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Herbstzeit ist Erkältungszeit: Wie schützt man sich am Besten? Bild: Jan-Hendrik Holst

Erkältungszeit Herbst : Rüstzeug gegen Viren

Herbstzeit ist Erkältungszeit. Und Apotheken werben mit Mitteln, die schnupfenfreie Tage versprechen – und nicht gerade billig sind. Steckt hinter den „Virusstoppern“ und „Immunkuren“ mehr als ein Werbeversprechen?

          Mulivitaminmischungen

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erst einmal lässt sich sagen: Vitamine sind für den menschlichen Körper essentiell. Sie sind an zahlreichen wichtigen Stoffwechselvorgängen beteiligt, auch an der Immunabwehr.Doch ebenso lässt sich sagen: Bei einer ausgewogenen Ernährung braucht der gesunde Mensch keine zusätzlichen Vitamine in Pillenform. Schon mal gar nicht nach dem Gießkannenprinzip mit einer Durchschnittsdosierung nach dem Motto: von allem ein bisschen. Wer chronisch krank ist oder an Mangelerscheinungen leidet, der sollte mit seinem Hausarzt sprechen, hier kann das Zuführen von Vitaminmischungen wichtig sein. Aber nur dann.

          Besonders wichtig im Herbst: Vitamine sind für den menschlichen Körper essentiell.
          Besonders wichtig im Herbst: Vitamine sind für den menschlichen Körper essentiell. : Bild: Jan-Hendrik Holst

          Vitamin C

          Vitamin C, ein Klassiker in der Erkältungszeit. Auf der Verpackung der heißen Zitrone, in Form von Lutschtabletten – überall liest man davon in der Apotheke. Und tatsächlich kann die Ascorbinsäure, regelmäßig eingenommen, die Dauer einer Erkältung positiv beeinflussen. Man ist also in Tagen gerechnet kürzer krank. „Das legen Studien nahe“, sagt Achim Beule, Leitender Oberarzt der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Münster. „Die Häufigkeit der Erkältungen allerdings nimmt nicht ab“, sagt er. Es gebe zwar auch Studien, die zeigten, dass, wer regelmäßig Vitamin C extra zu sich nehme, auch seltener an Erkältungen leide, aber diese Studien seien nicht ausreichend abgesichert. Seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts diskutieren Wissenschaftler nun schon über das Vitamin C und seine Wirkung bei Infektionen der Atemwege. Generelle Empfehlungen gibt es aber nicht. Auch Beule ist deshalb zurückhaltend. Zwar scheidet der Körper überflüssiges Vitamin C wieder aus, aber wer etwa Probleme mit der Niere hat, müsse bei regelmäßiger Vitamin-C-Einnahme vorsichtig sein. Laut Beule gibt es auch keine Untersuchungen, die bewiesen, dass Vitamin C in Pillenform effektiver helfe, als in den Wintermonaten einfach bewusst mehr Vitamin-C-reiche Lebensmittel zu essen.

          Vitamin D

          Kommt nicht nur in Sonnenstrahlen vor: Die Einnahme von Vitamin D kann das Risiko senken, an einem Infekt zu erkranken.
          Kommt nicht nur in Sonnenstrahlen vor: Die Einnahme von Vitamin D kann das Risiko senken, an einem Infekt zu erkranken. : Bild: Jan-Hendrik Holst

          Oh, über Vitamin D und seine Vor- und Nachteile für die menschliche Gesundheit kann man mittlerweile ganze Regale mit Büchern über Studien füllen, die sich durchaus widersprechen.Vitamin D, das für den Körper gar kein klassisches Vitamin darstellt, sondern eine Hormonvorstufe, soll dem Organismus in einigem nützen, manchmal wird es aber auch als Geldmacher verteufelt. Wie genau sieht es beim Thema Erkältung aus? „Vitamin D hat eine modellierende Rolle bei der Infektabwehr und bei chronischen und akuten Nasennebenhöhlenentzündungen“, sagt Beule. Eine Metaanalyse, also die Betrachtung mehrerer Studien, sagt laut dem HNO-Arzt aus: „Wird Vitamin D regelmäßig eingenommen, senkt es das Risiko, an einem Infekt im respiratorischen Bereich zu erkranken.“ In einer angepassten Dosis gelte das auch für Kinder. Welche Dosis passt, bitte beim Haus- oder Kinderarzt erfragen.

          Mikrobiom

          Noch nicht vollständig erforscht: Mikrobiome gegen Erkältung.
          Noch nicht vollständig erforscht: Mikrobiome gegen Erkältung. : Bild: Jan-Hendrik Holst

          Seit Jahren schon rückt das sogenannte Mikrobiom immer mehr in den Fokus der Mediziner. Also all die Mikroorganismen, die im menschlichen Körper etwa Darm, Haut und Schleimhäute besiedeln und damit zur Verdauung, Immunabwehr oder Kommunikation im Körper beitragen. Und auch beim Thema Erkältung kommt man langsam auf das Mikrobiom. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie will sich auf ihrem Kongress im kommenden Jahr speziell damit beschäftigen. Viel weiß man im Moment nur aus Untersuchungen mit Mäusen, aber was schon klar ist: Nimmt der Mensch regelmäßig probiotische Lebensmittel zu sich oder Laktobazillen, stärkt er seine Immunabwehr. Mit dieser Absicht drängen sich auch auf dem Markt der Erkältungsmittel und Immunmodulatoren immer mehr Pillen und Säfte mit Bakterienextrakten. „Es gibt Untersuchungen, die zeigen: Gibt man bestimmte Streptokokken, eine Bakteriengruppe, Menschen in die Nase, verdrängen sie dort die Influenzaviren, die die echte Grippe übertragen, von den Schleimhäuten und schützen so vor einer Ansteckung“, sagt Beule. Das mache so zwar bisher keiner beim Menschen, denn Streptokokken übertragen auch Erkrankungen, aber daran sehe man, wohin die Forschung ginge. Und über das Mausmodell sei man in diesem Fall schon hinaus, ergänzt Beule. „Gibt man nämlich etwa seiner Haus-ente Streptokokken ins Futter, zeigen Studien, dass sie eine geringere Wahrscheinlichkeit hat, an der Vogelgrippe zu erkranken.“

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