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Gesetz zu „Kuckuckskindern“ : Hallo, ich bin dein Sohn

Ein komisches Gefühl: Wenn plötzlich der eigene Sohn vor einem steht. Bild: Illustration Isabel Klett

Der Bundestag will das Gesetz ändern, das den Umgang mit „Kuckuckskindern“ regelt. So richtig glücklich mit dem Plan ist niemand. Denn die Richter können nicht mehr per Einzelfall entscheiden.

          Der Anruf kam am 23. November letzten Jahres. „Wir müssen reden“, sagte die Exfreundin von André Brune. Ihr erstes Lebenszeichen seit vier Jahren war das. Brune machte sich keine Sorgen, er dachte: Sie plant bestimmt eine Party für unseren Sohn. Der war 22 und hatte gerade seine Abschlussprüfung als Kaufmann bestanden. Was seine Ex ihm stattdessen bei dem Treffen eröffnete, überstieg alles, was Brune sich hatte vorstellen können. Sie sagte: „Patrick ist nicht dein Sohn.“

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Fünf Monate später sitzt Brune in einem Café am Münsteraner Aasee, ein großer, dunkelhaariger Mann Mitte 40. „Das kann doch kein Mensch einem anderen antun“, findet er. Und dass mit dieser Wahrheit niemandem geholfen ist. Patrick (Name geändert) sieht ihm so ähnlich, Brune hatte nie auch nur den Hauch eines Zweifels daran, dass er sein Sohn sei. Gekämpft hat er um ihn nach der Trennung, als der Junge gerade mal ein Jahr alt war. Und als die Mutter fünf Jahre darauf nach Köln zog und den nun Sechsjährigen mitnahm, fuhr Brune jedes zweite Wochenende hin, um ihn abzuholen. Oft genug stand er vor verschlossener Tür: Krank oder verhindert sei das Kind, er könne es nicht sehen, beschied ihm die Mutter, die inzwischen seinen besten Freund geheiratet hatte.

          „Sie hat mich 18 Jahre lang schikaniert, ich musste darum betteln, Patrick sehen zu dürfen, und war so machtlos“, erinnert sich Brune. Das alles hätte er nicht gemacht, wenn er sich nicht für den Vater gehalten hätte. Da ist er sich sicher.

          Was er auch nicht gemacht hätte: Unterhalt für den Jungen gezahlt. Durchschnittlich 277 Euro pro Monat überwies Brune, Mitarbeiter des Blutspendedienstes, der Mutter achtzehn Jahre lang. Insgesamt etwa 60.000 Euro. Nun will er wenigstens einen Teil des Geldes zurückbekommen – von Patricks leiblichem Vater, seinem „Erzeuger“, wie Brune ihn nennt. Doch ob ihm das gelingen wird, ist fraglich: Noch vor der Sommerpause will der Bundestag das Abstammungsrecht reformieren und darin festschreiben, dass sogenannte Kuckucksväter nur noch jenen Unterhalt vom leiblichen Vater zurückfordern können, den sie in den letzten zwei Jahren vor dem Bekanntwerden ihrer Kuckucksvaterschaft gezahlt haben. Für Brune würde das bedeuten, dass er keinen Cent bekommen würde, weil er in den letzten zwei Jahren, seit Patrick 20 ist, keinen Unterhalt mehr gezahlt hat.

          Komplikationen bei der Rückerstattung von Unterhalt

          Familienrechtler sehen das geplante Gesetz daher kritisch, und auch der Bundesrat hat schon angemahnt, dass es keinen Sinn ergebe, den Regressanspruch von Kuckucksvätern nur noch zwei Jahre rückwirkend gelten zu lassen. Bisher nämlich konnten sie, so wie Brune es auch vorhat, den gesamten bereits gezahlten Unterhalt vom leiblichen Vater zurückfordern, was in Extremfällen bis zu 135.000 Euro sein konnten. „Ich hoffe wirklich, dass die Zweijahresgrenze nicht Gesetz wird“, sagt zum Beispiel die Münchner Familienrechtlerin Kerstin Aust, eine durch ihre Doktorarbeit „Das Kuckuckskind und seine drei Eltern“ ausgewiesene Kennerin der Thematik. Sie plädiert dafür, überhaupt keine Grenze in das neue Gesetz hineinzuschreiben.

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