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Emotionale Erbstücke: Uhr, Gitarre, Gartenlaube

Vom Vater

Foto: Felix Schmitt

20.10.2017 · Wir haben unsere Fotografen gebeten, nach Erbstücken zu suchen. Was Vätern ihren Kindern schenken, ist oft seit Generationen im Besitz der Familien. Schön? Hässlich? Kommt es darauf an? Natürlich nicht. Hier geht es um den ideellen Wert. Ein Blick in Schränke, Keller, Rumpelkammern und Garagen.

DER TEDDY

Dieser Teddybär hat, unter verschiedenen Identitäten, schon viele Kuschelattacken überstanden. Als der Vater vor 30 Jahren klein war, hieß der Teddy Bernd. Tochter Maya, die jetzt mit ihrer Familie in Kapstadt lebt, taufte ihn in Benny um.

Foto: Felix Seuffert

DIE WERKSTATT

Den Söhnen von Alfons, dem Landmaschinenmechaniker, fiel es nicht schwer, die Werkstatt des Vaters im Keller seines Wohnhauses im bayerischen Massing nach seinem Tod zu übernehmen. Sie mussten hier ja noch nicht mal aufräumen.

Foto: Maria Irl

DIE BRIEFE

Als die Tochter von 1989 an zwei Jahre lang im Ausland lebte, begann der Vater, ihr Briefe auf der Schreibmaschine zu schreiben. Immer mit Durchschlägen. Die Kopien sammelte er. Heute ist das in Frankfurt ihr Familienarchiv.

Foto: Wonge Bergmann

DIE GARTENLAUBE

Die Eltern des Sohns lernten sich 1947 bei einem Geburtstag auf dem Laubengrundstück der Großeltern an der Dahme kennen. Nach dem Mauerbau wurde das Grundstück verpachtet, später bekam es die Familie zurück. Der Sohn lebt bis heute dort.

Foto: Stefanie Silber

DIE MASKEN

Der Sohn hat die Wahl, wenn in Hirrlingen in Baden-Württemberg Fasnacht gefeiert wird. Dafür hat der Vater mit Ahlanden-Masken gesorgt, die er dem Sohn vererbt hat. Der stellt sie auch dann aus, wenn nichts los ist – in seiner Bar im Keller.

Foto: Verena Müller

DIE BÜSTE

Die Gipsplastik von Beethoven stand früher im Musikzimmer des Großvaters in Berlin-Lichterfelde. Dann ging die Büste an den Vater, nun an dessen Tochter. Schon als Kind wollte sie Beethoven bei sich haben. Die Musik mag sie natürlich auch.

Foto: Matthias Lüdecke

DIE GITARRE

Der Sohn lernte den Vater erst im Alter von elf Jahren kennen. Die Westerngitarre gehörte von Anfang an dazu, denn der Vater brachte dem Sohn bei, das Instrument zu spielen. Heute gehört es ihm. Er ist mittlerweile Musiklehrer in Bielefeld.

Foto: Franziska Gilli

DIE BLAUE BLUME

Der Vater fand 1943 als Soldat bei einem Landgang auf der russischen Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer diese Blume und verwahrte sie in seinem Tagebuch. Die Blume gibt es, getrocknet, noch immer, bei dessen Sohn, der heute in Lörrach lebt.

Foto: Fabian Fiechter

DIE FOTOTASCHE

Der Vater wuchs in der DDR auf und wollte Kameramann werden. Daraus wurde nichts. Als junger Mensch hatte er stets diese Tasche bei sich. Sein Sohn trägt das Modell heute weiter – als Kameratasche. Er ist Fotograf in München.

Foto: Andreas Müller

DAS BOULE-SET

Bevor der Vater an Krebs erkrankte, warf er gerne die kleinen Kugeln auf dem Bouleplatz in Tönisvorst in der Nähe von Düsseldorf. Der Sohn erbte das Set. Und spielt jetzt auch hin und wieder damit.

Foto: Stefan Finger

DIE TASCHENUHR

Der Urgroßvater Alphons war gegen Ende des 19. Jahrhunderts Kammerdiener von Ludwig II. Diese Taschenuhr schenkte ihm der König. Seitdem wird sie in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben.

Foto: Matthias Lüdecke

DER TEPPICH

Der Vater wohnt in Sydney, die Tochter in San Francisco. Der Teppich kommt aus Pakistan. Der Vater hatte ihn über Österreich nach Australien transportiert und dann weiter nach Amerika. Dort soll er erstmal bleiben.

Foto: Esra Klein

DIE WETTERFAHNE

Die Fahne trägt die Initiale des Vaters und zierte früher das Dach von dessen Geburtshaus in Schlesien. Dann wurde die Familie vertrieben. Heute ist sie noch immer gut zu sehen, auf dem Haus der Kinder in Ankum in Niedersachsen.

Foto: Rudolf Schnurpfeil

DIE MÜTZE

Der Vater Ewald war seinerzeit bei der Bahn tätig. Seinem Sohn Olaf aus Barsinghausen bei Hannover vermachte er später, als er in den Ruhestand gegangen war, diese Requisite aus seinem Berufsleben, eine blaue Eisenbahnermütze.

Foto: Insa Hagemann

DIE UHR

Der Großvater war Bergmann in der Zeche Prosper II in Bottrop. Zum Jubiläum gab es diese Uhr als Geschenk, für 40 Jahre treue Dienste. Heute schlägt das Modell noch immer zuverlässig dem Enkel die Stunde.

Foto: Maximilian von Lachner

DIE MESSER

Der Vater Rudi war Schlachtermeister mit Betrieb im schleswig-holsteinischen Neumünster. Auch der Sohn musste in den Fünfzigern als kleiner Junge mit ran. Heute lebt er in Stuttgart, ist im Ruhestand und schneidet mit den Messern Bohnen.

Foto: Stefanie Silber

DER BMW

Der Vater fuhr die Mutter in diesem BMW einst zur Entbindung des Sohns. Fast wäre er im Auto zur Welt gekommen, sie schafften es gerade so ins Krankenhaus. Heute fährt der Sohn aus Reutlingen das Modell 2002.

Foto: Patrick Slesiona

DIE SKULPTUR

Als die Tochter klein war, baute der Vater diese Skulptur. Die Aufschrift: „Kleines Mädchen Ich liebe Dich“. Später vererbte er das Kunstwerk. Heute steht es in der Berliner Wohnung der Tochter.

Foto: Andreas Pein

DIE EISENBAHNER-UHR

Die Taschenuhr war für den Urgroßvater, Jahrgang 1870, unersetzlich – er war Zugführer bei der Reichsbahn. Für die Familie mag sie mit der Zeit an praktischem Nutzen verloren haben. Dafür hat sie an ideeller Bedeutung gewonnen.

Foto: Felix Schmitt

Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

Veröffentlicht: 21.10.2017 09:12 Uhr