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Gefährlicher Freizeitspaß : Bloß kein Salto mortale

  • -Aktualisiert am

Allein hüpfen ist schon riskant. Zu zweit ist es noch gefährlicher. Bild: mauritius images

Wer Kinder hat, kommt schon fast nicht mehr um ein Trampolin herum: Das Springen auf dem Federtuch ist zum Freizeit-Trend avanciert. Doch Unfallärzte sehen das mit Sorge.

          Jon weiß noch, wie er mit seiner großen Schwester auf dem Trampolin im Garten herumgehüpft ist. Sie in der Mitte, er am Rand. Dann sei alles sehr schnell gegangen, erzählt er auf der Terrasse seines Elternhauses in Au bei Freiburg. Die Schwester landete, Jon wurde hochkatapultiert. „Ungefähr einen Meter hoch.“ Er versuchte noch, kontrolliert zu landen, aber da war es schon passiert: Der Vierjährige kam schräg auf und brach sich das linke Bein. Glatte Fraktur des Wadenbeins. Die Folge: vier Wochen Gips. Und das mitten im Sommer.

          Solche Verletzungen sind typisch für den Trendsport Trampolin, der gerade ganz Deutschland erobert. Kaum ist das Frühjahr angebrochen, schwärmen die Kinder wieder in die Gärten, toben sich auf dem Sprungtuch aus, üben Überschläge, schlagen Salti, hüpfen, bis der Arzt kommt.

          Ursprünglich kommt das Trampolin aus der Artistik. Dort erfüllte es den ewigen Menschheitstraum vom Fliegen, wenn auch nur für einen Augenblick. Angeblich gab es im Mittelalter einen französischen Luftakrobaten namens Du Trampolin, der auf Sprungbrettern Zirkuskunststücke vorführte und ein Netz aus Tierhäuten zu einem Sprungtuch umgebaut haben soll. Vorformen des Trampolins gab es aber bereits in der Antike. So finden sich Hinweise auf gefährliche Sprungkunststücke im alten Kreta, 1500 Jahre vor Christus. Akrobaten sollen heranstürmende Stiere an den Hörnern gepackt haben, um sich durch die Luft schleudern zu lassen.

          Eine Zirkusnummer war es schließlich, die den amerikanischen Turner und Tüftler George Nissen (1914 bis 2010) in den dreißiger Jahren dazu inspirierte, den Prototypen des modernen Trampolins zu bauen. 1937 wurde es fertiggestellt, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich daraus ein Massenmarkt. Für die Verbreitung seiner Sprunggeräte war Nissen keine Aktion zu verrückt: Er sprang im Central Park mit einem Känguru um die Wette, hüpfte auf einer Pyramide in Ägypten herum und setzte sich zeitlebens dafür ein, dass sein Sport olympisch wurde. In Sydney im Jahr 2000 wurde sein Wunsch erfüllt.

          Das Trampolin ist ein Verletzungskatalysator

          Was die Profis auf dem Gerät vorführen, findet seitdem immer mehr Nachahmer. Für Eltern ist es fast schon obligatorisch geworden, dass sie ihren Kindern irgendwann ein Trampolin hinstellen. Doch sie gehen damit kein geringes Risiko ein. Vergangene Woche meldete sich die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) in Berlin zu Wort. „Seitdem vielerorts große Trampoline in privaten Gärten stehen, steigt die Anzahl der Verletzungen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Prellungen und Platzwunden seien die Folge, aber auch Gehirnerschütterungen und Knochenbrüche. Und nicht immer gehen die Unfälle glimpflich aus. Ärzte berichten von schweren Halswirbelverletzungen bei Kindern, vereinzelt sogar von Lähmungen.

          Der Appell der Berliner Ärzte-Gesellschaft fällt deshalb eindeutig aus: Eltern, passt besser auf eure hüpfenden Kinder auf! Das Trampolin sei kein Spiel-, sondern ein Sportgerät. Kinder werden darauf meterhoch in die Luft geschleudert und erreichen hohe Sprunggeschwindigkeiten. Die Kräfte, die auf beim Aufprall wirken, werden aber häufig unterschätzt. Verletzungsgefährdet sind vor allem Kleinkinder, weil sie noch nicht über die notwendige Körperkontrolle verfügen.

          „Babys und Kleinkinder bis sechs Jahre gehören einfach nicht auf ein Trampolin“, sagt der Unfallchirurg Christopher Spering vom Universitätsklinikum Göttingen, der bei der DGOU für die Prävention zuständig ist und immer wieder mit hässlichen Sprungverletzungen konfrontiert wird. Mit einem Einzugsgebiet von hundert Kilometern versorgt das Krankenhaus das flache Land um Göttingen und damit deutschlandweit mit die meisten Unfallpatienten. Dabei vergeht kaum ein Tag, an dem nicht wieder ein auf dem Trampolin verunglücktes Kind eingeliefert wird.

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