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Frankfurter Start-up : Programmieren für Fünfjährige – das geht!

  • -Aktualisiert am

Im Robo-Studio in Frankfurt können auch Kinder schon einen Einstieg ins Programmieren lernen. Bild: Frank Röth

Informatik wird immer wichtiger – Künstliche Intelligenz ist nur ein Stichwort. Auch hier gilt: Früh übt sich.

          Einmal in der Woche gehen die beiden Freunde Samuel und Dušan, acht und neun Jahre alt, vom Hort nicht direkt nach Hause, sondern ins „Robo-Studio“ im Frankfurter Süden. Sie kommen dort mit der Technik hinter Künstlicher Intelligenz in Kontakt, denn sie besuchen einen Programmierkurs speziell für Kinder.

          Hände huschen über Tablet-Bildschirme, gerade knobeln die beiden daran, wie ein Bauer seine Tiere von der Weide in den Stall bringt. Das müssen sie konkret programmieren: Die Bauern-Figur muss lernen, wie sie zu ihren Tieren gelangt, das dann machen – und dann setzen sich die Schweine, Pferde und Hühner in Bewegung.

          Informatik ist schon heute enorm wichtig. Und wird künftig noch bedeutender werden. Gerade „Scratch“, wie das Programmier-Angebot und der gleichnamige Kurs in Frankfurt heißen, wird von prominenter Seite empfohlen als Einstiegsmöglichkeit für die ganz Kleinen. „Es gibt Instrumente, die eingesetzt werden können, um kleinen Kindern Programmieren beizubringen, zum Beispiel die visuelle Programmiersprache Scratch. Ich bin kein Spezialist in Pädagogik, aber ich hätte so ein Werkzeug sehr gerne ausprobiert, als ich noch ein Kind war“, sagte Yann LeCun einmal gegenüber FAZ.NET – er ist KI-Forschungschef von Facebook und einer der Pioniere auf dem Feld.

          Laptops, Tablets, Lego-Roboter

          Das Robo-Studio ist ein Start-up und ein kleiner Familienbetrieb, der im März seine Türen geöffnet hat. Familie Barthel hat dafür Räume im eigenen Haus umgebaut, die nach dem Auszug der eigenen Kinder frei geworden sind. Dort stehen nun Beamer, Laptops, Tablets, 3D-Drucker, Lego-Roboter und alle möglichen anderen technischen Dinge, die für die vielfältigen Kurse für Kinder und Erwachsene benötigt werden. „Die Idee, so etwas anzubieten, hatten wir schon seit sechs oder sieben Jahren“, sagt Detlev Barthel, der selbst Diplomphysiker ist. „Jetzt, wo wir die Räumlichkeiten haben, konnten wir unsere Idee verwirklichen.“ Die Betreiber beschäftigen zudem einen Trainer, der Computertechniker ist.

          Samuel und Dušan sitzen an einem der ovalen Tische und programmieren und probieren fleißig aus. Sie passen ganz und gar nicht in das klassische Nerd-Klischee. „Am Anfang war noch ein dritter Freund dabei, der möchte jetzt aber lieber spielen“, sagt Samuel. Während er mit seinem Trainer darüber spricht, wie es auf dem Computer-Bauernhof weitergehen soll, erzählt Dušan, dass seine Lieblingsschulfächer Sport und Mathe sind. Zwischen Huhn und Hund schnappt er eine Frage von Samuel auf und gibt ihm einen Tipp, wie er sein derzeitiges Problem lösen könnte.

          Das Programmier-Angebot „Scratch Jr“ haben sich Entwickler am renommierten Massachusetts Institute of Technology und der Tufts University in Boston ausgedacht. „Scratch“ ist als kostenfreie App für Apple und Android erhältlich. Durch dieses Instrument können Kinder spielerisch kennenlernen, worum es in der Informatik geht. Ein Beispiel: Wenn etwa der Bauer auf das Feld des Schweins läuft, so soll dieses in die Scheune laufen – das ist ein klassisches „if, then“ der Programmierung. „Scratch Jr“ ist dabei die Version für die ganz Kleinen, für Kinder ab fünf Jahren, die dafür weder lesen noch schreiben zu können brauchen. Die Befehlsfelder sind alle bebildert und können per „Drag and Drop“ aneinandergereiht werden.

          „Im Moment haben wir etwa 30 Kinder in unseren Kursen“, sagt Barthel, „bis Jahresende sollen es 60 sein.“ Dabei sei der Anteil an Schülern von internationalen Schulen besonders hoch, da unter deren Eltern das Bewusstsein für Informatik besonders ausgeprägt sei. Bis zu sechs Kinder können an einem Kurs teilnehmen – betreut werden sie stets von zwei Trainern. Und längst nicht nur Jungen machen mit, sondern auch viele Mädchen, sagt Barthel.

          Besonderen Wert legt der Kleinunternehmer auch darauf, nicht stur nach Konzept vorzugehen. „Wir gehen auch auf die individuellen Interessen der Kinder ein.“ Samuel und Dušan interessieren sich sehr für Labyrinthe, durch die ein Spielstein mit selbstprogrammierten Tasten hindurchmanövriert werden muss, ohne dass dieser mit der Wand kollidiert. Nachdem sie ihre Tiere in die Scheune programmiert haben, arbeiten sie deswegen gerne an neuen Labyrinth-Leveln. Der Aufwand ist übrigens ebenfalls überschaubar: Ein „Scratch Jr“-Kurs beinhaltet vier jeweils zweistündige Termine und kostet 80 Euro.

          Quelle: F.A.Z.

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