. Ich will beides und sehe darin auch kein Problem. Mein Mann und ich waren uns immer einig, dass wir nur dann eine Familie gründen, wenn beide sich einbringen.

          „Schon um 6 Uhr am Schreibtisch“

          Mein Mann ist Informatiker und hat schon während der Elternzeit jeweils die Eingewöhnung der Kinder in einer sehr kleinen privaten Kinderkrippe begleitet, während ich wieder in den Arbeitsalltag eingestiegen bin. Inzwischen arbeitet mein Mann wieder in Vollzeit, holt aber jeden Nachmittag gegen 16.30 Uhr zuerst unsere jüngere Tochter aus der Krippe ab und dann den Fünfjährigen aus dem Kindergarten. Um das zeitlich einrichten zu können, sitzt mein Mann morgens schon gegen 6 Uhr an seinem Arbeitsplatz in einer IT-Firma.

          Weil er projektbezogen arbeitet, kann er notfalls auch mal Arbeit von zu Hause aus erledigen. Auch zum Beispiel, wenn ein Kind krank ist. Ich habe eine Vollzeitstelle, doch weil ich häufig am Wochenende Termine habe, arbeite ich in der Regel am Montag nicht. Das ist schön, da kann ich mich dann den ganzen Tag um Ida kümmern. Denn die Krippe ist nur an vier Tagen geöffnet.

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          Auch wenn ich mal unaufschiebbare Termine habe, versucht mein Mann seine Arbeit vom Homeoffice aus zu erledigen, bis ich wieder zu Hause bin. Umgekehrt mache ich das, wenn bei ihm eine Fortbildung oder eine Dienstreise ansteht. Manchmal ist das wirklich ein fliegender Wechsel. Und oft sehen wir uns kaum, weil er abends schon schläft, wenn ich noch länger in Terminen sitze und dann morgens noch schlafe, wenn er schon längst aus dem Haus ist.

          Es gibt natürlich auch Tage, an denen das System nicht funktioniert. Dafür haben wir dann gleich zwei Babysitter, die zu unterschiedlichen Zeiten einspringen können, um mal ein Kind von der Krippe oder dem Kindergarten abzuholen oder um uns zu unterstützen, wenn eines der Kinder krank ist oder die Krippe schließt, weil ein Virus grassiert.

          Doch sogar das reicht manchmal nicht aus. Wenn eine der Babysitterinnen zum Beispiel im Urlaub ist, die andere gerade Prüfungen macht und bei uns Eltern im Job gerade mal wieder alles zusammenkommt. Dann kann ich glücklicherweise noch auf meine Familie zurückgreifen. Meine jüngere Schwester arbeitet freiberuflich in der Nähe und kann sich gelegentlich freinehmen. Als die Kita einmal wegen einer Grippewelle bei den Erzieherinnen für mehrere Tage geschlossen war, reiste meine Mutter an.

          Im nächsten Jahr kommt Moritz in die Schule und Ida in den Kindergarten, dann wird wieder alles etwas anders. Vielleicht einfacher, vielleicht auch nicht. Denn dann gibt es ja auch noch viele Ferienzeiten, die überbrückt werden müssen. Einen Hortplatz haben wir leider noch nicht. Vorläufig machen wir so weiter wie bisher. Und die Spielecke in meinem Büro wird sicher noch eine Weile gebraucht.

          Aufgezeichnet von Patricia Andreae.

          Quelle: F.A.S.

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