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Stolz und voller Liebe ist das Erstgeborene, wenn ein neues Geschwisterchen kommt. Das muss aber nicht immer so sein. Bild: ClassicStock / akg-images

Kurs für Geschwister : Plötzlich nicht mehr allein zu Haus

Für jedes Kind ist der neue Bruder oder die neue Schwester eine Herausforderung. Ein Geschwisterkurs soll die Älteren vor der Geburt stärken.

          Wenn sich in einer Familie zum zweiten Mal Nachwuchs ankündigt, dann ist die große Frage: Wie erkläre ich es dem Erstgeborenen, und wie wird er reagieren? Stolz und voller Liebe? Oder doch eher eifersüchtig mit dem Wunsch, das Geschwisterchen bitte gleich wieder zurückzugeben? Die Geburt eines neuen Kindes führt zwangsläufig zur Entthronung. Plötzlich hat das Kind seine Eltern nicht mehr allein und muss mit dem Baby um die Liebe der Eltern buhlen.

          Bücher zu dem Thema gibt es viele und auch gutgemeinte Ratschläge anderer Eltern, wie zum Beispiel, nach der Geburt ein Geschenk vom neuen Geschwisterchen mitzubringen. Mittlerweile werden in jeder großen Stadt auch Geschwisterkurse für die Kleinen angeboten, in denen sie auf ihre Rolle als großer Bruder oder große Schwester vorbereitet werden sollen. Doch brauchen Kinder tatsächlich solch einen Kurs? Und wann genau ist überhaupt der richtige Zeitpunkt, um den Kindern von der Nachricht zu erzählen?

          „Kinder haben einen siebten Sinn dafür, dass eine Veränderung bevorsteht und die Mutter ein Kind erwartet. Geheimnisse lassen sich also schlecht verbergen“, erklärt Griseldis Burger vom Geburtshaus in Frankfurt und dort Kursleiterin der Geschwisterkurse. „Allerdings sollte man bis zur zwölften Woche warten, da bis dahin ein höheres Fehlgeburtenrisiko besteht und es dann vielleicht kompliziert wird, dies zu erklären“, ergänzt Claudia Riegel, die das Geburtshaus leitet. „Eltern sollten ab dem dritten Monat die Kinder einbinden, denn die Familienbildung ist von Anfang an ein gemeinsamer Prozess“, rät Burger.

          Geschwisterkurs im Geburtshaus in Frankfurt

          Ob Mütter allerdings ihre Kinder mit zur Vorsorgeuntersuchung nehmen oder sie dabei sein lassen, wenn die Hebamme kommt, ist eine andere Frage. Das werde sehr unterschiedlich gehandhabt, so Burger. Es gebe Mütter, die die ganze Erklärung, wie kommt das Kind in den Bauch, was passiert im Bauch, wie kommt das Baby wieder raus, gerne an die Hebamme oder andere erfahrene Personen abgäben. „Es gibt Familien, da ist schon das Thema Nacktheit ein Problem“, berichtet Burger.

          In den Geschwisterkurs kommen Kinder daher aus ganz unterschiedlichen Gründen und mit verschiedenen Voraussetzungen. Einige ältere Kinder wollen von sich aus unbedingt einen Kurs besuchen, weil ja auch die Eltern in einen Geburtsvorbereitungskurs gehen.

          Auf einmal zu zweit: Der britische Prinz George 2015 mit seiner kleinen Schwester Charlotte
          Auf einmal zu zweit: Der britische Prinz George 2015 mit seiner kleinen Schwester Charlotte : Bild: dpa

          Der Geschwisterkurs im Geburtshaus in Frankfurt richtet sich an Kinder zwischen drei und sieben Jahren und dauert etwa 2,5 Stunden. Die Kinder schauen sich erst einmal an, wo das Baby wohnt. Die Kursleiterin zeigt Bilder und bespricht mit den Kindern, wie das Baby Essen bekommt, wie es atmet und wie es im Bauch aussieht. Dabei komme es oft zu amüsanten Situationen, etwa wenn die kleinen Kursbesucher unbedingt Mutterkuchen essen wollten, weil das Wort so lustig klinge, so Burger.

          „Wir besichtigen auch ein Geburtszimmer, dort können die Kinder toben und sich die Baby-Waage oder das Stethoskop anschauen. Und wir vermessen die Köpfe, wie man es auch bei einem Neugeborenen macht“, erzählt Burger. Danach können die Kinder eine Baby-Puppe baden und anziehen. Kursleiterin Burger übt mit den maximal sechs Kindern pro Kurs unter anderem, wie ein Baby richtig gehalten wird. Am Ende basteln die Kinder noch ein Mobile für das Geschwisterchen und bekommen eine Urkunde, die sie dann stolz den Eltern präsentieren können.

          Ein wichtiges Thema ist Eifersucht

          Die kleinen Kursteilnehmer haben nach dem Kurs eine Vorstellung davon, was auf sie zukommt, können mithelfen und wissen, dass sie auch einmal richtig klein waren und ihre Mama sich in der Anfangszeit intensiv um sie gekümmert hat. Sie können Fragen stellen und bekommen ein Gefühl dafür, was es bedeutet, bald einen Bruder oder eine Schwester zu haben. „Sie gehen mit einem Gefühl von Stolz aus dem Kurs“, sagt Burger. „Der Kurs ersetzt aber nicht die Gespräche und die Vorbereitung zu Hause“, ergänzt Riegel.

          Ein wichtiges Thema, das auch im Kurs besprochen wird, ist Eifersucht: Haben mich meine Eltern nach der Geburt noch genauso lieb wie das Baby? Welche Rolle bekomme ich, wenn das Baby da ist? Bin ich dann überhaupt noch wichtig? Das sind die klassischen Sorgen der Kinder.

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