http://www.faz.net/-gqz-8xxq9

Probleme für junge Eltern : Fast 300.000 Krippenplätze zu wenig

  • Aktualisiert am

Die Eltern von Mia, Mathilda, Sophia und Josefine hatten Glück: Zahnputzbecher in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf Bild: dpa

Bund, Länder und Gemeinden stecken viele Milliarden Euro in die Kinderbetreuung. Während bei den Drei- bis Sechsjährigen die Quote stimmt, sind Mütter und Väter mit ganz kleinen Kindern weniger gut dran.

          Eltern von Kleinkindern haben in Deutschland weiterhin oft Betreuungsprobleme. Trotz verdoppelter Kita-Ausgaben seit 2005 gibt es in Deutschland derzeit einen Mangel von gut 293.000 Krippenplätzen. Bei rund 2,2 Millionen Kindern unter drei Jahren werde knapp jedes dritte (32,7 Prozent) in einer solchen Einrichtung betreut, der Bedarf liege aber bei 46 Prozent, so das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) unter Berufung auf aktuelle Daten.

          Demnach gab es in Westdeutschland zum 31. März 2016 für Kleinkinder etwa 262.000 Betreuungsplätze zu wenig (Betreuungslücke 14,8 Prozent), in Ostdeutschland waren es mehr als 31.000 (7,3). Am größten war die Lücke bei Krippenplätzen in Bremen (20,2 Prozent), Nordrhein-Westfalen (16,2) und Rheinland-Pfalz (16,0), am niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern (3,1), Sachsen (5,6) und Sachsen-Anhalt (5,7). Von den westlichen Bundesländern wies nur Hamburg eine einstellige Quote (7,3 Prozent) auf.

          Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2016 in Kindertageseinrichtungen gut 614.000 Kinder unter drei Jahren betreut, in öffentlich geförderter Tagespflege rund 107.000 - insgesamt waren es 3,7 Prozent mehr als 2015. Bei den Drei- bis Fünfjährigen ist die Betreuungsquote inzwischen auf 93,6 Prozent geklettert.

          Die Gesamtausgaben der öffentlichen Haushalte für die Kindertagesbetreuung sind zwischen 2005 und 2015 von 10,8 auf 23,7 Milliarden Euro angewachsen. Ein kürzlich vom Bundestag beschlossenes Investitionsprogramm soll bis 2020 für 100.000 zusätzliche Kita-Plätze sorgen. Dafür erhalten Länder und Kommunen gut 1,1 Milliarden Euro zum Ausbau der Kindertagesbetreuung.

          Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte an diesem Mittwoch: „Klar ist: Der Bund muss den Ländern und Kommunen unter die Arme greifen - auch in Zukunft. 2017 wird der Bund die Rekordsumme von fast 2,5 Milliarden Euro in Kindertagesbetreuung investieren.“ Schwesig legt allerdings neben der Anzahl der Betreuungsplätze auch Wert auf mehr Qualität der Kita-Betreuung. Damit befasst sich ab Donnerstag die Jugend- und Familienministerkonferenz in Quedlinburg.

          Die Opposition zeigte sich unzufrieden. Die Grünen-Expertin Franziska Brantner sagte, die von der schwarz-roten Bundesregierung bewilligten Mittel „reichen hinten und vorne nicht. Wir brauchen diese nicht über einen Zeitraum von vier Jahren, sondern jährlich.“ Für die Linksfraktion sagte der Abgeordnete Norbert Müller, die Regierung rede das Problem klein. Seine Partei fordere „ein Kitaqualitätsgesetz mit einer stärkeren Beteiligung des Bundes an den Kitakosten. Gleichzeitig muss die Erzieherausbildung besser gefördert werden.“

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Arm ja, aber wirklich sexy? Video-Seite öffnen

          Berlin : Arm ja, aber wirklich sexy?

          Berlins Werbeslogan wirkt: Zwölf Millionen Touristen kommen jährlich. 40.000 neue Einwohner ziehen jedes Jahr nach Berlin. Obwohl die Stadt 60 Milliarden Euro Schulden hat und die Gehälter niedrig sind. Was zieht die Menschen an?

          Topmeldungen

          SPD : Der wahre Sieger der Bundestagswahl

          So ein bisschen freuen sich die Sozialdemokraten über das katastrophale Ergebnis der Bundestagswahl. Endlich sind sie die Union los. In der Opposition soll alles besser werden.
          Christine Hohmann-Dennhardt, ehemals Daimler und VW.

          Absprachen-Verdacht : Die doppelte Kronzeugin im Autokartell

          Hinter den Selbstanzeigen von Daimler und VW steckt offenbar ein und dieselbe Person: Christine Hohmann-Dennhardt war an beiden Tatorten. Der Gelackmeierte im Spiel ist BMW.
          Im Alter jeden Cent umdrehen zu müssen - das befürchten viele Arbeitnehmer.

          Sinkendes Rentenniveau : Vorsorgen kann jeder

          Mit der gesetzlichen Rente kommen Pensionäre nicht mehr weit. Jeder zweite Single in Deutschland sorgt sich, seinen Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Dabei ist das gar nicht so schwer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.