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Großeltern : Verprassen die nicht unser Erbe?

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Ein seltenes Bild: Großvater und Enkelin bei der gemeinsamen Lektüre Bild: picture-alliance / Denkou Images

Ihre Bedeutung als Bindeglied und Vermittler wächst, in der Schweiz gibt es jetzt ein Magazin für und über sie: Chefredakteur Georg Gindely erklärt, warum Großeltern immer wichtiger werden.

          Herr Gindely, Sie sind Chefredakteur des Schweizer Magazins „Grosseltern“. Benötigen Großeltern wirklich eine Anleitung für den richtigen Umgang mit ihren Enkelkindern?

          Nein! Erstens haben sie ja selbst schon Kinder großgezogen und wissen, wie das geht, und zweitens verstehen wir uns auch nicht als Ratgebermagazin. Wir begleiten Großeltern in ihrem Lebensalltag, wir erzählen Geschichten und zeigen, wie reich, wie vielfältig das Leben von Großeltern heute ist.

          Der Soziologe und Altersforscher François Höpflinger spricht von postmoderner Großelternschaft. Nie zuvor war der Lebensabschnitt, den Großeltern und Enkelkinder gemeinsam erleben, derart groß.

          Und genau das ist einer der entscheidenden Punkte, der die Beziehung zwischen Großeltern und ihren Enkeln so wertvoll macht: eine langjährige Beziehung...

          ...in der es vielleicht dazu kommt, dass die Eltern sich scheiden lassen und die Großeltern ihren Enkeln nicht nur Trost, sondern auch die Erfahrung von Beständigkeit vermitteln können.

          Absolut. In einer Patchworkgesellschaft wächst die Bedeutung von Großeltern, als Anlaufstelle, als Bindeglied und manchmal auch als Vermittler. Das Bild des weißhaarigen Großvaters, auf dessen Schoß der Enkel sitzt und etwas beigebracht bekommt, entspricht so jedenfalls nicht mehr der Realität. Freilich, Enkel lernen von ihren Großeltern, aber der Wissenstransfer erfolgt auch in die andere Richtung: Nehmen Sie den Umgang mit digitalen Medien, mit Facebook oder WhatsApp. Trotzdem muss man sich, wenn man von Großeltern spricht, klarmachen, dass diese Gruppe extrem heterogen ist. Es gibt sowohl sehr junge Großeltern, die noch im Beruf stehen, als auch solche, die in einem hohen Alter und pflegebedürftig sind.

          Großelternschaft ist positiv konnotiert. Großeltern gelten als großzügig und geduldig, sie haben immer ein offenes Ohr. Aber ist es nicht in Wahrheit so, dass der aktive Rentner heute lieber die Welt bereist und das Geld verprasst, als auf seine Enkel aufzupassen?

          Die heutzutage oft sehr fitten und aktiven Großeltern haben doch alles Recht dazu, ihr Leben in vollen Zügen zu genießen! Dass heißt ja nicht, dass sie ihre Enkel links liegenlassen würden, im Gegenteil. Laut Studien setzen Großeltern in der Schweiz jährlich für die Betreuung der Enkelkinder etwa 100 Millionen Stunden ein, was einer Wirtschaftsleistung von 3Milliarden Franken entspricht. Ihr gesellschaftlicher Beitrag ist enorm wichtig – dennoch sollten wir ihnen nicht zu viel aufbürden.

          Sie selbst sind Vater zweier Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren. Reisen Ihre eigenen Eltern viel?

          Sehr viel. Aber sie kündigen es immer weit im Vorfeld an! Meine Eltern leben im selben Ort wie wir und haben die Kinder von Anfang an mitbetreut.

          Die Fragen stellte Melanie Mühl.

          Quelle: F.A.Z.

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