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Kinder und digitale Medien : Handy statt Bilderbuch

  • -Aktualisiert am

Da kann auch der Räuber Hotzenplotz nicht mehr mithalten. Bild: plainpicture/Frank Muckenheim

Wenn Eltern ständig auf ihre Smartphones schauen, können ihre Kinder Bindungsstörungen entwickeln. Und wer seinen Kindern eine ausgiebige Nutzung von digitalen Medien erlaubt, beschert ihnen massive Konzentrationsprobleme. Das zeigt eine neue Studie.

          Papa beantwortet Whatsapp-Nachrichten und füttert nebenher die acht Monate alte Tochter, der dreijährige Sohn sitzt brav auf dem Sofa und guckt vorm Schlafengehen ein Youtube-Video auf dem Tablet. So sieht der abendliche Alltag in vielen Familien aus. Dass die digitalen Mobilgeräte unser Leben verändern, ist unbestritten. Doch welche Auswirkungen die neue Art des Medienkonsums auf die körperliche und geistige Gesundheit haben kann, dazu fehlt nach wie vor aussagekräftige und belastbare Forschung.

          Eine erste Grundlage dafür kann die Medienstudie „BLIKK“ bieten, deren Ergebnisse am Montag veröffentlicht worden sind. Sie hat einigen Wirbel verursacht. Demnach können Säuglinge Fütter- und Einschlafprobleme entwickeln, wenn die Eltern während der Betreuung parallel digitale Medien nutzen – ein Hinweis auf eine beginnende Bindungsstörung. Kinder bis zum sechsten Lebensjahr, die intensiv daddeln – also mehr als dreißig Minuten am Tag –, haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sie liegen in der Sprachentwicklung zurück. Zudem sind sie eher hyperaktiv. Und: Zwei Drittel der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren schaffen es höchstens zwei Stunden lang, ohne Digitalgerät zu spielen. Das setzt sich bei den Älteren fort: Kinder und Jugendliche zwischen acht und 13 Jahren können sich häufiger schlechter konzentrieren, wenn sie länger als eine Stunde täglich mit Smartphone oder Tablet verbringen. Offenbar konsumieren diese Kinder auch mehr Süßigkeiten und zuckerige Getränke. Und sie haben eher Übergewicht.

          Momentaufnahme mit außergewöhnlichen Ergebnissen

          Das Besondere an dieser empirischen Querschnittsstudie ist die Art der Erhebung, deren Studiendesign hier weltweit zum ersten Mal umgesetzt wurde. In 79 deutschen Kinder- und Jugendarztpraxen wurden die Eltern von 5573 Kindern und außerdem Jugendliche selbst befragt und die Ergebnisse mit denen der jeweiligen U- und J-Untersuchungen zusammengeführt. Als die Ergebnisse bekanntwurden, gab es sofort kritische Stimmen. Die Studie (die in vollem Umfang erst Ende des Jahres veröffentlicht werden wird) zeige keine deutliche Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, sondern nur statistisch auffällige Zusammenhänge.

          Frankreich : Tablets als Babysitter spalten die Gemüter

          „Genau das ist uns bewusst“, sagt Rainer Riedel von der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH), der die Studie gemeinsam mit Uwe Büsching vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) geleitet hat. „Wir haben ein Dreivierteljahr lang Daten von den untersuchten Kindern und Jugendlichen in einer Studie erhoben, die eine Momentaufnahme darstellt. Doch die Ergebnisse sind so außergewöhnlich, dass wir sagen müssen: Hoppla, was ist da los? Das sollten wir uns genauer ansehen.“ Dem Weckruf soll jetzt nach Möglichkeit eine Langzeitstudie folgen, die dann tatsächliche Aussagen darüber treffen könnte, wie es sich auf die Gesundheit und Psyche von Kindern und Jugendlichen auswirkt, wenn sie digitale Medien nutzen.

          Keine Bildschirmzeit für unter Dreijährige

          Zwischenzeitlich, sagt Riedel, sollte man sich vor allem mit den Fragen beschäftigen, welche die Studienergebnisse bereits heute aufwerfen. Das ist in erster Linie die nach der Medienkompetenz. Der Direktor des Instituts für Medizinökonomie und Medizinische Versorgungsforschung an der RFH nimmt hier die Eltern in Schutz: „Das Smartphone gibt es erst seit zehn Jahren in dieser Form, und plötzlich ist es so präsent in unserem Alltag, dass wir schon nicht mehr wissen, wie es ohne war. Dass es aber einen bewussten Umgang damit und vor allem ein bewusstes Heranführen der Kinder braucht, das müssen wir uns alle erst einmal klarmachen.“

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